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Schuldenfalle: Im Altenburger Land brauchen immer mehr Menschen Hilfe

Knietief in der Kreide Schuldenfalle: Im Altenburger Land brauchen immer mehr Menschen Hilfe

Immer mehr Menschen im Altenburger Land sind verschuldet. Wer von Schulden betroffen ist, sollte sich schnellstmöglich Hilfe holen – die Schuldnerberatungsstelle in Altenburg ist einer der ersten Anlaufpunkte. Die Gründe, warum Leute ins Minus rutschen, sind vielfältig.

Immer mehr Menschen im Altenburger Land wissen nicht mehr, wie sie ihre Rechnungen bezahlen sollen und rutschen in die Schuldenfalle.
 

Quelle: LVZ

Altenburg.  Die Schuldnerquote im Altenburger Land lag zum Stichtag 1. Oktober 2015 bei 8,72 Prozent der volljährigen Bewohner. Das geht aus dem Schuldneratlas hervor, der von der Unternehmensgruppe Creditreform herausgegeben und Jahr für Jahr aktualisiert wird. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Schuldnerquote zwischen Lucka und Ponitz damit leicht gestiegen – 2014 betrug sie 8,66 Prozent.

Generell geht die Kurve seit ein paar Jahren nach oben. Das heißt, immer mehr Menschen geraten in finanzielle Schieflage. Umso wichtiger wird die Arbeit der Schuldnerberatungsstelle in Altenburg. „Je länger der Klient nicht an seine Gläubiger zahlt, desto schwieriger ist es, eine Lösung zu finden“, erklärt Janett Helbig, Teamleiterin der Schuldnerberatung des Magdalenenstiftes Altenburg. „Meist kommen die Leute aber eine Idee zu spät zu uns.“ Verständlich sei das, weil viele erst allein versuchen, eine Lösung zu finden.

Aber wenn es einen Karton voll ungeöffneter Briefe von Gläubigern gebe oder gar der Gerichtsvollzieher vor der Tür stehe, sei es allerhöchste Zeit, eine Beratungsstelle aufzusuchen, so Helbig weiter. Im Magdalenenstift werde kostenlos beraten, bisher habe man immer helfen können. „Wir verlangen keine Rechtfertigung, wir wollen den Menschen nur helfen, aus den Schulden herauszukommen.“ Schließlich sei die Schuldnerberatungsstelle kein Amt.

Wie schnell jemand in die Falle gerät, wissen die Berater aus ihrer Berufspraxis. Besonders das Internet lockt mit einer Vielzahl von Angeboten. „Am sinnvollsten ist es, etwas direkt beim Kauf zu bezahlen, also auch auf Sachen hinzusparen“, sagt Helbig. In Zeiten von Ratenkäufen, die auch nichts anderes als ein Kredit und damit Schulden seien, sei das Sparen aber beinahe in Vergessenheit geraten. Passiere dann etwas Unvorhergesehenes, wie Arbeitslosigkeit oder die Trennung vom Partner, könne die Planung schnell zusammenbrechen und das Abzahlen der Schulden schwierig werden.

Als Privatschuldner im Sinne des Schuldneratlas zählen Bürger ab dem 18. Lebensjahr, deren Ausgaben die Einnahmen übersteigen. 2014 gab es im Altenburger Land 7198 Schuldner, ein Jahr später waren es 7144. Das sieht auf dem ersten Blick nach einem Rückgang aus, allerdings nahm zeitgleich auch die Bevölkerung ab – von 83 123 volljährigen Menschen im Jahr 2014 auf 81 958 im Jahr 2015. Im Verhältnis wuchs dadurch die Zahl jener Leute, die in der Kreide stehen.

Wer in der Schuldenfalle gefangen ist, kann sich bei der Schuldnerberatung Hilfe holen. „Im ersten Gespräch gibt es aber noch keine Lösungen. Der Klient muss sich bei uns erstmal wohlfühlen und auch mitarbeiten wollen“, erklärt Helbig. Wolle er die Beratung, würden die Gläubiger darüber informiert. Von diesem Zeitpunkt an gehe deren Post bis zum Schließen der Akte an die Schuldnerberatungsstelle. „Wir verlangen von den Gläubigern außerdem Nachweise über die Forderungen, die wir prüfen. Danach haben wir einen Überblick über die Gesamtverschuldung.“

Beim zweiten Termin würden dem Schuldner die Möglichkeiten erläutert, wie er aus der Klemme kommen kann. Für eine müsse er sich entscheiden. „Das Hauptaugenmerk bei uns liegt aber immer auf der Existenzsicherung“, erzählt die Teamleitern der Schuldnerberatungsstelle. Die Schulden würden staffelweise abgearbeitet, die Reihenfolge nach der Dringlichkeit festgelegt. „Wir begleiten die Klienten über mehrere Jahre bei der Entschuldung und passen die Rückzahlungen immer der aktuellen Einkommenssituation an“, erklärt Helbig. Etwa 30 bis 50 Gläubiger hätten die Klienten im Durchschnitt.

Im vergangenen Jahr beschäftigte sich die Beratungsstelle mit 869 Fällen. 611 davon laufen noch, die restlichen sind sogenannte Fallabgänge. Dazu zählt nicht nur, wenn ein Mensch seine Schulden endlich los ist, sondern auch die Privatinsolvenz. Hier verzeichnete die Beratungsstelle im vorigen Jahr 149 Neuaufnahmen, 135 davon landeten bei Gericht, da eine außergerichtliche Einigung mit den Gläubigern nicht zustande kam.

Von Andrea Schrader

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