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Altenburg Schulsozialarbeiter werden im Altenburger Land weiter ungleich behandelt
Region Altenburg Schulsozialarbeiter werden im Altenburger Land weiter ungleich behandelt
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16:27 06.03.2018
Elf der zwölf Sozialarbeiter im Landratsamt, die 2015 ihre Arbeit in den Schulen des Altenburger Land aufnahmen. Quelle: Jana Fuchs
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Altenburg

Sie helfen Schülern bei persönlichen, familiären und schulischen Problemen, sind dabei verlässlich und einfühlsam. Sie unterstützen junge Menschen bei der Berufswahl und sind vertrauliche Ansprechpartner beim Thema Drogen: die Schulsozialarbeiter. Seit Oktober 2013 gibt es davon zwölf im Landkreis, die an acht Regel-, einer Gemeinschafts- und an zwei Berufsschulen sowie einem Gymnasium tätig sind. Allerdings werden sie ungleich behandelt. Sechs von ihnen sind bei freien Trägern angestellt und haben einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Die anderen sind über das Landratsamt nur befristet eingesetzt. Ein unsicherer Job, der eine kontinuierliche Arbeit unmöglich macht.

Auf diesen Missstand wies kürzlich zur Kreistagssitzung Landrätin Michaele Sojka (Linke) hin. „Uns laufen die Leute weg“, warnte sie und beklagte, dass es weder im Land noch im Bund Gesetze gibt, die die Schulsozialarbeit regeln. Wenn der gewohnte Ansprechpartner weg ist, reißt er eine riesige Lücke, betonte Sojka. Eine Lücke, die noch größer sei, als wenn der Direktor ausfällt.

Die Kreistagsfraktion der Linken möchte das nun ändern und stellte im Kreistag einen Antrag, wonach die Arbeitsverträge zum nächstmöglichen Zeitpunkt entfristet werden sollen. Denn gute Sozialarbeiter möchte man nicht verlieren, nur weil diese sich wegen Ungleichbehandlung nach einem anderen Job umsehen. Zu groß sind nämlich auch die Probleme, die zum einen mit der hohen Kinder- und Jugendarmut im Landkreis zusammenhängen. Zum anderen schlug Amtsarzt Dr. Stefan Dhein mit seiner Studie zum Drogenkonsum unter 15- bis 18-Jährigen Alarm. Fast 30 Prozent der Befragten gaben an zu rauchen, über 25 Prozent würden Cannabis, 5,6 Prozent Crystal, 4 Prozent Ecstasy und 1,5 Kokain konsumieren (die OVZ berichtete). Das Einstiegsalter bei der gefährlichen Droge Crystal liegt demnach bei 14,7 Jahren.

Schon allein das zeigt, dass es eigentlich an allen Schulen des Kreises Sozialarbeiter geben müsste. Daher schlug die Linke im Kreistag außerdem vor, dass die Landrätin ein Modell entwickeln soll, die Sozialarbeit auf alle Schulen auszudehnen, für die der Kreis zuständig ist.

Doch dafür reicht das Förderprogramm des Landes nicht aus. Und niemand weiß, ob diese Richtlinie ab dem Jahr 2019 verlängert wird. Darauf machte Frank Tanzmann (CDU), der Chef des Jugendhilfeausschusses des Kreises, aufmerksam. Alle Schulen zu bestücken, koste Millionen, das gebe die Förderrichtlinie des Landes nicht her. Tanzmann appellierte an die Landesregierung, dies zu ändern und verwies auf das Beispiel Sachsen. Dort sei eine 100-prozentige Finanzierung an den Oberschulen, die der Thüringer Regelschule vergleichbar ist, gesichert.

„Man kann bei der Jugendarbeit immer schön ausrechnen, was sie kostet, aber nicht, welche Kosten sie einspart“, sagte Frank Tempel (Linke). „Ohne die Schulsozialarbeit werden wir auf ganz anderen Feldern ganz andere Ausgaben haben“, warnte er. Statt die Sozialarbeiter mit einer Ungleichbehandlung zu vergrämen, müsse man um sie werben, da es ohnehin viel zu wenige qualifizierte Kräfte gebe. „Beim bestehenden Fachkräftemangel im Bereich der sozialen Berufe muss der Landkreis als attraktiver Arbeitgeber auftreten, das steht auch im Linken-Antrag.“ Tempel bezeichnete es als falsch, die beiden Anträge in den Fachausschuss zurückzuverweisen. Doch genau passiert nun. Neben Tanzmann hatte sich auch Ingo Prehl (Grüne) dafür ausgesprochen, der die Anträge als unausgegoren bezeichnete. Seiner Meinung nach müsse zunächst geprüft werden, ob die freien Träger der Jugendhilfe auch noch jene Sozialarbeiter übernehmen, die bislang beim Landratsamt angestellt sind.

Von Jens Rosenkranz

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