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Schon Elvis Presley liebte diese rollende Knutschkugel

Schon Elvis Presley liebte diese rollende Knutschkugel

"Ich habe die ganze Heimfahrt keinen Ton gesagt", erinnert sich Gisela Thieme. "Oh ja, was für ein Theater", ergänzt ihr Mann Frank mit einem Lächeln.

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Blitzt und fährt wie am ersten Tag: Frank Thieme ist mit seiner BMW Isetta startbereit für das Oldtimer-Treffen.

Quelle: Mario Jahn

Borna/Altenburg. Die Anekdote ist inzwischen acht Jahre her. Damals war das Bornaer Ehepaar gerade auf der Rückfahrt von Berlin. In der Hauptstadt hatten sie sich einen Schrotthaufen angesehen, der einmal ein Auto war. Und das sollte er auch wieder werden, so hatte sich das Frank Thieme vorgestellt.

 

Daraus wird nie wieder ein Auto, hatte dagegen seine Gattin 2005 prophezeit. Nicht weil sie dem handwerklichen Geschick ihres Mannes misstraute. Nein, vielmehr weil das, was sie sich in Berlin angesehen hatten, nur noch die Rudimente eines PKW waren, und diese zu allem Überfluss auch noch komplett verrostet. Außerdem fehlte der Motor, im Innenraum herrschte Leere und die Kleinteile waren seit Jahrzehnten verschollen. Doch Frank Thieme wollte unbedingt das haben, was er in dem Garten stehen sah.

 

"Mein Budget lässt keine großen Sprünge zu, deshalb sollte es ein kleiner Oldtimer sein", erzählt er. Ein sehr kleiner, denn die Isetta, Baujahr 1962, die seit 20 Jahren unter freiem Himmel in Berlin-Tempelhof stand, misst nicht einmal 2,30 Meter in der Länge.

 

Doch wenn der Rentner heute damit über die Straßen tuckert, dann sind ihm freundliche Gesichter am Wegesrand gewiss. Womit auch geklärt ist: Giesela Thieme hat sich geirrt. "Das hätte ich nie gedacht", sagt sie und schaut mächtig stolz zu ihrem Mann. Dem geht das natürlich runter wie Öl. Doch bis es so weit war, dass der BMW wieder rollt, musste Frank Thieme viel Arbeit in die Knutschkugel stecken.

 

Zwei Jahre hat er in fast jeder freien Minute mit einem Kumpel am Wiederaufbau gewerkelt. Zuerst haben sie alles, was vom Original noch übrig war, sandstrahlen lassen. Befreit von alter Farbe und Rost, war danach erkennbar, wie der Zustand wirklich ist. Ein klein wenig muss da auch der neue Besitzer der Isetta gezweifelt haben, das ist herauszuhören, wenn der 69-Jährige darüber erzählt. "Aber für die Isetta gibt es ja heute praktisch noch alle Ersatzteile, auch wenn die ihren Preis haben", sagt Frank Thieme.

 

Über Wochen und Monate hätten dann die Postzusteller Pakete in allen Größen geliefert. Darin waren Reparaturbleche, Fahrwerksteile, Zierleisten, Scheibenwischer, Lampen, Griffe und so weiter und so fort. In mühevoller Kleinarbeit, viel Liebe zum Detail und jeder Menge Ehrgeiz haben die Männer fortan geschweißt, gesäubert, aufgearbeitet und angebaut. Am Ende gab es nicht die kleinste Schraube, die sie nicht in ihren Fingern hatten. Auch der Austauschmotor, ein luftgekühlter BMW-Einzylinder mit 300Kubikzentimetern Hubraum und 13PS, wurde in der kleinen Garage generalüberholt.

 

"Ich bin gelernter Maler, aber habe mich mein ganzes Leben schon für alte Fahrzeuge interessiert", erzählt Frank Thieme, während er mit einem Putzlappen über den inzwischen wieder glänzenden Lack wischt. "Gestern hat es geregnet, deswegen ist hier Schmutz, das kann ich gar nicht leiden", wirft er ein und erzählt weiter, dass er sich als junger Mann eine 350er Jawa gekauft hatte. Mit Seitenwagen und Anhänger, wie er betont. Später ist er Berlin-Roller gefahren und auch eine Zeit lang mit einer Awo über die Landstraßen geknattert. So ist er über die Jahre in die Oldtimerszene hineingewachsen.

 

Aber die Isetta hat es ihm besonders angetan. Schließlich steht der Charakterwagen für eine spannende Geschichte: Anfang der 1950er-Jahre war dieses winzige Automobil quasi die Rettung für den BMW-Konzern. Schwer gezeichnet von Kriegsschäden und der Teilung des Landes - die Produktionsstätte in Eisenach gehörte damals zur sowjetischen Besatzungszone, hier war aber vor dem Krieg die PKW-Produktion angesiedelt -, standen die Bayerischen Motorenwerke vor dem Aus. Erst der Kauf der italienischen Lizenz für den Zweisitzer öffnete die Türen zum Massenmarkt. Damit war dann der Grundstein für die wirtschaftliche Gesundung der Marke gelegt. "Und Elvis hat auch eine Isetta gekauft, als er in der Bundesrepublik stationiert war", vervollständigt Frank Thieme und zeigt das Beweisfoto.

 

Heute soll es noch um die Tausend fahrbereite Isettas in Deutschland geben. Eine davon ist die von Frank Thieme, mit der er am 25. Mai zum Oldtimertreffen nach Altenburg kommt.

 

iFür dieses Treffen verlost die OVZ auch eine Mitfahrgelegenheit in der Isetta. Bedingung ist die richtige Beantwortung folgender Preisfrage: Welches deutsche Volkslied machte Elvis Presley zum Welthit? Wer es weiß, mailt die Antwort bis zum 23. Mai an: altenburg.redaktion@lvz.de. oder schreibt an: OVZ, Kornmarkt 1, 04600 Altenburg.

Jörg Reuter

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