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Schmöllner Sprengkommando: Staatsanwalt fordert hohe Haftstrafen

Prozess am Landgericht Schmöllner Sprengkommando: Staatsanwalt fordert hohe Haftstrafen

Der Prozess gegen die mutmaßlichen Automaten-Sprenger von Schmölln bleibt für Überraschungen gut. So stellte sich am vorletzten von 14 Verhandlungstagen heraus, dass neben den beiden Hauptangeklagten Sascha E. und Andreas H. nun auch Marcel K. im Gefängnis sitzt. Zudem gingen die anschließenden Plädoyers weit auseinander.

Neben den beiden Hauptangeklagten Sascha E. (2.v.l.) und Andreas H. (2.v.r.) sitzt nun auch Marcel K. (3.v.l.) im Gefängnis. Weil das niemand wusste, verzögerte das den Beginn des 13. Prozesstags gegen das mutmaßliche Schmöllner Sprengkommando.

Quelle: Thomas Haegeler

Gera. Der Prozess gegen die mutmaßlichen Automaten-Sprenger von Schmölln überrascht auch gen Ende noch. So stellte sich am Dienstag, dem vorletzten von 14 Verhandlungstagen, heraus, dass neben den Hauptangeklagten Sascha E. und Andreas H. nun auch Marcel K. im Gefängnis sitzt. Weil das aber niemand wusste, verzögerte sich der Beginn der Sitzung um 45 Minuten. Abgesehen davon gingen die Plädoyers weit auseinander. Während Staatsanwalt Stefan Beyer für H. sechs Jahre und drei Monate und für E. fünf Jahre Freiheitsstrafe forderte, blieben die Verteidiger weit darunter. Das verspricht Spannung für das Urteil am Freitag.

Angeklagter vergisst Haftstrafe

Weitestgehend einig war man sich nur bei K., für den Beyer wegen der Beteiligung an einer Sprengstoffexplosion ein Jahr und sechs Monate auf Bewährung für angemessen hielt. Dem schloss sich Verteidiger Carl Sommer an – nur die 300 Arbeitsstunden hielt er für zu viel. Dass K. gleich zu Beginn für Verzug sorgte, lag übrigens daran, dass der 29-Jährige vergessen hatte, Bescheid zu sagen, dass er seit zwei Wochen eine unbezahlte Geldstrafe absitzt.

Anschließend führte Beyer in seinem anderthalbstündigen Plädoyer aus, warum er die zum Teil hohen Haftstrafen forderte. „Nach einer umfangreichen Beweisaufnahme haben sich die verbliebenen Anklagepunkte bestätigt“, sagte er. Damit meinte der Staatsanwalt vor allem den von der Drogensucht gesteuerten Bau von fünf Rohrbomben und die Sprengung von drei Zigarettenautomaten in Schmölln und Vollmershain im Februar 2015. Grundlage hierfür seien die Geständnisse H.s und K.s, die durch angesengte Zigarettenschachteln, Teile der Automaten sowie Kleingeld in den Wohnungen der Angeklagten oder durch DNA an Bomben und Zeugenaussagen untermauert würden. Ähnliches gilt für andere Delikte, wozu etwa Drogenbesitz, Diebstahl und Körperverletzung gehören.

Anwälte hegen Zweifel

Etwas anders sah das H.s Anwalt René Blaschke. Sein Mandant sei noch nie in Vollmershain gewesen, er habe kein Fahrzeug, und die dort gefundene Brille seines Mandanten könnte auch anders dahin gekommen sein. „Warum soll der Angeklagte zugeben, zwei Automaten gesprengt zu haben und den dritten nicht?“, so der Verteidiger. „Das macht keinen Unterschied.“ Zudem seien die Aussagen des Geschädigten bei der Körperverletzung widersprüchlich. In diesen Punkten forderte Blaschke Freispruch und plädierte für vier Jahre Haft.

Noch weiter ging E.s Verteidiger Christian Stracke, der ein Loblied auf die Unschuldsvermutung und den Zweifel sang. Er sah weder bewiesen, dass sein Mandant Bomben gebaut und gesprengt noch dass er Feuerwerkskörper für über 6500 Euro gestohlen hat. Außer H.s Aussage ergebe sich „kein einziges Beweismittel, was die Beteiligung nachweist“, so der Anwalt, der dafür Freispruch beantragte. Er sehe seinen Mandanten nur der gestandenen Drogendelikte, Fahrten ohne Führerschein und Versicherung, einer Urkundenfälschung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte schuldig und beantragte drei Monate Freiheitsstrafe.

Von Thomas Haegeler

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