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Schüler nutzen Schnuppertag bei Spezialgeräte Schmölln

IHK-Aktion Schüler nutzen Schnuppertag bei Spezialgeräte Schmölln

Johannes Brettschneider ist die Begeisterung anzusehen. Mit Akribie feilt er an einem kleinen Messingstück. Der 13-Jährige ist einer von drei Schülern, die im Werkzeugbau der Spezialgeräte Schmölln (SGS) im Rahmen der IHK-Aktion Schülercollege einen Tag ihrer Osterferien nutzen, um ins Arbeitsleben hineinzuschnuppern.

Die Schüler Chris Rauschenback und Johannes Brettscheider (v.l.) beteiligen sich am IHK-Schülercollege in der Schmöllner Firma Spezialgeräte.

Quelle: Jörg Reuter

Schmölln/Nitzschka. Johannes Brettschneider ist die Begeisterung anzusehen. Mit Akribie feilt er an einem kleinen Messingstück. Immer wieder prüft er, ob noch irgendwo ein Grat ist. Der 13-Jährige ist einer von drei Schülern, die im Werkzeugbau der Spezialgeräte Schmölln (SGS) im Rahmen der IHK-Aktion Schülercollege einen Tag ihrer Osterferien nutzen, um ins Arbeitsleben hineinzuschnuppern. „Viele in dem Alter haben überhaupt keine Vorstellung, was sie beruflich werden wollen“, erläutert IHK-Mann Heiko Miadowitz. Die Aktion der Industrie- und Handelskammer (IHK), soll ihnen praxisnah eine Vorstellung von den einzelnen Berufen geben. Die Teilnahme ist freiwillig. Und die Jugendlichen können an mehreren Terminen in verschiedenen Arbeitsfeldern und Unternehmen teilnehmen.

Seit einigen Jahren gibt es in Ostthüringen das IHK-Schülercollege. Zum ersten Mal beteiligten sich jetzt die Schmöllner Metallbearbeitungsspezialisten. Firmenchef Konstantin Kupka ist angetan, von der Begeisterung der Jungs und hofft, dass sie sich später vielleicht bei der SGS bewerben. Der Fachkräftemangel sei inzwischen ein großes Thema, sagt er. Zwar gehen genügend Bewerbungen in der Firma ein, doch den Anforderungen werden immer weniger gerecht. „Da geht es mir nicht in erster Linie um Zensuren. Viel wichtiger sind Einstellung und Zuverlässigkeit“, so Kupka. Denn der Spruch im Firmenkatalog „Präzision aus Leidenschaft“ stünde dort nicht aus Verlegenheit, sondern sei Leitmotto und Geschäftsgrundlage des Betriebes.

Zu DDR-Zeiten produzierte das Werk Spezialgeräte für den Waggonbau, daher stammt auch der Name. Heute fertigen die 42 Mitarbeiter der SGS pro Jahr rund 45 Millionen hochpräzise Rohre. Damit werden alle deutschen Autohersteller beliefert. Der Umsatz beläuft sich auf circa drei Millionen Euro. „Wir sind bundesweit die zweitgrößte Firma für Präzisionsrohre bis 300 Millimeter“, betont der Geschäftsführer.

Alleinstellungsmerkmal der Ostthüringer sind die speziell für das Unternehmen hergestellten Ablängautomaten. „Entscheidend für den Erfolg am Markt sind Genauigkeit und Zeit“, erläutert Kupka. Im besten Fall spucken die computergesteuerten Maschinen alle 2,7 Sekunden ein innen und außen bearbeitetes Werkstück aus. Bis zu vier Arbeitsschritte, vom Zuschneiden bis zum Reiben von Passungen, führen die Automaten gleichzeitig aus.

Doch allein moderne Maschinen machen noch keine Qualitätsprodukt. „Unser Präzisionsanspruch muss von der gesamten Mannschaft mitgetragen werden, sonst funktioniert es nicht.“ Mitarbeiter, die ständig fehlerhafte Teile produzieren, könne er nicht gebrauchen, meint Kupka. Vor allem, weil die Autokonzerne außerordentlich hohe Ansprüche an die Rohre haben, die weiterverarbeitet zum Beispiel in Lenkungen oder Getrieben zum Einsatz kommen beziehungsweise als Gehäuse von Elektromotoren verwendet werden und absolut wasserdicht sein müssen.

In drei Schichten wird in der Firma SGS gearbeitet. „Aber nicht rollende Woche“, betont der Chef, denn engagierte Mitarbeiter müssten auch Wochenenden haben. Zur Philosophie des Familien-Unternehmens zählt es nämlich, so Kupka, den Angestellten, eine langfristige Perspektive zu bieten. Dazu gehöre eben auch Freizeit. „Darüber hinaus haben wir ein Gesundheitsprogramm aufgelegt und zahlen etwa für Rückenschule, Vorsorgeuntersuchung oder Fitnessstudio“, zählt der Geschäftsführer auf.

Trotz der guten Bedingungen fallen bei den großen Bewerbungsrunden für Schulabgänger regelmäßig mindestens 50 Prozent raus, weil sie nicht die nötige Motivation zeigen. Deshalb ist es umso schöner für Kupka zu sehen, mit wie viel Ehrgeiz die Schüler den Messing-Schlüsselanhänger fertigen. „Ich bin sehr froh, dass sich drei für uns entschieden haben. Wir hatten der IHK maximal vier Plätze gemeldet. So kann sich unser Werkzeugbauchef auch intensiv mit den Jugendlichen beschäftigen.“

Von Jörg Reuter

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