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"Schade um Zeit und Mühe": Gastronomen beklagen ruinösen Wettbewerb

"Schade um Zeit und Mühe": Gastronomen beklagen ruinösen Wettbewerb

Gastronomen der Skatstadt beklagen einen ruinösen Wettbewerb bei der Ausrichtung von öffentlichen Veranstaltungen, wie des Neujahrsempfangs des Oberbürgermeisters, aber auch bei der Eröffnung des Teehauses.

Altenburg. Von Jens Rosenkranz

Bis 17. Dezember konnten Interessenten ihre Angebote für die gastronomische Versorgung des Neujahrsempfangs von OB Michael Wolf (50, SPD) am 11. Januar im Goldenen Pflug abgeben. Um die Ausschreibung hatte sich die Energie- und Wasserversorgung Altenburg (Ewa) gekümmert. Gefordert waren ein Sektempfang und danach ein zweites Getränk für jeden Gast. Nach dem offiziellen Teil sollen den Gästen ein ansprechendes kaltes Buffet und drei warme Speisen angeboten werden. Was die Teilnehmer über das zweite Getränk hinaus noch trinken wollen, müssen sie selbst bezahlen. Dazu kommen Besteck, Geschirr, Tischwäsche, Gläser und 30 Stehtische sowie ausreichend Bedienpersonal. Geplant wird mit 450 bis 500 Personen.

Die Ewa bat acht Gastronomen um die Abgabe von Angeboten. Zwei bewarben sich, vier meldeten sich überhaupt nicht, und zwei lehnten eine Offerte ab. Einer der beiden ist Dietrich Wieland, Geschäftsführer des Hotels Altenburger Hof. Der Hotelier sieht keinen Grund, Zeit und Mühe in eine Kalkulation zu stecken und sich zu bewerben.

Wieland behauptet gegenüber OVZ, dass schon vor der Ausschreibung feststehe, wer den Zuschlag erhält: Der Ratskeller, so wie beim letzten Mal und auch im Jahr davor. Denn dessen Preise kann Wieland nicht unterbieten, weil sie ihn tief in die Verlustzone bringen würden.

Als Indiz für seine These, dass der Gewinner schon vor dem Start feststeht, führt er nicht nur seine jahrelange Erfahrung an, sondern auch ein Telefonat mit Carola Blümel, der Pressesprecherin der Ewa. Sie soll darin Verständnis geäußert haben, dass der Hotelier sich nicht an der Ausschreibung beteiligt, weil es ohnehin feststeht, wer den Zuschlag erhält, wie Wieland der OVZ erklärte.

Carola Blümel dementierte gegenüber OVZ, so etwas geäußert zu haben, räumte jedoch ein, dass das Telefonat mit Wieland schon fast einen Monat zurückliege. Ihr Chef, Ewa-Geschäftsführer Anton Geerlings, zeigte sich über die Meinung von Dietrich Wieland deutlich verärgert. Das günstigste Angebot entscheide, wer den Zuschlag für die gastronomische Versorgung des Neujahrsempfanges bekommt, sagte Geerlings der OVZ.

Der Name spiele dabei keine Rolle. Die Ausschreibung verlaufe fair, und es sei falsch, dass das Ergebnis von vornherein feststehe und Bieter nur mit Dumpingpreisen eine Chance hätten. Wer sich nicht am Wettbewerb beteiligt, habe Aufträge offenbar nicht nötig, sagte Geerlings. "Ich denke, dass das Angebot vom Ratskeller auch noch zu unterbieten ist, ohne dass Mitarbeiter ausgebeutet werden." Damit gab Geerlings gleichzeitig bekannt, wer den Zuschlag für den Neujahrsempfang am 11. Januar bekommt: Der Ratskeller.

Dass der Zuschlag von vornherein feststehe, meint auch André Ohneberg, Geschäftsführer des Kulturhofs Kosma. Daher habe auch kaum noch jemand Lust, sich zu bewerben. Ohneberg sagt ebenfalls, es sei unmöglich, den Zuschlag zu bekommen, ohne rote Zahlen zu schreiben, was für ihn aber nicht das Ziel eines Geschäfts sei.

Solche Erfahrungen hat der Geschäftsmann nicht nur beim Neujahrsempfang gemacht. Ein Verlustgeschäft sah er auch bei der Einweihung des Teehauses am 31. August vergangenen Jahres. Für deren gastronomische Versorgung hatte der in städtischem Besitz befindliche Eigenbetrieb Residenzschloss Altenburg eine Ausschreibung vorgenommen und laut Ohneberg eine Kostengrenze von 3000 Euro festgelegt. Die gewünschte Bewirtung von 200 Gästen wäre laut Ohnebergs Rechnung nur mit einem Minus von 91,30 Euro möglich gewesen.

"Aus unternehmerischer Sicht bin ich meinen Mitarbeitern verpflichtet, das Unternehmen gewinnbringend zu führen", teilte er dem Residenzschloss schriftlich seine Absage mit. "Eine reale Chance, überhaupt einen Euro Gewinn zu machen, sehe ich nicht." Mindestlöhne, von denen in Deutschland immer wieder die Rede ist, könnten bei dieser Ausschreibung nicht angewendet werden. Eine Absicherung mit fest angestellten Mitarbeitern wäre noch unrealistischer, schrieb er. Die Bewirtung der Teehaus-Einweihung ging an den Ratskeller.

Daniela Wolf, eine der beiden Geschäftsführer und Gesellschafter des Ratskellers, kann die Kritik ihrer Mitbewerber nicht nachvollziehen und bezeichnete gegenüber OVZ die Ausschreibungen als völlig normal. Der Ratskeller habe bei seinen Geboten stets nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt und dabei niemals ein Verlustgeschäft eingeplant, sagte sie. So etwas wäre auch ihren Mitarbeiter gegenüber völlig unverantwortlich gewesen.

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