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Schönheitskur für eine alte Dame

Schönheitskur für eine alte Dame

Der Blick der zwölf Stadtratsmitglieder, die bei schönstem Wetter auf dem Altenburger Schlosshof stehen, wandert immer wieder nach oben. In einigen Minuten werden sie auf dem Gerüst stehen, um sich über den Fortgang der Dachsanierung der Schlosskirche zu informieren.

"Wir als Bauausschuss wollen auch immer mal wieder rausgehen auf die Baustellen", leitet Ausschussvorsitzender Peter Müller (Pro Altenburg) die Veranstaltung ein. "Und es gibt zurzeit wohl keine prägnantere Baustelle in Altenburg als die Schlosskirche."

 

Tatsächlich ist die Schönheitskur für die alte Dame schon seit knapp zwei Jahren im Gange und nicht zu übersehen. Gerüste verdecken das 600 Jahre alte Gemäuer, monatelang kreischten die Sägen und klopften die Hämmer unüberhörbar über den Schlosshof hinweg. In dem Moment, in dem der Bauausschuss gemeinsam mit Schlossdirektor Thomas Knechtel sowie Dieter Gimpel und Rüdiger Zick vom Baudezernat der Altenburger Stadtverwaltung die Schlosskirche betreten, ist es allerdings ruhig. Die meisten Bauarbeiter haben bereits den Feierabend angetreten, so dass in der Kirche fast andächtige Stille herrscht. Wer den Blick durch den Innenraum schweifen lässt, sieht aber sofort, dass sonst auch in diesem Bereich emsiges Werkeln angesagt ist. "Hier laufen die letzten Arbeiten an der statisch-konstruktiven Wiederherstellung der Baukonstruktion", erklärt Gimpel.

 

Deshalb ist auch von der Trost-Orgel weiterhin kein Stückchen zu sehen, noch immer befindet sie sich in ihrer Einhausung, wie der Fachmann den Holzverschlag nennt. "Täglich werden Luftfeuchtigkeit und Temperatur gemessen", erklärt Gimpel. Auch die Luftzirkulation sei gegeben. Knechtel: "Bis jetzt gibt es keine Schädigungen." Zumindest nicht an dem 1739 von Tobias Heinrich Gottfried erbauten Instrument, aber auf der gegenüberliegenden Seite hat es trotz Teilschutzdach reingeregnet. "30 Liter in der Stunde pro Quadratmeter waren einfach zu viel", sagt Gimpel und Knechtel ergänzt, dass es sofort aufgefallen sei, weil gerade die Altenburger Museumsnacht stattfand. So habe man entsprechende Schutzmaßnahmen ergreifen können, die Stelle müsste nun sukzessive austrocknen und dann farblich wieder angepasst werden. Auswirkungen auf die Kosten habe dies nicht, sagt Rüdiger Zick. Die zusätzlichen Mittel zur Beseitigung des Schadens würden entsprechende Versicherungen übernehmen. Auch insgesamt liege man derzeit im Kostenrahmen von 3,5 Millionen Euro, der für die Sanierung des Kirchendachs und des angrenzenden Fouriergebäudes vorgesehen ist.

 

Wohin die in den vergangenen Monaten geflossen sind, ist an vielen Ecken schon deutlich zu erkennen. "Das sieht aber toll aus", entfährt es Peter Müller, als er die zahlreichen Stufen im Treppenturm nach oben läuft. Weiß leuchten hier die Wände, nur ein paar herumhängende Kabel für die Beleuchtung erinnern noch daran, dass noch nicht alles fertig ist. "Hier musste alles runter und neu verputzt werden", berichtet Gimpel und fügt hinzu, dass man dabei auch die kleinen Wandnischen, die nun entlang der Treppe zu sehen sind, gefunden habe. "Die waren komplett zugemauert", so Gimpel. In gut drei Wochen soll die Beleuchtung angebracht werden, dann ist das Innere fertig.

 

Am Dach selbst hingegen dauert es noch länger. Nach dem die Ausschussmitglieder erst einmal die Aussicht von oben genossen und das eine oder andere Foto geschossen haben, geht der Blick zur Dachschräge. Ursprünglich sollte bereits Ende April/Anfang Mai damit begonnen werden zu schiefern, doch nun sind lediglich unterhalb der Dachrinnen und auf dem südlichen Treppenturm die Schieferplatten bereits verlegt. Vor allem, weil die Zimmererarbeiten aufwendiger als erwartet gewesen seien, sei man im Moment ein wenig in Verzug, sagt Rüdiger Zick. So habe man im Dachstuhl ganze Sparren austauschen müssen, und auch die Erneuerung des Dachreiters dauert länger. Gimpel: "Von acht Holzstützen mussten drei komplett ausgetauscht werden. Das konnte vorher niemand wissen, weil sie in Kupfer eingefasst waren."

 

Der Zeitverzug könne aber durchaus noch aufgeholt werden, meint Zick. Allerdings betont der Referatsleiter, dass sich erst im August oder September endgültig abschätzen lässt, inwieweit sich der Verzug auf die Gesamtbaustelle auswirken wird: "Laut Bauablaufplan sollte die Kirche im Oktober fertig sein, momentan können wir noch nicht endgültig sagen, ob dies zu schaffen ist."

 

Denn noch ist viel zu tun, das sehen die Ausschussmitglieder vor allem im Bereich des Alten Wehrturms. Hier ist noch ein Blick auf die morschen, alten Balken möglich, die im restlichen Dachstuhl bereits durch neues Holz ausgetauscht wurden. "Wenn die ausgewechselt sind, wird zugeschalt", beschreibt Gimpel den weiteren Ablauf. Dann kommt die Dachpappe, erst danach kann auch hier der Schiefer aus Spanien verlegt werden.

 

Insgesamt 1500 Quadratmeter Dachfläche werden am Ende neu eingedeckt sein - und zwar mit einem Schiefer, der bis vor 15 Jahren exklusiv für das belgische Königshaus vorgesehen war. Neben den Dachdeckern waren in den vergangenen Monaten zahlreiche Gewerke vor Ort: Die Zimmermänner haben zum Beispiel Gauben und Dachstuhl erneuert, die Steinmetze haben alte Kreuzblumen, Giebelelemente und vieles mehr nach historischen Vor­lagen angefertigt. An den kleinen Nonnenköpfen in den Fenstern sind die neu eingesetzten Steinstücke in Farbe und Form kaum von ihren alten Pendants zu unterscheiden. "Das ist schon beeindruckend", ist zu hören, bevor es wieder über die Leitern und Treppen des Gerüsts nach unten geht. Dort an­gekommen wandern die Blicke sofort wieder nach oben - gespannt, wie es aussehen wird, wenn die alte Dame den neuen Putz auf ihrem Haupt endlich tragen wird. © Kommentar Seite 13

Jenifer Hochhaus

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