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Altenburg Schauspieler Ulrich Milde steht seit 45 Jahren auf der Theaterbühne
Region Altenburg Schauspieler Ulrich Milde steht seit 45 Jahren auf der Theaterbühne
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00:38 01.11.2015
In „Tod eines Handlungsreisenden“ spielt Ulrich Milde den Handlungsvertreter Willy Loman.  Quelle: Foto: Stephan Walzl
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Altenburg

 Eine gewisse Grundspannung sei schon da, gibt Ulrich Milde, gerade von einer Probe kommend, zu. „Aber die richtige Aufregung kommt erst kurz vor dem Beginn der Vorstellung.“ Also in diesem Fall am Sonntag, wenn für den Mann, der dieses Jahr seit 45 Jahren auf der Bühne weilt, die nächste Premiere im Altenburger Landestheater ansteht. Willy Loman, einen erfolglosen Handelsvertreter, der sich in Träume flüchtet, verkörpert er in der Inszenierung „Tod eines Handlungsreisenden“. Für Milde ist das Besondere an dem Stück von Arthur Miller unter anderem, dass die angesprochenen Themen wie Burnout oder der Wunsch nach sozialer Anerkennung auch mehr als 65 Jahre nach der Uraufführung noch aktuell sind.

Genau dies hat ihn am Theatermachen seit jeher gereizt: „Ich hatte immer das Gefühl, dass man zwar die Welt nicht verändern kann, aber sie mit dem Theater ein kleines bisschen besser machen zu können.“ Natürlich habe sein Ansatz, mittels der Möglichkeiten des Schauspiels auch ins System einzugreifen, in der DDR-Zeit eine größere Rolle gespielt. Geschichten so zu erzählen, dass jeder die verschlüsselte Botschaft versteht, ohne sie platt hinaus zu posaunen, das sei damals der Kick gewesen, erzählte der gebürtige Dresdner mal in einem Interview. Heute ist zwar die Erzählweise eine andere, die Freude am Theatermachen hat ihn dennoch nie verlassen, „weil man etwas gestalten, sich einbringen kann.“

Die Lust daran, in andere Rollen zu schlüpfen und sich auszudrücken, hatte Milde schon in seiner Kindheit. In seinem Elternhaus war Hausmusik eine Selbstverständlichkeit. Gern unterhielt er auch die Menschen in der Straßenbahn. „Und wenn es in der Schule darum ging, Gedichte aufzusagen oder etwas spielerisch zu gestalten, hieß es immer: Das macht der Uli.“, blickt er heute zurück. „Der Weg war also ein bisschen vorgezeichnet, aber ich bin nie hineingedrängt worden.“ 1970 kam der Sprung in die professionelle Theaterbranche: Milde unterschrieb am Dresdner Staatstheater den Vertrag für ein Regievolontariat. Danach studierte er Schauspiel, später noch Theaterwissenschaften.

Ulrich Milde als Koch Lobkowitz in Taboris „Mein Kampf“. Quelle: Stephan Walzl

Immer wieder stand der Schauspieler, der vor allem in Gera und Altenburg tätig war, seitdem als Regisseur auch hinter der Bühne, arbeitete mit Kindern und Jugendlichen. Allein am Altenburg-Geraer Theater war er für 14 Inszenierungen verantwortlich, darunter das Projekt „free@heart“, in dem Darsteller mit einer Behinderung gemeinsam mit nichtbehinderten Musicaldarstellern, Schauspielern und Schülern auf der Bühne agierten. „Den Wechsel, wenn man inszeniert hat und dann wieder spielt, habe ich immer als sehr erfrischend empfunden“, sagt Milde.

Und gespielt hat Milde in den vergangenen Jahren, unzählige Rollen sind zusammengekommen. Gezählt hat der Mann, der sein Alter lieber nicht gegenüber der Öffentlichkeit preisgeben will, sie nicht. Aber an viele erinnert er sich gern zurück. An den Frantisek in „Fiktiver Report über ein amerikanisches Pop-Festival“ zum Beispiel. „Das war ein Renner, das rockte“, beschreibt er eines seiner ersten Stücke, „und nach der Vorstellung standen junge Frauen und Männer vor dem Eingang und wollten Autogramme.“ Oder an den Hardenberg in „Die fetten Jahre sind vorbei“, an den Koch Lobkowitz in Taboris „Mein Kampf“, an die Rolle des Gerhard Schmale im Stück „Die im Dunkeln“.

Gerade letztgenanntes ist im Gedächtnis geblieben, denn Milde hat Schmale selbst kennengelernt, die Widerstandgeschichte aus der Anfangszeit der DDR aus dessen Schilderungen gehört. „Das vergisst man nicht, das geht ans Herz.“ Und welche Rollen sind ihm noch besonders ans Herz gegangen? „Das Verrückte ist: Ich mag immer die Rolle besonders, mit der ich mich gerade beschäftige.“ Willy Loman ist es somit im Moment, aber weitere Rolle werden noch kommen. Denn eins ist sicher: Die Lust zu spielen ist immer noch da.

Von Jenifer Hochhaus

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