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Schornstein in Mumsdorf südlich von Leipzig gesprengt

Stahlbeton-Riese Schornstein in Mumsdorf südlich von Leipzig gesprengt

Nach dem Knall dauerte es zehn Sekunden, dann lag der Stahlbetonberg am Boden: Mit der Sprengung des 75 Meter hohen Schornsteins verschwindet auch das letzte Bauwerk des ehemaligen Braunkohlenkraftwerkes Mumsdorf (Altenburger Land).

 Das Ende des Riesen: Nachdem sich der Qualm verzogen hat, liegt der Schornstein quer auf dem Boden.
 

Quelle: Mario Jahn

Mumsdorf.  Ein markerschütternder Knall, und zehn Sekunden später ist alles vorbei. Da liegt der erst 21 Jahre alte und 75 Meter hohe Schornstein des einstigen Kraftwerkes Phönix Mumsdorf als Schuttberg am Boden. „Das sind 1120 Tonnen Stahlbeton und 220 Tonnen Ziegelmauerwerk, die sich jetzt da auftürmen, wo einst die Kraftwerksanlagen standen“, nennt Eckhard Franz, Projektleiter Abriss bei der Mibrag, nüchterne Zahlen. Doch den gestandenen Mann, der mehr als 30 Jahre im Kraftwerk Mumsdorf tätig war und es 18 Jahre davon leitete, macht das Verschwinden des letzten Bauwerkes auf dem Kraftwerksgelände auch ein bisschen wehmütig. Franz begleitet den Abriss der 2013 stillgelegten Anlagen seit Anfang 2014. Mit der Sprengung des Schornsteins, die bisher seine erste war, geht die Geschichte des 1968 in Betrieb gegangenen Kraftwerkes zu Ende.

Für Sprengmeister Karl-Heinz Bühring war es bereits der 557. Schornstein, den er zum Liegen brachte. „Wie viele Tausend Sprengungen ich seit 1979 insgesamt ausgelöst habe, kann ich aber nicht genau sagen“, gesteht der 64-Jährige. Bevor er am Mittwoch die Sprengung auslösen konnte, mussten er und seine Kollegen von der Firma Otto Freerk aus der mecklenburgischen Gemeinde Feldberger Seenlandschaft fünf Tage lang präzise Vorarbeit leisten.

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Mit der Sprengung des 75 Meter hohen Schonsteins ist das letzte Gebäude des Kraftwerkes Mumsdorf verschwunden. 200 Zaungäste verfolgen das Ereignis.

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Auf der Seite, nach der der Stahlbetonkoloss fallen sollte, hatten sie 355 Löcher gebohrt und darin 26 Kilogramm Sprengstoff verteilt. Außerdem waren Schlitze in die Betonwand der großen Betonesse und Löcher an deren Fuß gestemmt worden. Die Sprengung in Mumsdorf sei zwar keine besondere, doch es sei schon heikel, dass nur wenige Meter daneben eine Straße verläuft, sagt Bühring vor der Sprengung. Auf die Frage, wie es ihm gerade gehe, meint er: „Ich bin zwar nicht aufgeregt, aber angespannt. Doch das ist immer so. Ich sage mir aber: Es wird schon schief gehen.“

Bevor er jedoch den Schornstein punktgenau um 13 Uhr zu Fall brachte, liefen bereits zwei Stunden vorher umfangreiche Sicherungsarbeiten. Die Straße wurde gesperrt, und Sicherungsposten bekamen eine genaue Einweisung. Das war auch erforderlich, denn im Meuselwitzer Ortsteil Mumsdorf hatte sich die bevorstehende Sprengung wie ein Lauffeuer herumgesprochen. Hinter den Absperrungen standen etwa 200 Menschen, die das Spektakeln verfolgen wollten. Viele von ihnen hatten mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte im Kraftwerk Mumsdorf gearbeitet.

„36 Jahre war ich hier beschäftigt, meine Frau hat hier gelernt“, sagt Gert Pietsch, Ortsteilbürgermeister von Mumsdorf, der wie viele andere den Fall des Schornsteins filmt und fotografiert. In Erinnerungen schwelgt auch Enrik Zeuke, der 27 Jahre hier tätig war und nun bei der Sprengung einer der Sicherheitsposten ist.

Nachdem das erste Sprengsignal ertönt, dauert es etwa noch drei Minuten, ehe das Signalhorn zweimal zu hören ist – nach weiteren zwei Minuten erfolgt die lautstarke Sprengung und der Koloss kippt wie geplant in einem Stück auf das Areal des ehemaligen Kraftwerkes. Nach nur zehn Sekunden kracht es, und der Haufen aus Beton und Stahl ist am Boden in eine riesige Staubwolke eingehüllt. Die verzieht sich erst Minuten später. Nach der Entwarnung sind die Zaungäste nicht mehr aufzuhalten. Sie strömen auf das Kraftwerksgelände, um mit eigenen Augen zu sehen, was von dem einst rauchenden Schonstein übrig geblieben ist.

Von Marlies Neumann

Mumsdorf 51.063822 12.267197
Mumsdorf
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