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Schattenseite des Sonnenstroms - Fotovoltaikanlagen auf Gebäudedächern erschweren bei Bränden die Löscharbeiten immens

Schattenseite des Sonnenstroms - Fotovoltaikanlagen auf Gebäudedächern erschweren bei Bränden die Löscharbeiten immens

Der Trend hin zu erneuerbaren Energien ist auch hierzulande ungebrochen. Immer mehr Dächer von Wohnhäusern werden mit Fotovoltaikanlagen bestückt, die Licht in Elektroenergie umwandeln.

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Auch in Langenleuba-Niederhain wird auf einem Gemeindeblock mit der Sonne Strom erzeugt. Doch bei einem Brand sind die Anlagen ein Hindernis für die Feuerwehr.

Altenburg. Von Jörg Wolf

Die Anlagen schießen auch im Altenburger Land wie Pilze aus dem Boden. Dabei bergen die Lichtkraftwerke auf Hausdächern einige Gefahren. "Wenn es zu einem Gebäudebrand kommt, werden durch sie die Löscharbeiten erheblich erschwert", sagt Kreisbrandinspektor Uwe Engert. Denn Fotovoltaikanlagen stehen ständig unter Spannung. "Da reicht selbst das Mondlicht oder eine Straßenlaterne aus."

Im Brandfall sehen sich die angerückten Feuerwehrleute mit einem gefährlichen Handicap konfrontiert. "Beim Löschen mit Wasser riskieren die Kameraden einen Stromschlag", beschreibt Engert das Problem. Im Landkreis gab es glücklicherweise noch keinen Unfall. Aber anderswo kam es bei solchen Einsätzen schon zu erheblichen Verletzungen.

"Wir haben den Kameraden bereits vor einigen Jahren, als der Trend mit Fotovoltaikanlagen an Fahrt aufnahm, entsprechende Schulungen angeboten. Und die wurden auch sehr gut angenommen." Man sei auf so ein Szenario durchaus vorbereitet und wisse, was zu tun ist, erklärt Engert. Von der Hand weisen mag er allerdings nicht, dass derlei Einsätze wesentlich komplizierter sind und auch deutlich mehr Schaden bedeuten. "Usus ist bei Brandfällen, dass man das betroffene Objekt zuerst vom Strom- und Gasnetz trennt, um ungefährdet löschen zu können", sagt der Experte. Fotovoltaikanlagen aber könnte man nicht einfach abschalten. Oftmals seien sie auch nicht genehmigungspflichtig, sodass niemand von der Feuerwehr genau wisse, wo sich im Gebäude möglicherweise ein Hauptschalter befinde.

Gelöscht werden kann bei einer mutmaßlich unter Spannung stehenden Anlage deshalb nur aus einem Sicherheitsabstand von zehn bis 15 Metern. "Solche Löschangriffe gleichen denen vergangener Tage. Das Objekt wird dann regelrecht geflutet. Der Wasserschaden übersteigt danach oft den des Feuers um ein Vielfaches", meint auch Schmöllns Stadtbrandmeister Volker Stubbe. Außerdem wirken die Platten der Fotovoltaikanlagen wie ein Regenschirm über den Flammen. Der Schmöllner Brandschützer steht den Fotovoltaikanlagen jedenfalls persönlich sehr skeptisch gegenüber: "Auf mein Dach würde so ein Ding nie kommen."

Die Gefahren sind nach Stubbes Ansicht unkalkulierbar. "Wenn keine eingeschlossenen Personen gerettet werden müssten, würde es bei mir einen Innenangriff in einem brennenden Gebäude mit so einer Anlage nicht geben. Denn niemand weiß doch, wo sich eventuell stromführende Leitungen befinden." Gerade bei den zahlreich ausgebauten Dachgeschossen sei dies besonders brisant.

Starkenbergs Feuerwehrleute kamen einer Fotovoltaikanlage bereits sehr nah: Als Ende August um die 600 Strohballen in Großröda brannten, befand sich nur wenige Meter entfernt eine Lagerhalle mit einer Anlage auf dem Dach. "Wir konnten zwar ein Übergreifen der Flammen verhindern", sagt Ortsbrandmeister Steffen Kühn und atmet noch heute auf. Kühn findet es im Übrigen bemerkenswert, das für Fotovoltaikanlagen zwar kräftig die Werbetrommel gerührt, "aber über die möglichen Gefahren kaum geredet wird".

Kreisbrandinspektor Uwe Engert will die Kleinkraftwerke auf Dächern dennoch nicht verteufeln. "Unsere Feuerwehrleute stellen sich bei den Ausbildungen auch auf die neuen Gefahren ein und proben die notwendigen Abläufe. Das ist immer so bei Neuerungen, die meist auch eine Schattenseite haben." Allerdings sieht er Verbesserungsmöglichkeiten. "Wer vorhat, so eine Anlage auf seinem Dach zu installieren, sollte mit der örtlichen Feuerwehr Kontakt aufnehmen und die Anlage vorstellen", rät er. Die Kameraden wüssten dann im Ernstfall, wie die Anlage aufgebaut ist und wo sich der Trennschalter befindet. Darüber hinaus können die Brandschutzprofis dann dem Investor Tipps geben, wie die Anlage fürs Löschen sicherer gemacht werden kann.

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