Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Altenburg Schließung nach 40 Jahren? Freibad Vollmershain steht vor dem Ernstfall
Region Altenburg Schließung nach 40 Jahren? Freibad Vollmershain steht vor dem Ernstfall
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:40 23.02.2018
Für das Freibad Vollmershain brechen eisige Zeiten an. Im 40. Jahr seines Bestehens geht es jetzt ums Überleben. Quelle: Jens Rosenkranz
Anzeige
Vollmershain

22 Grad Wassertemperatur verheißt das blaue Schild im Kassenhäuschen und erinnert an den letzten Sommer. Ein derber Kontrast zum grauen Eis, das jetzt das Schwimmbecken bedeckt – im Freibad Vollmershain, das in diesem Jahr seinen 40. Geburtstag feiern könnte. Ob es aber wirklich eine Jubel-Party gibt, ist fraglich. Denn das Bad, das sich so idyllisch in die Hügel am Ortsrand schmiegt, steht vor ernsten Problemen. Hinter vorgehaltener Hand heißt es sogar, dass es schließen muss.

„Da wissen Sie mehr als ich“, antwortet Gerd Junghanns (parteilos) auf die Frage der OVZ, ob die Einrichtung bedroht ist. Dabei könnte der Vollmershainer Bürgermeister ganz einfach verneinen, dass es große Probleme mit dem Bad gibt. Eine klare Antwort gibt er auch auf weitere Nachfragen nicht. Er wolle bis zur Gemeinderatssitzung am Mittwoch nächster Woche gar nichts dazu sagen. Erst dort werde darüber geredet, wie es weitergehe.

„Ja, es gibt ernste Probleme“, redet zumindest Brigitte Künzel Klartext. Für die Vorsitzende des Sport- und Badvereines der Gemeinde liegen die Probleme vor allem beim Personal. Es sei äußerst schwierig, einen Schwimmmeister zu finden. Denn dieser müsse sich nicht allein um die Sicherheit der Badenden kümmern, sondern auch um die Reinigung der Sanitärbereiche und die Sauberkeit der Grünanlagen sowie um Abrechnung und Technik. Die Gemeinde könne ihm aber keinen übermäßig hohen Lohn zahlen. Und auch die Anstellung über den Sommer hinaus sei nicht möglich.

Künzel spricht deshalb von einem Ernstfall, vor dem das Bad stehe. Die Chancen stünden für sie 50:50. Es habe aber noch keiner offiziell gesagt, dass das Bad geschlossen werde. „Das Schlimmste, was uns passieren kann, ist zu sagen, wir machen zu und machen dann doch weiter.“ Es gebe einen Tag, an dem feststehe, dass die Einrichtung offen bleibt oder nicht. Dieser sei aber noch nicht gekommen, sagt die Vereinsvorsitzende. Der Bürgermeister werde am nächsten Mittwoch die möglichen Optionen vorstellen, über die dann der Gemeinderat entscheidet.

Der musste über das Schicksal schon oft entscheiden. Denn das Bad ist für die 330-Einwohner-Gemeinde eine riesige finanzielle Belastung. Knüppeldick kam es 2005, als die Landesregierung wegen des riesigen Investitionsbedarfs im Land eine Freibadstudie in Auftrag gab. Diese kam wegen der begrenzten finanziellen Mittel des Landes zu dem Schluss, dass die Einrichtungen in Altkirchen und eben auch in Vollmershain als nicht erhaltenswert eingestuft wurden. Bürgermeister Junghanns wunderte das nicht. In Erfurt habe sich noch nie jemand dafür interessiert, wie eine kleine Gemeinde ein Freibad erhalten können, sagt er noch heute.

Die Bäder in Altkirchen und Vollmershain galten im Landkreis Schmölln einst als Paradebeispiele, was selbst kleine Dörfer zu DDR-Zeiten zu leisten imstande waren. Denn errichtetet wurden die Bäder in Zeiten knapper Baumaterialien. Und sie gelangen nur durch den Einsatz vieler freiwilliger Helfer.

Die Beliebtheit spiegelte sich viele Jahre in hohen Besucherzahlen wider. Doch diese Zeiten sind vorbei. Auch nach der Wende wurden in Vollmershain Jahre mit 28 000 Gästen gezählt. 2007 waren es noch knapp 10 000 Besucher. 2017 spricht man von der schlechtesten Saison seit zehn Jahren.

Zurückgehende Eintrittsgelder verschärften die Situation. Eine Lösung wäre die Bildung einer Zweckgemeinschaft mit den Nachbargemeinden gewesen, mit der die finanzielle Last auf mehrere Schultern verteilt werden könnte. Das gelang nicht. Übrig blieb der Badverein, in dem drei Nachbarn Mitglied sind: Jonaswalde, Nöbdenitz und Heukewalde. Der Jahresbeitrag beträgt 25 Euro.

Von Jens Rosenkranz

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Stadt Altenburg will im Zuge des Ortsnetzneubaus durch die EnviaM in Mockzig die Straßenbeleuchtung erneuern. Einen Teil der anfallenden Kosten – rund 12 000 Euro – sollen die Anwohner selbst übernehmen. Es regt sich Widerstand.

22.02.2018

Feuerwehr, Rettungswagen und Polizei rückten am Sonntag in Altenburg zu einem Einsatz aus. Anwohner berichteten, dass sie in ihrem Haus Gasgeruch wahrgenommen hätten. Die Einsatzkräfte konnten allerdings Entwarnung geben.

22.02.2018

Auch Jahre nach den Bauanträgen steht immer noch nicht fest, ob der Schweinestall bei Mockzig erweitert oder eine neue Hähnchenmastanlage bei Gleina errichtet werden darf. Beide Fälle liegen bei Gericht. Der Chef des Kreisbauernverbandes kritisiert diese Hinhaltetaktik, hinter der er politische Gründe vermutet.

23.02.2018
Anzeige