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Schauspieler aus Burkina Faso verabschieden sich vom Altenburg-Geraer Theater

Schauspieler aus Burkina Faso verabschieden sich vom Altenburg-Geraer Theater

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschieden sich zwei der drei Schauspieler aus Burkina Faso, die in dieser Spielzeit am Altenburg-Geraer Theater mitgewirkt haben.

Altenburg. Von Tatjana Böhme-Mehner

Nein, beschreiben könne man das nicht. Man müsse es erleben. Dass auch die Erfahrung der klirrenden Kälte der letzten Tage in die Kunst des Geschichtenerzählers einfließen wird, ist dennoch klar. Genau wie Mahamoudou Tapsoba (42) dem neugierig fragenden Europäer versucht, jenes Klima zu beschreiben, das ihn nun zu Hause in Burkina Faso erwartet. Die Sonne, das Leben, die Menschen. Eine völlig andere Kultur und Mentalität. Er wiegt die Welten nicht gegeneinander auf. Warum auch?

Mahamoudou Tapsoba zählt zu jenen Menschen, die mit wachen Augen durch die Welt gehen und aus nahezu jeder Erfahrung größtmöglichen Gewinn für ihre lebendige Kunst ziehen. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge hat der afrikanische Theatermann seine beiden Koffer gepackt, um in dieser Woche in seine Heimat Burkina Faso zurückzufliegen. Gemeinsam mit seiner Kollegin Rasmata Rachelle Emmanuella Ouedraogo (39) nimmt er vorläufig Abschied von Thüringen. Auch wenn in die beiden Koffer, mit denen er grundsätzlich reist, um Ärger am Flughafen wegen Übergepäcks zu vermeiden, nicht allzu viel hineinpasst, ist Tapsoba reich beladen.

Ein paar CDs sind dabei, die Beispiele einer Musikwelt wiedergeben, die er hier für sich entdeckt hat. Die anderen Schätze nehmen wenig Raum ein. Es sind Erfahrungen aus einer Arbeit, über die er schwärmt - mit den Schauspielkollegen hier in Ostthüringen, vor allem mit dem Schauspieldirektor Bernhard Stengele.

Eine wunderbare Arbeitsatmosphäre sei das gewesen. Ja, es erfülle ihn gewissermaßen mit Stolz, mit Stengele arbeiten zu dürfen. Ein fantastischer Austausch, in dem er einiges gegeben und ganz viel bekommen habe. Und das erklärt das weinende Auge. Das lachende erklärt sich von selbst - denn daheim warten Freunde, Vertrautes und warmes Wetter.

Der dritte Gast aus Burkina Faso, Ouelgo Téné (28), bleibt noch und wird in weiteren Projekten des Altenburg-Geraer Theaters auf der Bühne stehen. Nicht nur auf der im Theater selbst. Für die Reihe "Theater im Klassenzimmer" ist eine Produktion geplant, in der Daniel Defoes "Robinson Crusoe" aus der Perspektive des Freitag erzählt wird.

Der Abschied der beiden anderen ist allerdings auch nicht von langer Dauer. Im Herbst werden alle drei afrikanischen Künstler zurück in Ostthüringen sein, unter anderem, um auch das junge Publikum in Gera mit dem Märchen "Ayana Rabenschwester" in eine ferne Welt zu entführen, in der man sich nicht zuletzt dank der mitreißenden Erzählkunst der drei Allround-Künstler aus Burkina Faso sofort zurechtfindet.

Ob sich Mahamoudou Tapsoba auf diese Reise anders vorbereiten wird als auf die erste? Ob er irgendetwas einpacken wird, das er hier in den letzten Monaten grundsätzlich vermisst hat? "Nein, nicht grundsätzlich", strahlt er; aber das eine oder andere Musikinstrument aus seiner Heimat wird dann wohl zusätzlich im Gepäck sein - die landesüblichen Kastagnetten zum Beispiel.

Bis zur Rückkehr nach Deutschland erwarten den Leiter einer Theatertruppe und einer Schauspielschule für Profis und Amateure zu Hause eine ganze Reihe neuer Projekte. Fernsehproduktionen auch. Dass die Erfahrungen aus Altenburg in seine neuen Kreationen einfließen werden, ist selbstverständlich. Und gerade aus dem Albert-Schweitzer-Projekt "Ich bin Leben, das leben will" hat der Künstler eine Menge Neues mitgenommen - die Entdeckung des traditionellen europäischen mehrstimmigen Satzgesangs.

Mit leuchtenden Augen erzählt er von diesem Abenteuer. Dass er mit dem Schweitzer-Projekt, das ja durch verschiedene Kirchen der Bundesrepublik tourt, noch etwas mehr von dem Land kennenlernen kann, begeistert Tapsoba ebenfalls. Bis zur Rückkehr will er an seinem Deutsch arbeiten. Dass der Geschichtenerzähler dazu neben Sprachunterricht gern Kinderbücher heranzieht, ist nicht wirklich verwunderlich. Auf jeden Fall wird er dann in der kommenden Spielzeit wohl abermals mit einem lachenden und einem weinenden Auge seine beiden Koffer packen und nach Thüringen reisen.

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