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Schicksalsgöttin dreht das Rad

Schicksalsgöttin dreht das Rad

"Carmina Burana" ist ein Werk des 20. Jahrhunderts, entstanden 1935/36. Es ist rhythmisch vertrackt und mit Texten, die kaum ein durchschnittlich gebildeter deutscher Konzertbesucher versteht.

In Gänze schon gar nicht. Wer könnte schon wirklich mittellateinisch oder alt- und mittelhochdeutsch? Und dennoch ist der Erfolg des Werkes bis heute einzigartig. Davon kann man sich an diesem Wochenende in Gera und am nächsten in Altenburg überzeugen.

 

In der Tat war das Stück in seiner Entstehungszeit umstritten. Hitler und Goebbels schätzten den Teil eines musikalischen Triptychons. Die Anbetung der Fortuna im Sinne altgermanischer Bräuche ließ sich mit der eigenen Ideologie durchaus vereinbaren. Und jene Klanggewalt, die Carl Orff mit seinem Eingangs- und Schlusschor entfesselt, lässt sich elegant vereinnahmen. Die NS-Kritik schalt das Werk dennoch als "entartete Musik".

 

Beides tat der Rezeption bis in die Gegenwart hinein keinen Abbruch. Vielleicht war es sogar dieses Werk, das der seriösen Musik einen einzigartigen Triumphzug bescherte. Es war der Anfang einer großen Zeit der Klassik-Events, in der gerade dieses Werk eine außerordentliche Sonderstellung eroberte. Von Feuerwerk bis Beethovens Neunter, von Lasershow bis Wasserspiele - es gibt wohl nichts, womit man "Carmina Burana" noch nicht kombiniert hat. Edles Dinner, Schokolade, Sekt ...

 

Mittlerweile wurde "Carmina Burana" - vor allem der O-Fortuna-Chor - unzählige Male für Werbung und auch in großen Soundtracks verwendet. Wahrscheinlich führt das Werk längst die ungeschriebene Hitliste der originalen E-Musik-Kompositionen in Film und Fernsehen an. Von den Youtube-Ergebnissen ganz zu schweigen.

 

Die Gründe dafür sind vielfältig, vor allem scheinen sie aber in der Orffschen Satztechnik und der Ambivalenz der Textaussage begründet zu sein. Das Rad der Fortunen - wer würde damit nicht irgendetwas verbinden können. Die Göttin des Glücks und des Schicksals mischt die Karten, dreht das Rad. Die Szenen sind, setzt man sich tatsächlich mit der Dramaturgie auseinander, wirklich unterhaltsam und abwechslungsreich - Liebe, Leid, Lust, Gelage, Spiel und Leidenschaft. Nichts, das nicht unterhielte. Das Wechselspiel aus harmonischer Einfachheit, melodischer Eingängigkeit und komplexer, aber markanter Rhythmik tut ein Übriges. Da muss man gar nicht ins Feld führen, dass Orff das Werk selbst als sein bestes geschätzt haben soll.

 

Nun erklingt "Carmina Burana" auch in Gera und Altenburg zum Abschluss der Konzertsaison (OVZ berichtete). Am 18. und 19. Juli, 21 Uhr, ist das Werk in der Skatstadt zu erleben. Generalmusikdirektor Laurent Wagner hat die musikalische Leitung. Neben dem Philharmonischen Orchester Altenburg-Gera und dem Opernchor stehen der Philharmonische Chor Gera, der Theaterkinderchor und die Solisten Katie Bolding, Erik Slik und Johannes Beck auf der Bühne.

 

Hoffentlich bei schönen Wetter auf dem Altenburger Marktplatz. Dafür gibt es genügend Karten an der Abendkasse. Wer aber auf Nummer sicher gehen und das Werk auf jeden Fall, notfalls im Theater, erleben will, braucht für die Schlecht-Wetter-Variante Tickets im Vorverkauf. Durch aufgelöste Reservierungen stehen sowohl für Freitag als auch für Sonnabend jetzt doch noch rund 20 Karten zur Verfügung.

 

Karten an der Theaterkasse (Tel. 03447 585177) oder online buchen unter www.tpthueringen.de.

Tatjana Böhme-Mehner und Ellen

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