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Schlachthof-Ärger: Bürger haben trotz Versprechungen kein Vertrauen mehr

Schlachthof-Ärger: Bürger haben trotz Versprechungen kein Vertrauen mehr

Der Schlachthof Altenburg will weniger Lärm machen und gemeinsam mit der Stadt Altenburg mehr gegen die heftig kritisierte Geruchsbelästigungen tun. Das sind die Ergebnisse einer Anhörung am Mittwoch, einem wichtigen Bestandteil des laufenden Genehmigungsverfahrens.

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Vertreter des Schlachthofs (rechts) stellen sich in der Music Hall der Kritik.

Quelle: Mario Jahn

Denn der Betrieb will seine Schlachtmengen von täglich 440 auf 660 Tonnen steigern. Anwesende Bürger, die in der Umgebung des Firmengeländes unweit der Remsaer Straße wohnen, zeigten sich trotz der angekündigten Investitionen mit dem Ausgang der Anhörung unzufrieden.

 

Der Begriff Gerüche verniedliche das Problem, "es handelt sich vielmehr um einen infernalischen Gestank", schimpfte Iris Winter. Ein Aufenthalt im Freien sei in den letzten zwei Jahren meist unmöglich, Fenster und Türen müssten abgedichtet werden, meinte sie. Andere Bürger ärgern sich ebenso über ein stetiges Brummen der Lüftungs- und Kühlanlagen, über das Poltern und Zuschlagen von Toren und Ladeklappen und das Quieken der angelieferten Tiere. "Ist es wirklich nötig, dass wir von Sonntag bis Sonntag diesen Krach ertragen müssen?", fragte Britta Müller-Weiske.

 

Glaubt man den gestrigen Versprechungen, sollen sich Lärm und Gestank zumindest verringern. So kündigte Martin Wenzel, Chef des Wasserver- und Abwasserentsorgungsbetriebes Altenburg (Waba), den Bau einer Abwasserdruckleitung vom Betriebsgelände direkt zum Klärwerk an. Damit fließt das Abwasser nicht mehr durch die öffentliche Kanalisation, aus der es zum Beispiel in der Brunnenstraße oder am Wagner-Platz mitunter kräftig müffelt. Weiterhin sollen die Abluftkamine für Brühtunnel und Stallungen im Schlachthof erhöht und damit die Geruchsbelastung dezimiert werden. Eine Waschhalle für die Reinigung der Viehlaster soll den Lärm reduzieren, ebenso eine bessere Regulierung der Lüftungstechnik. Die Kühlanlagen der LKW werden mit Strom statt mit Diesel angetrieben. Außerdem werden LKW-Fahrer belehrt, dass sie Ladeklappen nicht fallenzulassen und Türen leise zu verschließen haben. All diese Maßnahmen bestätigte die Vion Food Group, der Mutterkonzern der Schlachthofs, gestern nochmals in einer Pressemitteilung. Darüber hinaus bot Schlachthof-Geschäftsführer Volker Schoechert einigen Bürgern an, ihn bei Geruchsbelästigungen sofort auf seinem Handy anzurufen, um so schnell wie möglich den Ursachen auf den Grund zu gehen. Verstöße gegen den Tierschutz sowie die Gefahr durch Keime wurden gestern von Fachleuten ausgeschlossen.

 

Die Bürger blieben dennoch skeptisch. "Das Vertrauen ist weg, weil wir nicht mehr glauben, dass sich durch die angekündigten Investitionen etwas ändert", sagte Britta Müller-Weiske. Jahrelange Beschwerden hätten nichts gebracht. Jetzt werde der Spieß sogar herumgedreht und behauptet, dass sich die Bürger nicht genug oder an der falschen Stelle beschwert hätten. "Sie muten uns zu, bis zum Bau der Druckleitung Ende 2017 den Gestank hinzunehmen, obwohl nicht einmal feststeht, dass sie wirklich gebaut wird", meinte Elke Kolbe.

 

In der Tat ist der Leitungsbau an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Je nachdem ob die Rohre vom Betrieb bis nach Knau oder direkt zur Kläranlage bei Primmelwitz führen, kosten sie zwischen 2,5 und 4,5 Millionen Euro. Wie Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) der OVZ erläuterte, rechne er dabei mit einer 90-prozentigen Förderung durch das Land und der Beteiligung durch den Schlachtbetrieb. Auch die erhoffte Fertigstellung Ende 2017 ist fraglich. Für Waba-Chef Wenzel ist diese Frist sehr knapp bemessen. "Da müssen wir uns schon sehr beeilen."

 

Die beantragte Kapazitätserweiterung soll aber erst genehmigt werden, wenn alle Auflagen erfüllt sind. Das erklärte gestern René Nitzschke vom Landesverwaltungsamt Weimar, der die Anhörung moderierte. Für seine Behörde gestaltete sich das Verfahren schwieriger als angenommen. "Der Knackpunkt ist die Erschließung", sagte Nitzschke. Auch die beantragte Erweiterung der Betriebszeiten ließen Fragen offen.

 

In etwa vier Wochen entscheidet das Landesverwaltungsamt, ob der Antrag genehmigt wird oder nicht.

 

© Kommentar

Jens Rosenkranz

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