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Schmölln und Gößnitz wollen zweiten Versuch eines Städtebündnisses wagen

Ende der „Kleinstaaterei“? Schmölln und Gößnitz wollen zweiten Versuch eines Städtebündnisses wagen

Die Sprottestadt und Gößnitz wollen ihr Bündnis wiederbeleben und gemeinsame Projekte vorantreiben. Das kündigte Schmöllns Bürgermeister Sven Schrade (SPD) am Freitag an. Sichtbares Zeichen dafür war der erste gemeinsame Jahresempfang beider Städte in der Ostthüringenhalle, zu dem auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) begrüßt wurde.

Reger Gedankenaustausch der Gäste beim Neujahrsempfang der Städte Schmölln und Gößnitz in der Ostthüringenhalle in Schmölln.

Quelle: Mario Jahn

Schmölln. Vor rund 150 geladenen Gästen kündigte Schrade eine gemeinsame Vermarktung des Industriegebietes Nitzschka-Nörditz sowie die Bündelung der Kräfte bei der Entwicklung von Wohnstandorten und bei der Kultur- und Vereinsförderung an. Weitere gemeinsame Vorhaben seien die Gestaltung der beiden Bahnhofsgelände und die Wiederansiedlung eines Drogeriemarktes. Im Lichte der geplanten Gebietsreform könnte die Partnerschaft am Ende in eine Fusion münden.

Bei aller Sensibilität darf eine „gemeinsame Stadt kein Unwort sein“, sagte der Bürgermeister, der sich bei diesem Thema ausdrücklich auf seinen Gößnitzer Amtskollegen Wolfgang Scholz (Initiative Städtebund) berief.

Eine solche Fusion war bereits vor Jahren avisiert worden, scheiterte dann allerdings. Danach schlief auch die Zusammenarbeit ein.

Eines der wichtigsten Ziele sei die Ansiedlung von Investoren auf dem Gößnitzer Teil des Industriegebietes. „Ausgelastete Gewerbe- und Industriegebiete haben den wirtschaftlichen Erfolg der Stadt Schmölln in den vergangenen 26 Jahren entscheidend mitgestaltet“, sagte Schrade. Die nach dem Mauerfall verloren gegangenen 3000 Arbeitsplätze konnten durch 3500 neu geschaffene Jobs kompensiert werden. Um für Firmenerweiterungen und Neuansiedlungen gewappnet zu sein, sollen weitere Gewerbe- und Industrieflächen erschlossen werden. Schrade kündigte ebenso die bessere Vermarktung des innerstädtischen Gewerberaums an. In beiden Städten gebe es zahlreiche leerstehende Objekte.

Die in dem bereits vor Jahren in einem raumordnerischen Vertrag festgeschriebenen Ziele „wollen wir künftig wieder und intensiver abarbeiten. Unser Städteverbund soll sich an den erreichten Zielen messen lassen“, versprach der Bürgermeister.

Der Ministerpräsident bezeichnete die Ziele und insbesondere den gemeinsamen Empfang beider Städte als großartig und spannend. „Die Kleinstaaterei in Thüringen hilft uns nicht weiter“, sagte Ramelow. Angesichts von Bevölkerungsrückgang, Fachkräftemangel und zu geringen Geburtenzahlen seien dringend zukunftsweisende Strukturen nötig. Die Bündelung der Kräfte dürfe sich jedoch nicht nur auf Gemeinden oder Kreise beziehen, sondern müsse auch auf Schulen, Kitas, den Nahverkehr, Krankenhäuser und kulturelle Einrichtungen erweitert werden.

Als regionales Beispiel führte Ramelow die schwierige Theaterfinanzierung an. Die Hälfte der Besucher des Geraer Theaters kämen aus dem Landkreis Greiz. Allerdings beteilige sich Greiz nicht an der Finanzierung, kritisierte der Ministerpräsident. Ramelow forderte, die Gebietsreform nicht auf Verlustängste zu reduzieren. Verlieren werde man jedoch, „wenn wir nicht anfangen, uns zu verändern.“

Der Gößnitzer Bürgermeister ging in seiner Ansprache vor den anwesenden Gästen auf die Wiederbelebung des Städtebundes nicht ein, rief angesichts der erreichten Erfolge jedoch zu Selbstvertrauen auf. Scholz warnte davor, dass die Leistungsfähigkeit der Kommunen angesichts der Finanznot und immer neuer Aufgaben überstrapaziert werden könnte.

Angesichts der Flüchtlingsproblematik rief er dazu auf, sich nicht abzuschotten. „Betrachten wir die Vielfalt der Menschen fremder Kulturen als Chance für uns.“ Voraussetzung, dass hilfsbedürftige Menschen willkommen sind, sei aber, dass sich die Lebensbedingungen in den Städten verbessern. Das Flüchtlingsthema werde die Gesellschaft noch lange beschäftigen

Von Jens Rosenkranz

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