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Schmölln plant neue Kulturhalle, weiches Wasser und Stärkung der Innenstadt

Bürgermeister Sven Schrade im Interview Schmölln plant neue Kulturhalle, weiches Wasser und Stärkung der Innenstadt

Trotz der weltweiten Negativ-Schlagzeilen über den Selbstmord eine Somaliers war für Sven Schrade (SPD) die 950-Jahr-Feier das prägende Ereignis der Stadt im vergangenen Jahr. Der Schmöllner Bürgermeister spricht im OVZ-Interview ebenso über weiches Wasser, die neue Kulturhalle und das ungelöste Problem der stinkenden Biogas-Anlage.

Schmöllns Bürgermeister Sven Schrade, hier an seinem Schreibtisch im Rathaus, hält an seinen Zielen weiter fest.

Quelle: Jens Rosenkranz

Schmölln. Für die Sprottestadt war 2016 ein bewegtes Jahr. Darüber und seine gelösten und ungelösten Ziele sprach die OVZ mit Schmöllns Bürgermeister Sven Schrade (SPD), der nun seit einem Jahr und fünf Monaten amtiert.

Was hat 2016 in Schmölln mehr für Aufsehen gesorgt: die 950-Jahr-Feier oder der Selbstmord des jungen Somaliers?

Sven Schrade: Natürlich unser Jubiläum, das über Wochen als Thema die Stadt und ihre Bürger beherrscht hat. Der Suizid war tragisch und bewegend.

Mit letzterem hat es Schmölln aber weltweit in die Schlagzeilen geschafft, weil „Spring doch“ gerufen worden sein soll. Das haben Sie vor der Presse behauptet.

Dazu stehe ich auch. Ich hatte seriöse und stichhaltige Informationen, die ich weitergegeben habe, damit uns niemand vorwirft, wir würden sie verheimlichen.

Es gibt aber keine Beweise dafür. Haben Sie damit dem Image der Stadt geschadet?

Das kann man nicht abschließend beantworten. Wenn es die Rufe gegeben hätte, wäre das Image auch ramponiert worden, wenn ich sie verschwiegen hätte. Einige Medien haben ohnehin unreflektiert berichtet, ohne nachzufragen. Aber auch solche Berichte haben uns nicht geschadet.

Was konnten Sie seit Ihrem Amtsantritt umsetzen?

Ausbau und Leitungsverlegung in der Lohsenstraße, den Sportkomplex Sommeritzer Straße. Wir haben in Nödenitzsch die Dorferneuerung abgeschlossen und sie in Zschernitzsch begonnen. Wir haben mit der Änderung des Flächennutzungsplans begonnen, um am Kummerschen Weg einen neuen Eigenheimstandort erschließen zu können, auf 2,9 Hektar. Wir haben ein Einzelhandelskonzept beschlossen und eine Händler- und Konsumentenbefragung durchgeführt, um vor allem unseren Markt und das kostenlose Parken dort besser zu vermarkten, auch weniger Leerstand zu haben, wenn Läden geschlossen werden, weil die Betreiber in Rente gehen. Und am 1. März wird der neue Bürgerservice eröffnen.

Was ist Ihnen in den anderthalb Jahren noch nicht gelungen?

Bei der Biogas-Anlage sind wir nicht richtig vorangekommen. Hier habe ich tatsächlich noch Steigerungsbedarf. Wir werden mit dem Geschäftsführer, Dietmar Koch, einen Stammtisch veranstalten, wo Bürger fragen und auch ihren Frust loswerden können. Dass das allein nicht reicht, ist mir klar.

Dietmar Koch, der Geschäftsführer der Agrarprodukte Schmölln, ist Betreiber der Anlage, die er nicht beherrscht und damit für den Gestank verantwortlich ist. Ist er der richtige Krisenmanager?

Wir haben als Gesellschafter für das Wohl der GmbH zu sorgen und sind Herrn Koch dankbar für sein Angebot, auch beim Stammtisch offen Rede und Antwort zu stehen. Das Problem ist, dass der juristische Streit nun beim Verwaltungsgericht liegt und uns bis zu einer Entscheidung die Hände gebunden sind.

Wann bekommen die Schmöllner weiches Wasser?

Bislang haben wir eine Möglichkeit ausgeschlossen, nämlich die einer technischen Wasserenthärtung. Weiches Wasser wird eine Aufgabe des neuen Geschäftsführers sein, der am 1. März sein Amt antreten soll. Er muss prüfen, wie das umgesetzt werden kann, welchen Härtegrad man erreichen will, ob der eine Einspeisepunkt für Fernwasser in Großstöbnitz ausreicht und welche betriebswirtschaftlichen Auswirkungen das hat. Anfang nächsten Jahres muss klar sein, unter welchen Bedingungen die Versorgung möglich ist, was passiert, wenn wir unsere vier eigenen Brunnen abschalten. Wenn es zum Beispiel teurer wird, müssen wir die Bürger fragen, ob sie damit einverstanden sind. Im Stadtrat zum Beispiel ist nicht jeder für die Fernwasserversorgung.

In Ihrem Wahlkampf haben Sie auch ein neues Kulturhaus thematisiert. Was ist daraus geworden?

Ich halte es für nötig, weil es uns fehlt und weil dies die Ostthüringenhalle oder der Sparkassen-Saal nicht ersetzen können. Noch fehlt ein Nutzungskonzept, mit dem wir dann einen Fördermittelantrag stellen können. Unser Grundsatzbeschluss besagt, dass wir das Projekt bis 2019 umsetzen wollen.

Auch um eine Drogerie, die Schmölln nicht mehr hat, wollten Sie sich kümmern.

Wir haben von Rossmann und DM die Aussage, dass sie sich Schmölln als Standort vorstellen können, ihn aber als schwierig bezeichnet. Wir streben eine Lösung in der Innenstadt an, wo wir geeignete Objekte suchen, möglicherweise läuft es auch auf einen Neubau hinaus. Hier ist die Frage, was er kostet und ob sich der Nutzer darauf einlässt. Das wird bis Ende März untersucht.

Schmölln hätte die Möglichkeit, die Straßenausbaubeiträge für Vorhaben von vor 2006 an die Bürger zurückzuzahlen. Wann können die Bürger damit rechnen?

Noch fehlt dafür das Gesetz, das wahrscheinlich im Februar vom Landtag verabschiedet wird. Wenn das durchgeht, werden wir zurückzahlen, weil wir verpflichtet sind, es umzusetzen. Dazu muss es aber einen Stadtratsbeschluss geben, den nicht ich einreichen werde, sondern eine Fraktion. Wir müssen uns aber über eines klar sein. Wenn wir in Schmölln weiter investieren wollen, zum Beispiel in die Dorferneuerung Zschernitzsch, die Kichen-Sanierung oder den Kita-Ausbau am Finkenweg, dann fehlt uns dafür das Geld, weil wir die Ausbaubeiträge zurückzahlen. Ich weiß nicht, ob die Rückzahlung im Interesse des Allgemeinwohls ist. Ich kenne auch Bürger, die sagen, jetzt haben wir die Beiträge einmal gezahlt, jetzt setzt das Geld gescheit ein. Wenn wir Investitionen entscheiden, die für die Stadt wichtig sind, können wir eine Rückzahlung nicht befürworten. Das wird der Stadtrat entscheiden.

 

 

Von Jens Rosenkranz

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