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Altenburg Sabine Franke ist die Chefin des Altenburger Wochenmarkts
Region Altenburg Sabine Franke ist die Chefin des Altenburger Wochenmarkts
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07:07 10.11.2018
Hat seit drei Jahren in Altenburg die Marktaufsicht inne: Sabine Franke. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Seit drei Jahren hört auf dem Altenburger Wochenmarkt alles auf das Kommando von Sabine Franke. Die Marktmeisterin im OVZ-Interview.

OVZ: Marktmeisterin – klingt spannend, aber was genau ist Ihr Job?

Sabine Franke: Eigentlich lautet die korrekte Bezeichnung ja „Marktaufsicht“, aber selbst für unseren Oberbürgermeister bin ich die „Marktmeesterin“ (lacht). Ich kümmere mich darum, dass jeder Händler am richtigen Platz steht, stopfe kurzfristig Lücken, stelle sicher, dass alle um 8 Uhr verkaufsbereit und alle Autos vom Platz sind, kassiere die Gebühren und überwache auch, das keiner eher als 17 Uhr abbaut. Daran müssen sich alle halten. Einfach kommen und fahren wie man lustig ist, gibt’s nicht.

Das klingt sehr streng...

Ist es auch, aber der Mensch ist ein Gewohnheitstier und gerade dieses Kontinuierliche, diese festen Zeiten, auf die man sich verlassen kann, schätzen sowohl die Händler als auch die Kunden an unserem Markt. Wir haben immer so um die 50 Händler beim Mittwochsmarkt. 41 davon sind jede Woche da – und das oft schon seit vielen, vielen Jahren.

Kann jeder, der will, seinen Stand aufbauen oder gibt es auch dafür Vorschriften?

Natürlich schaue ich schon, dass wir eine möglichst große Vielfalt anbieten, weshalb es zum Beispiel eine Quotenreglung für Textilhändler gibt. Bis spätestens sieben Uhr morgens muss ich wissen, wer von den Regulären kommt, um dann spontane Anfragen nach Platz beantworten zu können. Für kleine Stände findet sich immer eine Lücke. Ab vier Metern wird’s schwierig. So oder so versuche ich immer die klassische rechteckige Form beizubehalten. Der Markt sonnabends hat als Frischemarkt auch einen anderen Fokus als der mittwochs.

Was sind so die typischen Probleme, um die sie sich kümmern müssen?

Ach, das ist ganz unterschiedlich. Mal kommen die Leute auf mich zu, weil sie „ihren“ Händler nicht finden. Dabei steht der an der selben Stelle wie immer, hat aber vielleicht ein weißes statt ein grünes Auto. Oder ich habe ihm samstags eine andere Stelle als mittwochs zugeteilt. Auch das verwirrt die Leute, Thema: Macht der Gewohnheit. Ein Mal hatten wir auch einen neuen Händler, dem hatte ich vergessen zu sagen, das hier keiner auf Marktschreier macht. Der bewarb seine Produkte lautstark. Das Kurioseste bisher war die Ansage: Du, Sabine, mir hat gerade jemand vor den Stand gekotzt! Da bin ich selbst mit Wasser und Schrubber hin und hab mich gekümmert. Ging am schnellsten.

Auffällig viele Händler sind oft schon seit Jahrzehnten jeden Mittwoch am Start. Macht das Ihre Arbeit leichter und vielleicht auch schöner?

Händler sind ein eigenes Volk, die ein Mal in der Woche als Kollegen zusammen arbeiten müssen. Das sind neun Stunden in denen ich mit ein bisschen Humor versuche, jedes Problem zu lösen. Dass viele schon so lange dabei sind, macht es einfacher und auch sehr familiär. Die wissen, wo der Hase lang läuft. Ich mag diesen Kontakt zu den Händlern und Bürgern. Das Geplänkel gehört dazu. Ich bin eine Mischung aus Kummerkasten, Seelsorger und Mutti. Man darf die Menschlichkeit nie vergessen.

Aus dem Nähkästchen geplaudert: Was treibt Händler um?

Vor allem das Nachfolgeproblem! Viele Händler stehen immer noch selbst hinter der Theke, obwohl sie schon das Rentenalter erreicht haben. Weil ihnen ihr Stand natürlich am Herzen liegt und ihnen die Arbeit immer noch Spaß macht. Aber viele haben auch niemanden, der irgendwann übernehmen könnte. Mal sehen, wie das weitergeht.

Apropos Mutti: Können Sie auch richtig streng sein?

Oh ja! Von 8 bis 17 Uhr herrscht für alle Anwesenheitspflicht, auch wenn man mal darüber diskutieren sollte, ob wir die letzte Stunde wirklich brauchen. Da ist fast nichts mehr los und der Tag ist für viele Händler eh schon der längste der Woche. Nichtsdestotrotz geht einfach abbauen vorm offiziellen Ende und das noch ohne nachfragen gar nicht. Deshalb hab ich einem Händler letztens Marktverbot erteilt. Bei Befindlichkeiten ist es immer eine Gratwanderung. Irgendwas ist immer (lacht).

Wie wurden Sie Marktmeisterin?

Lange bevor ich bei der Stadtverwaltung anfing, habe ich Anfang der 1970er ein Lehre zur Verkäuferin gemacht und mein ganzes Berufsleben immer mit Leuten zu tun gehabt. Da entwickelt sich eine gewisse Menschenkenntnis. Zudem bin ich ein Freund klarer Ansagen (lacht). Eine neue Marktaufsicht wurde ziemlich lange gesucht, denn das ist nicht jedermanns Sache. Irgendwann wurde ich gefragt: Traust du dir das zu? Und ich musste nicht lange überlegen. Nur im Büro sitzen, da würde ich kaputt gehen. Ich bereue diese Entscheidung nicht. Im Gegenteil! Geht nicht, gibt’s bei mir nicht. Nur geht schwer! An marktfreien Tagen bin ich auch für den Festplatz oder Spielhallen zuständig.

Was hat es mit ihren Schuhen auf sich?

(schaut auf ihre Füße und lacht) Das mit den neon pinken Sneakern hat sich zufällig ergeben. Ich brauchte ein Paar neue und fand die Farbe witzig. Inzwischen sind sie mein Markenzeichen. Deshalb trag ich auch keine dieser typischen neon-gelben Westen, damit man mich als Marktaufsicht erkennt. Wie sagte letztens einer der Händler? Sie brauchen keine Weste, wir brauchen doch bloß nach unten zu gucken.

Auf Ihrem Tisch liegt zusammen gefaltet ein Übersichtsplan für alle Händler auf dem Markt....

Schauen Sie mal, wie abgegriffen der ist, wobei ich den schon lange nicht mehr brauche. Dabei dachte ich am Anfang: Oh Gott, das lernst du nie! Mittlerweile kommt der nur noch zum Einsatz, wenn ich im Urlaub bin.

Bei jedem Wind und Wetter: Markt ist das ganze Jahr, oder?

Ja, mittwochs ist von Januar bis 22. Dezember immer Markt. Nur während des Open Air Festivals auf dem Markt im Sommer fällt er ein Mal ersatzlos aus. Ansonsten wird er, wenn Feiertag ist, einen Tag vorverlegt und fällt etwas kleiner aus, weil nicht alle kommen. Nach dem Buß- und Bettag „rutscht“ der Wochenmarkt auf den kleinen Teil Richtung Brüderkirche, damit der Weihnachtsmarkt aufgebaut werden kann. Sonnabends fällt er nur zum Bauernmarkt und zum Skatstadt Marathon aus.

Diese Stände wurden in der Serie vorgestellt

Mit dem Interview mit der Marktmeisterin Sabine Franke endet die Serie über den Altenburger Wochenmarkt und seine Händler. Folgende Stände wurden in der Serie vorgestellt.

Obsthof Christian Martin

Unterwäschestand Simone Kunze

Raumschmuck Sabine Wilfert

Imker Ronny Böttcher

Holzländischer Frischhandel

Bäckerei und Konditorei Flechsig

Gewürzestand Roswitha Schmiedel

Geflügelhof Grünberg

Gärtnerei Staacke

Kurzwarenstand Hiller

Käserei Altenburger Land

Roßschlächterei Jahr

Von Maike Steuer

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