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Altenburg Sandy Pohling fand in der Altenburger „Mu-Ki“ ungewollt ein neues Zuhause
Region Altenburg Sandy Pohling fand in der Altenburger „Mu-Ki“ ungewollt ein neues Zuhause
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14:00 10.12.2016
Sandy Pohling blickt mit ihren beiden Kindern wieder glücklich in die Zukunft. Es gab Zeiten, da war dies nicht so. Quelle: Foto: Mario Jahn
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Altenburg

“Mu-Ki“ heißt die Wohngruppe für Mütter und Kinder in Not, für die die OVZ eine Spenden-Aktion bis zu Heiligabend gestartet hat. Die Bewohner in der Molbitzer Straße wünschen sich ein kleines Gerätehäuschen für Kinderwagen und Spielsachen. Im Moment gehören zur „Mu-Ki“ drei Mütter mit fünf Kindern.

Auch für Sandy Pohling bot die Wohngruppe für fast zwei Jahre ein neues Zuhause. Die Altenburgerin war hochschwanger, als sie im März 2013 dort mit zwei Koffern einzog. Freiwillig kam die junge Frau nicht. Sie tat das, weil sie vom Amtsgericht dazu beauflagt worden war. Denn Sandy Pohling kam mit ihrem ersten Jungen, dem damals etwa dreijährigen Linus*, nicht zurecht, war völlig überfordert. Das Kind rastete aus, boxte, spuckte und schrie, rannte gegen Wände, zeigte keinerlei Schmerzgefühl. Erst vor seiner Einschulung stellte eine Kinderärztin fest, dass Linus an der als ADHS bekannten Hyperaktivitätsstörung litt. Damit kam Sandy Pohling überhaupt nicht zurecht. Sie schlug ihr Kind und tat noch Schlimmeres. „Ich hab oft die Nerven verloren, auch weil ich nicht wusste, dass Linus krank ist. Heute weiß ich, dass ich anders hätte reagieren müssen“, sagt die 37-Jährige. Das alles tue ihr sehr leid.

Die Erzieherinnen sahen fortan stets streng zu, wie sie den in der „Mu-Ki“ auf die Welt gekommenen Jan* behandelte, schätzten ein, ob sie noch gewaltsam reagiere. „Sie waren richtig misstrauisch“, erinnert sich Sandy Pohling. Linus war woanders untergebracht und durfte seine Mutti zunächst nur hin und wieder, später dann auch an den Wochenenden besuchen. In der „Mu-Ki“ wusste zunächst niemand, dass Linus an ADHS leidet. Seit seiner Einschulung bekommt er nun Medikamente.

An die neue Umgebung musste sich Sandy Pohling freilich erst gewöhnen, vor allem an die neuen Regeln, das Leben in der Gemeinschaft und das zugeteilte Geld, über das sie, bis auf ein kleines Taschengeld, nicht mehr selbst frei verfügte. „Es war manchmal schwierig, aber auch eine schöne Zeit“, denkt sie heute daran zurück. „Ich habe sehr viel Positives mitgenommen, vor allem den Umgang mit anderen Charakteren gelernt. Es ist sehr gut, dass es eine solche Einrichtung gibt.“

Im Januar 2015 durfte Sandy Pohling die Wohngruppe wieder verlassen und zog zunächst in eine Trainingswohnung für Mütter mit Kindern, wo die Betreuer nur hin und wieder vorbeisahen und nicht rund um die Uhr da waren.

Sechs Monate später zog sie dann in eine eigene Wohnung in Altenburg, arbeitete zunächst ehrenamtlich und später in einem Ein-Euro-Job. Bis heute besuchen sie und auch die beiden Kinder die „Mu-Ki“ noch regelmäßig. Auch das gehört noch zu den Auflagen des Gerichts.

„Wenn man merkt, dass nicht mit seinem Kind zurechtkommt, muss man sich eingestehen, dass man Hilfe braucht“, rät sie Frauen ihn ähnlichen Situationen. „Und diese Hilfe muss man dann annehmen. Das musste auch ich erst lernen.“

(*Namen der Kinder geändert)

Von Jens Rosenkranz

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