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Altenburg Ruth Brandin im OVZ-Interview
Region Altenburg Ruth Brandin im OVZ-Interview
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14:22 11.03.2018
Ruth Brandin im Altenburger Theater, das an diesem Sonntag zur Bühne ihrer Lebensgeschichte wird. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Am Donnerstag empfing das Schauspielensemble drei Tage vor der sonntäglichen Premiere ihrer Revue „Die große Liebe war es nicht“ seinen prominenten Gast Ruth Brandin. Ein Ehrengast, kann man sagen, denn ihre Künstler-Vita gab dem Autoren-Duo Svea Haugwitz und Manuel Kressin den Stoff für die „Ruth-Brandin-Story“. Vor einem ersten Probenbesuch gab der einstige Schlagerstar der DDR im OVZ-Gespräch Antworten zu seiner Geschichte, sprach über die Stasi, die Amiga und die Zeit als Gaststättenleiterin.

Kam das Ansinnen der Stasi, mit ihr zusammenzuarbeiten, für Sie überraschend?

Ich hab das erst mal gar nicht verstanden, was die wollten. Ich sollte meine Kollegen bespitzeln, die mir lieb und teuer sind? Das mach ich nicht. Die Frage hat mich absolut überrascht.

Ihre Ablehnung hatte das Ende einer wirklich großartigen Karriere zur Folge. Wie konnten Sie weiter existieren, ohne den Sängerberuf ausüben zu können?

Ich hätte weitermachen können – aber keinesfalls in der Qualität. Das wäre mir nicht möglich gewesen. Da hab ich freiwillig aufgehört und bin zu meinem Mann hinter die Kaffeemaschine im Café Nord, Schönhauser Allee ... ins berühmte Nachttanzcafé von Ost-Berlin. Ich habe dann alles vom Gastronomenberuf gelernt. Schließlich war ich die Gaststättenleiterin vom Café Nord.

Sie waren aber durch die Arbeit für den Plattenproduzenten Amiga bestens qualifiziert worden. Sie absolvierten Unterricht: Theorie, Stimmbildung, Sprecherziehung, hatten beste Lehrkräfte, eine Opernsängerin.

Ja, und ich war die erste, die ins Ausland geschickt wurde. Nach Warschau, wo ich im Kongresspalast sang und TV-Auftritte hatte, auch in Sopot. Nebenbei: Ich machte die Erfahrung, dass im Nachkriegs-Polen Deutsch zu singen nicht allen Polen gefiel. Ja, als ich noch geduldet war, schickte man mich oft ins Ausland.

Waren Sie denn auffällig offen oppositionell?

Nein, meine Familie war eigentlich kommunistisch und christlich zugleich. Meine Brüder waren in der Volksarmee. Und wir waren eine musikalische Familie. Ich sang als Kind in der Kirche, mit meiner Schwester auf Hochzeiten. Als Heranwachsende gewann ich immer bei Wettbewerben in den Ferienlagern. Inzwischen ist nun auch heute meine Tochter Sängerin; ich hab ihr geholfen, passende Titel ausgesucht. Ja, Sängerin zu werden, das war schon mein Ziel.

Als der Produktionsleiter der Amiga Ihr Arbeitsverhältnis für beendet erklärte, zeigten sich da Menschen mit Ihnen solidarisch?

Ja, schon. Man war entsetzt! Gerd E. Schäfer sagte: Du hinter der Kaffeemaschine? Mach paar Muggen mit einer Band, da hast Du mehr als ein Monatsverdienst. Aber ich wollte nichts unter meinem Niveau. In dem dreistündigen Gespräch mit dem Amiga-Produktionsleiter hatte ich gedacht, ich könnte noch etwas für mich retten. Ich war doch ein Kind der Schallplatte. Es war nichts zu retten.

Wie verhalten sich heute ehemalige Ost-Kollegen Ihnen gegenüber?

Es gab eine Einladung. Die treffen sich immer. Unter ihnen sind einige, die mit „denen“ gearbeitet haben. Da geh ich nicht hin. Mag ich nicht. Aber die Angelika, die „Lütte“... ja, Angelika Mann, die ich von „hier“ kannte, die hat sich in der ersten Zeit „drüben“ um mich gekümmert. Sie schlug mir auch vor, doch wieder zu singen.

Wurden Ihre Erfahrungen mit dem DDR-Regime schon durch andere Publikationen öffentlich gemacht?

Gelegentlich. Der Berliner Rundfunk hatte für eine Folge angefragt. Mich hätten sie leider noch nicht, sonst schon so viele. Im Allgemeinen aber: Eigentlich redete man nicht mehr von mir.

Überraschte Sie das Interesse des Theaters?

Ja, ich war überrascht, und es freute mich riesig. Meine Gebete wurden erhört! Endlich meldete sich mal jemand!

Wie fanden Sie die Zusammenarbeit mit dem Theaterteam?

Wir waren fleißig! Wir haben gearbeitet. Wir haben ein ganzes Jahr intensiv gearbeitet. Ich habe alles erzählt, was mir auf dem Herzen lag.

Hatten Sie die weitere Entwicklung in der Branche über all die Jahre verfolgt?

Nein. Ich mochte keine Musik hören. Ich konnte nicht das Radio einschalten. Das machte mich krank. Wie das mit der Musik in der DDR weiterging, interessierte mich nicht mehr.

Was aber hören Sie, wenn Sie heute das Radio einschalten?

Lionel Richie, Udo Lindenberg, Robbie Williams, Gitte Haenning, Francoise Hardy, Blossom Dearie und so einige Jazzer. In Leipzig hatte ich doch einst auch mit Werner Füller und seiner Band gejazzt.

In der Revue hat die Schauspielerin Michaela Dazian Ihre Titel zu singen und eine „Ruth Brandin“ zu spielen, die nicht eine Kopie 1:1 ist wie im Wachsfigurenkabinett, aber doch Ihre theatralische Widerspiegelung. Was ist für Sie spannender, der Gesang oder die schauspielerische Aufgabe?

Theoretisch habe ich einiges über die Spielweise der Schauspiel-Revue gehört. Es ist bewusst manches satirisch überhöht. Das muss ich erst einmal hören und sehen. Aber Michaelas Stimme habe ich schon gehört. Ich finde: Die passt. Was sie alles zu bewältigen hat! Sie hat es sicher schwer. Ich war keine schlechte Sängerin.

Von Helmut Pock

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