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Sächsische Armee 1812 probt in Kraschwitz

Frühjahrsmanöver Sächsische Armee 1812 probt in Kraschwitz

Für ihr diesjähriges Frühjahrsmanöver hat sich die Sächsische Armee 1812 den Vierseithof von Joachim Neuhaus in Kraschwitz ausgesucht. Hier haben rund 80 Frauen, Männer und Kinder ein Wochenende wir vor 200 Jahren verbracht.

Vor dem Manöver gibt es Abstimmungen.

Quelle: Jörg Reuter

kraschwitz. Irgendwo zwischen Schützengilde, Geschichtsverein und Faschingsklub ist das Hobby der Männer und Frauen angesiedelt, die am Wochenende ihr Lager in Kraschwitz aufgeschlagen hatten. Mit viel Liebe zum Detail versuchen sie, das Leben der Soldaten zu Zeiten der napoleonischen Kriege nachzuempfinden. Dazu gehören auch Manöver wie anno dazumal, denn beim Nachstellen historischer Gefechte vor Publikum soll alles klappen. Und dafür muss fleißig trainiert werden.

„Joachim Neuhaus vom Verein Dorfart Kraschwitz kenne ich schon viele Jahre, noch vom Prinzenraub“, plaudert Thomas Pechmann vom Verein Grenadierbataillon von Spiegel Wolkenstein während einer Exerzierpause. Schon länger habe der Gedanke im Raum gestanden, das traditionelle Frühjahrsmanöver der Sächsischen Armee 1812 in dem idyllischen Vierseithof von Neuhaus durchzuführen. In diesem Jahr wurde die Idee erstmals in die Tat umgesetzt.

Die Soldatendarsteller suchen für ihr Frühjahrsmanöver immer eine geeignete Örtlichkeit. Kraschwitz biete sich dafür besonders an, so Pechmann, denn das Gehöft biete die perfekte Kulisse - stammt es doch aus dem frühen 19. Jahrhundert. Schließlich geht es den Hobby-Militärhistorikern darum, möglichst nahe an das Leben der Soldaten zu jener Zeit heranzukommen. „Wir haben auch versucht, alles Moderne aus dem Hof zu schaffen oder anzuecken“, sagt Pechmann. Von Freitag bis Sonntag campten, pardon biwakierten, die Darsteller. Dazu gehörte für die rund 80 Frauen, Männer und Kinder ein Nachtlager auf Strohsäcken genauso wie das Kochen und Speisen wie vor über 200 Jahren.

Doch das Treffen trägt nicht nur pro forma den Titel Manöver. Das Training verschiedener Formationsaufstellungen bestimmte das Wochenende. Rund 60 Soldatendarsteller, Infanteristen und Kanoniere übten sich im militärischen Drill und feuerten auch mal ihre Waffen ab. „Bei Gefechtsdarstellungen wie zur Jahrfeier der Völkerschlacht 2013 oder in diesem Jahr in Jena anlässlich 110 Jahre Schlacht bei Auerstedt soll unser Auftritt nicht nur gut aussehen, es geht auch um die Sicherheit der Darsteller. Denn die Waffen, die wir tragen, sind keine Spielzeuge, sondern voll funktionsfähig“, betont Pechmann.

Auch wenn natürlich weder beim Manöver noch bei den historischen Gefechten scharf geschossen wird, was sowohl mit den Musketen als auch mit den Kanonen möglich ist, bleibt ein Restrisiko. Nicht zuletzt die zahlreichen Scharten an Pechmanns Bajonett zeugen davon. „Die stammen von Waterloo, da hat uns die französische Reiterei arg bedrängt“, erzählt Pechmann mit einem Lächeln. Dann meint er, es sei ein Unterschied zu lesen, dass der Boden von den Pferdehufen bebte oder dies einmal selbst zu erleben.

Und genau darum geht es den Freizeitsoldaten. Sie wollen Geschichte leben und erleben. Dafür ziehen sie sich nicht nur historische Uniformem über, sondern recherchieren in Archiven, beschäftigen sich mit altem Handwerk, um Kleidung und Zubehör herzustellen oder treffen sich eben zum Exerzieren. Alles so authentisch wie nur möglich. Wozu auch der raue Befehlston der Offiziere gehört, der sich ­ selbstverständlich - genau an die überlieferten Vorgaben und Kommandos hält.

Zwar ist das Frühjahrsmanöver keine öffentliche Veranstaltung, doch Trommelwirbel und Kanonenschläge lockten etliche Kraschwitzer an. Sie schauten den Infanterietruppen beim Training auf dem Feld zu oder ließen sich interessiert über Waffen und Uniformen aufklären. Ob im kommenden Jahr die Sächsische Armee 1812 zu ihrem Frühjahrsmanöver wiederkommt, ist noch offen, hieß es aus „Soldatenkreisen“.

Von Jörg Reuter

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