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Altenburg Scheinheilig oder super – neuer Feiertag stößt in Altenburg auf geteiltes Echo
Region Altenburg Scheinheilig oder super – neuer Feiertag stößt in Altenburg auf geteiltes Echo
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20:04 28.09.2018
Mehr Zeit mit ihren Kinder sollen Thüringer Eltern zum Weltkindertag bekommen, der ein Feiertag werden soll. Quelle: Archiv
Altenburg

Der Weltkindertag soll vom kommenden Jahr an in Thüringen gesetzlicher Feiertag werden. Einen Gesetzentwurf, der den 20. September zum freien Tag macht, legten die Regierungsfraktionen Linke, SPD und Grüne am Donnerstag im Landtag in Erfurt vor. Der Feiertag sei kein Wahlgeschenk, wie die Opposition meine, sondern mache Thüringen familienfreundlicher, sagte die SPD-Abgeordnete Birgit Pelke. Es gehe darum, Kinder als Zukunft der Gesellschaft zu würdigen und Familien angesichts der Arbeitsverdichtung und vieler Überstunden im Berufsleben einen weiteren freien Tag mit ihren Kindern zu ermöglichen.

Opposition dagegen

Der CDU-Abgeordnete Wolfgang Fiedler sagte, wichtiger als ein weiterer Feiertag wäre die Entlastung der Familien und ihre bessere finanzielle Ausstattung. Er sowie der AfD-Abgeordnete Thomas Rudy sprachen von einem Wahlgeschenk.

Unternehmer sieht keine Belastung

In der Skatstadt stieß die Aussicht auf einen freien Tag mehr Ende September auf ein geteiltes Echo. „Ich finde das gut, dass Eltern auf diese Weise ein zusätzlicher, ganzer freier Tag mit ihren Kindern geschenkt wird“, äußerte sich Albrecht Reinhold von der Schnuphase’schen Buchhandlung wohlwollend. Natürlich sei ein extra Feiertag immer eine unternehmerische Belastung. Mit Umsatzeinbußen rechnet er jedoch nicht, denn „Wenn der Weltkindertag zum offiziellen Feiertag erhoben wird, resultiert dies wahrscheinlich in Geschenken für die Kinder, wovon auch wir profitieren würden.“ Auf jeden Fall sei es ein gut gewählter Zeitpunkt im Jahr.

Stress für Kinder schon groß genug

Susann Borowansky bewertet die Entscheidung für ganztägige Freizeit am 20. September ebenfalls sehr positiv. Tagtäglich hat sie in ihrer Funktion als Jugendwartin der evangelischen Kirche mit den jungen Thüringern zu tun und weiß um die Wichtigkeit von gemeinsamer Familienzeit. „Ich finde es klasse, dass der Weltkindertag auf diese Weise gewürdigt wird und Eltern und Kinder mehr Zeit füreinander haben. Denn stressig sei das Leben der Kinder schon durch den Personalmangel in den Schulen. „Zu wenige Lehrer, zu wenige Ansprechpartner für die Kinder. Da würde ich mir wünschen, dass die Politiker mehr auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen.“

Hängen die Kinder an dem Tag nur rum?

Kritisch äußerte sich dagegen die 16-jährige Lilly. „Wir haben doch bisher sehr gut ohne diesen zusätzlichen Feiertag gelebt und man hätte auch einfach alles so lassen können, wie es ist“, sagte die Altenburger Schülerin der OVZ. Denn nur weil an diesem Tag künftig für alle frei sei, würde das ja nicht zwangsläufig bedeuten, dass alle Eltern die Zeit nutzen, um mit ihren Kindern etwas zu unternehmen. Lilly sagt: „Es gibt doch kaum Angebote für uns. In diesem Bereich müsste was passieren. Ich denke, die meisten Kindern hängen an dem Feiertag einfach nur zu Hause rum.“

CDU: Mehrheit ist für Kindertag am 1. Juni

Ganz ähnlich beurteilt Frank Tanzmann (CDU) das Vorgehen von Rot-Rot-Grün. „Ein Feiertag ist unabhängig vom Familienstatus und deshalb kein zielgerichteter Beitrag zur Unterstützung von Familien und Kindern“, betont der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses im Kreistag. Es sei weder eine sinnvolle Maßnahme zur Familienförderung, noch entspreche es dem Lebensgefühl und den Traditionen im Land. „Kindertag ist für die übergroße Mehrheit der Bürger noch immer am 1. Juni.“

Feiertag kostet 72 Millionen Euro

Auf 72 Millionen Euro beziffert der Verband der Wirtschaft Thüringens (VWT) den Wertschöpfungsverlust durch einen willkürlichen Feiertag. Einem extra Frei-Tag stellt Tanzmann andere, seiner Ansicht nach wirksamere Maßnahmen zur Unterstützung von Familien entgegen: „Man könnte zum Beispiel Unternehmen die Kosten für Urlaubstage erstatten, die sie Müttern oder Vätern zusätzlich gewähren.“

OB für mehr Urlaub

Ein Ansatz, den auch Oberbürgermeister Andre Neumann (CDU) eher mitgehen würde, als die Einführung eines zusätzlichen Feiertags. „Die Erhöhung des Mindesturlaubs wäre ein deutlich besser geeignetes Mittel. Viele Menschen in unserem Land haben nämlich keine 30 Tage Urlaub im Jahr.“ Auch die Unternehmen müssten so keinen zusätzlichen Feiertag verkraften. „Der Gesetzgeber sollte lieber die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Familien an Tagen ihrer Wahl, wenn es in die eigene Planung passt, gemeinsam Zeit miteinander verbringen können und sich die Bedingungen für Familien in unserem Land allgemein verbessern“, ergänzte das Altenburger Stadtoberhaupt.

Lieber mehr Lehrer einstellen

Als scheinheilig bezeichnete Karl Jungbeck den Vorstoß von Rot-Rot-Grün. „Für die Kinder etwas zu tun, dafür sei an 365 Tagen im Jahr Gelegenheit“, sagte der Chef der Altenburger Senffabrik der OVZ. Passieren aber würde nichts. Wirklich sinnvoll wäre zum Beispiel, dass die Kinder eine bessere Schulbildung erhalten und es dafür endlich mehr Lehrer gebe. Aus unternehmerischer Sicht würde dies kaum Auswirkungen haben. „Wir gehen davon nicht unter und gleichen das aus“, sagte Jungbeck.

Soll der 20. September in Thüringen Feiertag werden?

Bereits im kommenden Jahr könnte der internationale Kindertag am 20. September ein gesetzlicher Feiertag in Thüringen sein. Der Landtag in Erfurt hat dafür am Donnerstag den Weg geebnet. Ein entsprechender Gesetzentwurf wurde in die Ausschüsse überwiesen.

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Von Maike Steuer, Thomas Haegeler, Pia Siemer, Jens Rosenkranz

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