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Altenburg Schülerin kritisiert Landrätin: Ich lasse mir nicht den Mund verbieten
Region Altenburg Schülerin kritisiert Landrätin: Ich lasse mir nicht den Mund verbieten
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11:56 12.09.2016
Konzert des Thüringer Landesjugendchors in Romschütz. Quelle: privat
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Altenburg

Es sollte etwas schönes entstehen, was die Seele streichelt, gut klingt und Freude bereitet. Am Ende schrillen Misstöne, sie wollen nicht aufhören und lassen die Seele schmerzen. Lena Braun hätte sich das nicht träumen lassen. Bis jetzt lässt sie die Angelegenheit nicht in Ruhe, obwohl das Ganze schon über zwei Monate zurückliegt. Im Juni machte sich die junge Altenburger Sängerin auf die Suche nach Sponsoren für ein CD-Projekt des Thüringer Landesjugendchores, dem sie angehört. Aufgenommen werden sollten Werke des Meininger Hofkapellmeisters Wilhelm Berger, der von 1903 bis 1911 in Meinigen wirkte (die OVZ berichtete).

Um Geld zu sammeln, entstand die Idee eines Benefiz-Konzertes in der Romschützer Kirche, für das Lena Braun in einem Leserbrief warb. In dem von ihr verfassten Text ging die Bundespreisträgerin bei „Jugend musiziert“ auf die Gründe ein, weshalb das CD-Projekt drohte, ins Wasser zu fallen, an dem das „musikalische Herzblut der Sänger“ hing, wie sie schrieb. „Die Geldmittel, die eine Jenaer Institution avisiert hatte, haben sich zerschlagen. Der Grund: Diese sollen jetzt Flüchtlingen zugute kommen.“

Genau dieser Zusammenhang fuhr einigen in die Nase. Womöglich lag dies daran, weil er in der Flüchtlingsdiskussion ungelegen kam. Vielleicht aber auch, weil der Beweis für die Behauptung fehlte, weil die Jenaer Institution bis heute geschützt werden soll. Auch Landrätin Michaele Sojka (Linke) zeigte sich sehr verwundert. „Wie dieser Leserbrief zustande kam und wieso Flüchtlinge in Jena daran schuld sein sollen, ein CD-Projekt des Landesjugendorchesters nicht umsetzen zu können, erschließt sich mir nicht“, schrieb sie Vertrauten. Die Landrätin lud Lena Braun ein. Das Treffen, was die Schülerin als Vorladung bezeichnete und an dem ihr Vater teilnahm, fand am 21. Juni im Landratsamt statt.

Dass es nicht in angemessenen Bahnen verlief und unter einem falschen Vorwand stattfand, nämlich in der erklärten Absicht, dass Sojka das CD-Projekt finanziell unterstützen wollte, wühlt die 18-Jährige bis heute auf. „Ich kann und will es nicht zulassen, dass mein aufrechter Gang, der mir von meinen Eltern beigebracht wurde, von wem auch immer gebeugt wird“, schrieb sie nun in einer Erklärung an die OVZ. Denn in dem Gespräch habe die Landrätin von ihr verlangt, den Zusammenhang zwischen dem geplatzten Sponsoring und den Flüchtlingen zurückzunehmen, sie sollte dies als Fehler eingestehen.„Ja man versuchte sogar, mich zur Lüge zu drängen“, heißt es. Außerdem solle sie derartige Zeitungsartikel in Zukunft vor der Abgabe der Landrätin vorlegen.

So etwas nennt man Zensur.

Womöglich hätte Lena Braun den Zusammenhang herstellen können, in dem sie ein Schriftstück präsentiert, das die Landrätin habe sehen wollen. Das tat sie nicht, weil sie sich als Vorstandsmitglied des Landeschores an die Schweigepflicht gebunden fühlte. „Dass man versucht hat, mich zu ködern, um mir anschließend Vertrauensbruch nachweisen zu können, finde ich einfach erschütternd“, meint sie.

Das betreffende Antwort-Schreiben auf die Bitte um finanzielle Unterstützung erreichte mehrere Chorvorstandsmitglieder und liegt auch der OVZ vor. Dort heißt es, dass die Projekte meist schon mehr als ein Jahr im Voraus verplant seien. „Gleichzeitig sind insbesondere durch die zahlreichen Projekte zur Unterstützung von Flüchtlingen die Haushalte ... sehr angespannt und haben keinen weiteren Spielraum mehr.“

Es ist ein einmaliger Vorgang im Altenburger Land, dass eine 18-Jährige der Landrätin solch schwere Vorwürfe macht. In einer von ihrem Pressesprecher abgegebenen Erklärung heißt es, dass sich die Landrätin auch mit Rücksicht auf die Zukunft eines jungen talentierten Menschen zum jetzigen Zeitpunkt nicht detailliert äußern möchte, sondern lediglich die formulierten Vorwürfe zurückweist.

Lena Braun absolviert seit einiger Zeit ein freiwilliges ökologischen Jahr an der Nordsee. Den genauen Ort kennen nur ihre engsten Vertrauten.

Von Jens Rosenkranz

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