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Schlachthof Altenburg beschäftigt 400 Fremdarbeiter – und erfüllt Auflagen

Wertschöpfung von außen Schlachthof Altenburg beschäftigt 400 Fremdarbeiter – und erfüllt Auflagen

Der Schlachthof Altenburg erzielt seine Wertschöpfung hauptsächlich durch Fremdfirmen. Wie der Geschäftsführer der Südost Fleisch GmbH, Volker Schoechert, auf OVZ-Nachfrage erklärte, habe man insgesamt sechs Unternehmen beauftragt. Bei denen seien circa 400 der insgesamt fast 600 Beschäftigten über Werkverträge angestellt.

Mit der Abluftanlage (links) und der Einhausung für die LKW-Reinigung reduziert die Südost Fleisch GmbH in Altenburg die Geruchs- und Lärmbelästigung im Umfeld des Schlachthofs.

Quelle: Jens Rosenkranz

Altenburg. Der Schlachthof Altenburg erzielt seine Wertschöpfung hauptsächlich durch Fremdfirmen. Wie der Geschäftsführer der Südost Fleisch GmbH, Volker Schoechert, auf OVZ-Nachfrage erklärte, habe man insgesamt sechs Unternehmen beauftragt. Bei diesen seien circa 400 der insgesamt fast 600 Beschäftigten über Werkverträge angestellt. Das Gros der Beschäftigten komme aus dem Ausland. Südost Fleisch selbst habe rund 170 eigene Angestellte, von denen zuletzt 14 Leiharbeiter waren.

Darüber hinaus wies Südost Fleisch den Vorwurf zurück, dass für die externen Beschäftigten weder Sozialabgaben noch Steuern gezahlt werden. „Sie sind in Deutschland gemeldet und bei Firmen mit deutschen Rechtsformen beschäftigt“, sagte Unternehmenssprecher Thomas Zorn. Zudem verwies er darauf, dass die Auftragnehmer auch verpflichtet seien, den tariflichen Mindestlohn zu zahlen. Dieser beträgt laut Deutschem Gewerkschaftsbund für die Fleischbranche derzeit 8,75 Euro pro Stunde. Das sowie alle anderen Vorgaben, zu denen auch die Sozialversicherung gehört, werden nach Schlachthof-Angaben monatlich von unabhängigen Wirtschaftsprüfern kontrolliert.

Allerdings gestand Schoechert auch ein, dass man Schwarzarbeit und andere illegale Machenschaften, wie Bezahlung von Arbeitern über ausländische Niederlassungen oder Subunternehmen oder den direkten Abzug der Miete vom Lohn bei Ausländern, nicht überprüfen könne, weil diese nicht in den Unterlagen auftauchen, die den Wirtschaftsprüfern vorliegen. „Aber wir dulden nichts wissentlich und sind dankbar für jeden Hinweis“, sagte er. Diesbezüglich verwies der Schlachthof auf die Beschwerdestelle „Speak up“, bei der nicht nur Regelverstöße von eigenen Mitarbeitern, sondern auch von extern Beschäftigten gemeldet werden können. Dies funktioniert anonym und ist in vielen Sprachen möglich.

Wie viele Beschäftigte genau aus dem – vornehmlich osteuropäischen – Ausland kommen, konnte Schoechert jedoch nicht sagen. „Ich bin mir aber sicher, dass es keine 390 sind“, erklärte er. Allerdings räumte er ein, dass man nicht genau wisse, mit wie vielen Leuten die Fremdfirmen die Aufträge ausführen und woher die Arbeiter im Einzelnen kommen. Das liege daran, dass Auftragsnehmer „eigenständig verantwortlich für die Zerlegung“ und nicht weisungsgebunden seien.

„Wir bemühen uns darum, deutsche Arbeitnehmer zu beschäftigen, aber es ist sehr schwer“, erklärte Schoechert. Die Arbeit im Schlachthof sei anstrengend. „Das will keiner machen.“ Dennoch bemühe man sich. So seien die Fremdfirmen bestrebt, dass ausländische Familien herziehen, um den Arbeitern die Fahrt zu ersparen. „Wir haben auch zwei Flüchtlinge eingestellt.“ Doch das sei wegen bürokratischer Hürden nicht einfach.

Abgesehen davon gab Schoechert Altenburg quasi eine Bestandsgarantie und widersprach Gerüchten, wonach Südost Fleisch mittelfristig nach Chemnitz umziehen könnte, weil der dortige Schlachthof saniert wird. „Wir haben in den letzten zwei, drei Jahren Millionen hier reingesteckt und weitere Millionen sind geplant“, so der Schlachthof-Chef. Der Standort sei nicht gefährdet und hat Perspektive. „Zudem liegt Altenburg so zentral, dass es töricht wäre, es infrage zu stellen.“ Er räumte jedoch auch ein, dass es letztlich eine Konzernentscheidung der Mutter Vion sei. Man sei ein Regionalschlachthof, der sein Fleisch aus der Region beziehe und es zum größten Teil auch hier vertreibe und werde alles dafür tun, dass das so bleibe.

Als Beispiel für getätigte Investitionen nannte der Geschäftsführer etwa die neuen Betäubungsanlagen für Rinder und Schweine, in die rund 1,5 Millionen Euro flossen. Zudem entstand für rund 100 000 Euro eine Abluftanlage und für die Reinigung der Vieh-Transporter baute man eine Einhausung, die aber noch nicht ganz fertig ist und erst teilweise genutzt werden kann. Mit den letztgenannten Dingen erfüllte der Schlachthof zwei Auflagen von Behörden, um Lärm und Geruch zu reduzieren. Als nächstes soll in die Flotation investiert werden, wo das produzierte Abwasser vorgeklärt wird. Die Druckleitung, die derzeit gebaut wird, ist dann die vorerst letzte Auflage, die wegen des Schlachthofs erfüllt werden muss.

Dass diese sich von 5,6 auf inzwischen 6,2 Millionen Euro verteuert hat und mit 90 Prozent vom Land Thüringen gefördert wird, verteidigte Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf genauso wie die Erweiterung der Kläranlage, für die weiter knapp zwölf Millionen Euro fällig werden – auch wenn Hauptanlass für beides der Schlachthof ist. „Ich bin dankbar für jedes Unternehmen, das hier sitzt“, so der OB. Ihm gefalle es als Sozialdemokrat nicht, dass der Schlachthof mit derart vielen externen Beschäftigten hantiere. „Aber ich akzeptiere es, weil ich an die anderen 170 Festangestellten denke.“ Abgesehen von der öffentlichen Hand sei der Schlachthof damit das drittgrößte Unternehmen in Altenburg.

Von Thomas Haegeler und Jens Rosenkranz

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