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Schmöllner "Schloss" soll geschlossen werden - Konzept sieht nur noch ein Gymnasiumsgebäude vor

Schmöllner "Schloss" soll geschlossen werden - Konzept sieht nur noch ein Gymnasiumsgebäude vor

Mit ihrer Erwägung, eventuell die 11. und 12. Klassen des Roman-Herzog-Gymnasiums in Altenburg unterrichten zu lassen, hat Landrätin Michael Sojka (Linke) in Schmölln eine Welle der Empörung ausgelöst.

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Mit Mängeln und nicht ausgelastet - das Gebäude in der Schlossstraße.

Quelle: Mario Jahn

Schulleiterin Martina Pleuse und Bürgermeister Sven Schrade (SPD) sprachen gar von Rufschädigung.

Dass an der höchsten Bildungseinrichtung an der Sprotte allerdings dringender Handlungsbedarf besteht, ist Insidern längst bekannt. Bereits im April ließ Pleuse der Landrätin ein Entwicklungskonzept übermitteln, in dem Mängel aufgelistet und Lösungsvarianten vorgeschlagen werden. Eltern, Schüler und die Schmöllner Öffentlichkeit wurden darüber bisher nicht unterrichtet, einschließlich über den Plan, das altehrwürdige Gebäudes in der Schlossstraße zu schließen.

Deswegen weiß an der Sprotte nur ein eingeweihter Kreis, dass die Brandschutzbestimmungen nach heutigen Vorgaben längst nicht mehr erfüllt sind. Und dass die beiden etwa 1,5 Kilometer entfernt von einander liegenden Schulteile in der Schloss- und in der Helmholtzstraße den Schulablauf erheblich belasten. Vor allem dann, wenn Lehrer zu Fuß oder mit dem Pkw dazwischen wechseln müssen. "Eine inhaltlich ausgewogene Vorbereitung auf die nächste Unterrichtstunde kann dadurch nicht mehr gewährleistet werden", heißt es im Pleuse-Papier, das ebenso den ineffizienten Umgang mit Arbeitszeit kritisiert. Hinzu kommen Schimmelbildung und eine damit eventuell verbundene Gesundheitsgefährdung für Schüler und Lehrer in der Schlossstraße. Beide Gebäude seien ohnehin zu groß. Der von Schülern als "Schloss" bezeichnete Teil ist nur zu 48, das Haus in der Helmholtzstraße zu 56 Prozent ausgelastet. Laut Prognosen sollten in diesem Schuljahr 545 Schüler am Gymnasium lernen, tatsächlich sind es nur 450. Nach Hochrechnungen reduziert sich die Zahl ab Sommer 2016 auf 431.

Als Fazit wird im Konzept die Zusammenlegung beider Teile als ein "auf lange Sicht erfolgversprechender Weg" vorgeschlagen. Allerdings reicht das dazu vorgeschlagene Gebäude in der Helmholtzstraße nicht aus. Er benötigt dazu mindestens einen modernen Anbau mit einem Mehrzweck- und einem weiteren Speiseraum sowie behindertengerechte Zugänge. Vor allem aber fehlen am neuen Standort genügend Fachkabinette für Chemie, Physik und Information, wofür der Anbau ebenso nötig wäre.

Der Kreistag steht nun vor der Entscheidung, bald schon Geld für die Brandschutz-Sanierung im "Schloss" bereitzustellen, denn im Moment ist unklar, wie lange es ohne solche Investitionen noch eine Betriebserlaubnis gibt. Allerdings würde sich das Bild der alten Penne gehörig verändern, "sie würde ihre Seele verlieren", wie Bürgermeister Schrade der OVZ eingestand. Offenbar muss das denkmalgeschützte Treppenhaus aus Holz entfernt oder eingehaust werden. Nach der Errichtung von Feuerleiter würde man das "Schloss" nicht wiedererkennen. Eine Alternative wäre ein vermutlich ebenso teurer Anbau in der Helmholzstraße, den man aber angesichts sinkener Schülerzahlen auch in zehn Jahren noch rechtfertigen muss.

In Schmölln selbst überschlagen sich nach Bekanntwerden von Sojkas Äußerungen die Ereignisse. Eine bereits für gestern geplante Demo wurde vom Schulamt nicht genehmigt. Heute allerdings könnte es zu einer Protestveranstaltung kommen. Gegen 20 Uhr wurden die Eltern per Internet zu einer Versammlung in die Turnhalle in der Helmholtzstraße eingeladen, auf der die Landrätin sprechen sollte. Gestern wurde dieses Meeting überraschend abgesagt. Dafür soll heute nur noch eine Zusammenkunft von Eltern-, Schüler- und Lehrersprechern in einem Klassenzimmer stattfinden. Was wirklich passiert, ist unklar, "denn alles kann sich minütlich ändern", sagte gestern eine Lehrerin.

Aus der Osterländer Volkszeitung vom 23.09.2015

Jens Rosenkranz

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