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Schubert lässt die Puppen tanzen

Schubert lässt die Puppen tanzen

Ein solch veranstaltungsreiches Unternehmen wie der Kulturgasthof Kosma benötigt neben Auftritten ständig neuer Künstlerinnen und Künstler auch traditionelle, die Jahr für Jahr ein volles Haus garantieren.

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Ganz eigene Logik: Olaf Schubert erklärt mit seinem Puppentheater und viel Wortwitz die Welt.

Quelle: Jens Paul Taubert

Altenburg. Dazu gehört als feste Bank der Kabarettist Olaf Schubert. Kaum ist das Jahresprogramm mit den Terminen aller Veranstaltungen erschienen, klingelt in Kosma das Telefon, und die Karten für den Mann mit dem rhombendurchwirkten Pullunder sind binnen weniger Tage vergriffen.

Das optische Fliegengewicht unter den mehr kräftigen Comedians und Kabarettisten hat von Dresden aus den gesamten deutschsprachigen Raum erobert und sich als Kultfigur etabliert.

Worin liegt die Faszination, dass im Kosmaer Saal und anderswo Jahr für Jahr alle verfügbaren Stühle belegt und die Veranstaltungen mit ihm restlos ausverkauft sind? Er bietet der Welt und deren Unvollkommenheit seine großflächige Stirn und philosophiert darüber mit kritischen und mahnenden Worten in einer Art, die dem Nonsens sehr nahe kommt.

Man ist gewohnt, dass der Kabarettist allein auf der Bühne steht und meistens etwas unbeholfen nach den richtigen Formulierungen sucht. Das war am Sonntagabend in Kosma nicht so. Das war ganz anders: Schubert betrat nicht wie üblich die Bühne mit den Worten: "Mein Name ist Schubert, Olaf. Da bin ich also." Den größten Teil des Abends versteckte er sich mit seinem Partner Heiko Schmerbach hinter einer Kasper-Theater-Kulisse, von wo aus beide dem Publikum "Hörspiele" lieferten.

Die meisten Besucher waren durch den Veranstalter auf die veränderte Präsentation vorbereitet worden und genossen die ohne Dramaturgie gestalteten kurzen witzigen Dialoge über Menschlich-Allzumenschliches mit dem gleichen Vergnügen wie sonst die Schubertschen Soloauftritte. Unterstützt wurden die Hördialoge meist durch Puppen, die von den beiden Künstlern per Hand geführt wurden und so all diesem den Charakter von Kasper-Theater gaben.

Die pyrotechnischen Zugaben verpufften meistens kläglich, nicht aber der Wortwitz in den Dialogen. Der war besonders stark in der Unterredung im Zugabteil zwischen zwei Sachsen, die den jeweiligen Gegenüber als Engländer vermuteten und das beste Deutsch-Englisch-Kauderwelsch fabrizierten, das man je gehört hat. Umwerfend auch die Beschreibung eines Testversuchs mit einem Kondom mit extra großen Noppen zur Lusterhöhung. Und die "Prolo-Frösi" als Synonym für die Bildzeitung war eine der besonderen schubertschen Wortschöpfungen, von denen es in den Dialogen nur so wimmelte. Der Olaf war natürlich auch zu sehen. Ganz in Weiß gekleidet und mit einem braunen Spitzhut bedeckt tauchte er wieder und wieder aus dem Untergrund auf und gab nicht immer notwendige, aber mit intelligentem Humor vorgetragene Einführungen in die Hörszenen.

Und nach der Pause bekam das Publikum seinen Olaf so zu hören, wie es ihn kannte - er las aus seinen Reisebüchern vor, die auf seinen Radio-Kolumnen basieren: Der Meister wandelt als Forschungsreisender um die Welt, besucht seine tschechische Zwillingsschwester, landet danach in Schweden und trifft hier einen Alten (natürlich Schweden), mit dem er das Bernsteinzimmer sucht und ein Bimssteinzimmer findet und eine Erklärung erhält über die eigenartigen Namen von Ikea-Möbeln. Diese bekommen den Namen desjenigen, "der zuerst über den Zusammenbau dieser Holzmonster abstirbt". Danach gerät der Weltenbummler in einen Krieg zwischen Helgoland und Legoland, sucht im Auftrag der ägyptischen Flotte den Seeweg nach Ungarn zum Plattensee und trifft bei all diesen Unternehmungen auf eine Menge von Menschen, die er sprachlich liebevoll porträtiert.

In Ägypten entdeckt Olaf Schubert schließlich viele steinerne Pyramiden und dazwischen eine große Ansammlung von Menschen. Das war die Bevölkerungspyramide. Jubel und viel Beifall am Ende. Was auch sonst bei so einem schrägen Künstler mit Geist?

Manfred Hainich

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