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Schluss mit Schneckentempo: Nobitz will schnelles Internet

Bedarfsanalyse Schluss mit Schneckentempo: Nobitz will schnelles Internet

Der Fernseher, die Spielekonsole und der Blueray-Player – Tablett, Computer und Smartphone sowieso: viele Geräte brauchen zum Funktionieren inzwischen das Internet. Doch wer in einem Dorf lebt, kann vielerorts nur eine langsame Verbindung nutzen. Ein ernstzunehmender Standortnachteil, findet Michael Apel (CDU), der das Thema kürzlich im Gemeinderat Nobitz ansprach.

In vielen Dörfern kommen Internetnutzer durchs weltweite Netz nur im Schneckentempo voran.

Quelle: dpa

Nobitz. Für Apel steht fest: Wenn nicht schon längst, dann wird in naher Zukunft die Frage nach Datenraten mitentscheiden, wo neue Eigenheime errichtet werden und ob junge Leute in ihren Heimatdörfern bleiben beziehungsweise nach der Ausbildung dahin zurückkehren. „Die Internetversorgung wird bald eine ähnliche Bedeutung haben wie der Anschluss ans Strom- und Wassernetz“, gibt das Gemeinderatsmitglied zu bedenken. Außerdem sei die Telekom gerade dabei, Analog-Telefonie auf digital umzustellen. Apel vermutet, dass dadurch die vorhandenen sowieso geringen Datenraten weiter verkleinert werden, weil zusätzliche Datenpakete – dann fürs Telefonieren – über diese Verbindungen geschickt werden.

Richtig sei, dass Datenpakete fürs Telefonieren über die Leitungen verschickt werden, erklärt die Telekom auf OVZ-Anfrage. Falsch aber sei die Schlussfolgerung, dadurch werde die Datenrate spürbar eingeschränkt. Zum Surfen würden nach der Umstellung auf Digital-Telefonie, auch bekannt als Voice over IP, noch 99,5 Prozent der Datenkapazität übrigbleiben.

Ungeachtet dessen, widmen sich Bürgermeister Hendrik Läbe (SPD) und die Gemeindeverwaltung dem Thema. „Wenn in den Dörfern ohne Breitbandversorgung die alten Leute irgendwann aus ihren Häusern ausziehen müssen, dann ist sicher die Frage nach dem vorhandenen Internetzugang wichtig und hat Einfluss auf den Wert der Immobilien“, so Läbe.

Es gebe zwar keine weißen Flecke im Gemeindegebiet, denn wenigstens langsames Internet oder Zugänge über Funk seien in allen 39 Dörfern der Gemeinde Nobitz verfügbar. „Dennoch haben wir kürzlich eine sogenannte Regelanfrage an das Breitbandkompetenzzentrum gestellt, um herauszufinden, welche Anbieter im Gemeindegebiet etwas planen“, sagt Hauptamtsleiter Ralf Graichen. Das sei auch der erste Schritt hin zu Fördermitteln für einen Netzausbau.

Für Nobitz interessiert sich aber nur die Telekom, zitiert Graichen aus dem Antwortschreiben. Diese plane, das ist die gute Nachricht, in Mockern, Lehndorf, Wilchwitz, Kraschwitz, Münsa, Kotteritz, Nobitz und Niederleupten ihr Netz weiter auszubauen. Die schlechte Nachricht ist, das sind alles Ortsteile, die schon jetzt gut versorgt sind. „Man muss aber dazu sagen, dort wohnen auch die meisten Bürger der Gemeinde“, führt Wirtschaftsförderer Hartmut Brühl aus. Er ist froh darüber, dass in diesen Ortsteilen die Gewerbegebiete, samt freier Flächen, stehen und dass das Gros der Nobitzer Betriebe dort seine Standorte hat. „Ohne schnellen Zugang zum Internet, kann heute kaum noch eine Firma arbeiten.“

Problematisch sind die Ortsteile ohne Breitbandanschluss. Doch um dort höhere Datenraten vorzuhalten, muss die Gemeinde selbst Geld in die Hand nehmen, sonst passiert nichts, erklärt Graichen. Wie viel Geld nötig sein wird, ist noch unklar, denn gerade wird eine Förderrichtlinien dazu in Erfurt erarbeitet. „Wir werden uns in jedem Fall um besseres Internet in den Dörfern kümmern. Aber selbst bei einer 90-prozentigen Förderung werden wir wohl nicht alle Grundstücke erreichen“, so Läbe. Für nur zwei drei Häuser seien teure Leitungen nicht vertretbar, dort beliebe nur Funk als Option.

Um zu erfahren, wie hoch das Interesse überhaupt ist, soll noch in diesem Jahr ein Fragebogen veröffentlicht werden. Die Bedarfsanalyse ist übrigens auch Voraussetzung für zukünftige Fördermittel. Graichen: „Jedoch war 2011 bei der letzten Bedarfsanalyse der Rücklauf nicht besonders groß. Deshalb werden wir diesmal Einwohnerversammlungen durchführen, in denen wir über alles Aufklären und die Bürger anhalten, sich zu beteiligen.“

Jörg Reuter

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