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Altenburg Schwächen der Politik wurden in der Altenburger Brauerei auf die Schippe genommen
Region Altenburg Schwächen der Politik wurden in der Altenburger Brauerei auf die Schippe genommen
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20:00 11.02.2016
Deftige Attacken zum politischen Aschermittwoch: Micha Kost, Gisela Oechelhaeuser, Markus Tanger, Carsten Heyn, Thomas Puppe und Micha Kreft (v.l.).  Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

 Aschermittwoch ist ein christlicher Tag und der Beginn der Fastenzeit, die bis Ostern reicht. Die Politik hat ihn auch für sich reserviert und nimmt den politischen Aschermittwoch zum Anlass, mit deftigen Reden und heftigen Attacken auf den politischen Gegner einzuschlagen. Dazu treffen sich die Parteien meistens in Bayern. Dass dies vorgestern nicht geschah, ist einem tragischen Bahnunglück geschuldet.

Nach einem deftigen Essen aller Zuschauer geht es „zur Sache“

Das Kabarett „Die Nörgelsäcke“, die einheimischen Satiriker aus Gößnitz, hatten auch einen Politischen Aschermittwoch geplant, der am vergangenen Mittwoch im voll besetzten Saal der Altenburger Brauerei im wahrsten Sinne des Wortes über die Bühne ging. Da stellte man sich schon die Frage: Was wird das sein? Nur ein Mix aus ihren zahlreichen Programmen? Oder ein für diesen Tag und dieses Thema erarbeitetes Spektakel? Ging es da nur um allgemeines Großes oder auch um aktuell Lokales?

Sie machten unter Leitung von Markus Tanger das hierfür einzig Richtige: von jedem etwas in einem langen Kabarettabend mit voller Mannschaft und einem prominenten Gast. Nach einem deftigen Essen aller Zuschauer – falls doch einige das nun anstehende Fasten geplant hatten – ging es gleich „in medias res“ mit der aktuellen Ausgabe der Osterländer Volkszeitung, aus der Markus Tanger im Ilse-Bähnert-Format die Themen für die Lokalsatiren nahm. Die Lokalpolitiker blieben ungeschoren – ein Mangel dieses Teiles – dafür ging es gleich um die Schuldenfalle hier und die neuen Glas- und Flaschencontainer in Altenburg. Da gibt es nur noch welche für die grünen und weißen. Tanger original: „Und die Frage bleibt: Wohin mit den Braunen?“

Des Oberbürgermeisters Innenstadtkonzept wird satirisch bearbeitet und in einer Extraszene die sich mehrenden leeren Geschäfte. Vorschlag der Kabarettisten: Gut gestaltete Ladenkette, in der „Nichts“ im Angebot ist, wäre immer noch besser als leerstehende Geschäfte.

Und natürlich die Flüchtlingsproblematik: In Gößnitz gibt es 14 Flüchtlinge, alles junge, gut aussehende Männer. Die passen gar nicht hierher. Dieser Anblick ist den Einwohnern schon seit langem ungewohnt und irritiert sie.

Abschiebeproblematik: Auch die Chefin des Lindenaumuseums wird abgeschoben. Aber nicht wieder nach Sachsen. Das ist ein unsicheres Herkunftsland. Für sie hat man ein sicheres Drittland gefunden: Österreich.

Das alles war ein guter Einstieg in den satirischen Kabarettabend. Das Publikum mag die lokalen Sticheleien und war voller Begeisterung dafür.

Und der Abend lebt von der Abwechslung der Themen und der kabarettistischen Vielgestaltigkeit. Für diese sorgen Thomas Puppe, Mischa Kreft, Norbert Schulz, Carsten Heyn und Markus Tanger. Und als Gast Gisela Oechelhaeuser, die ehemalige Chefin der Berliner „Distel“, die seit über 40 Jahren auf den Brettern der Kabarettbühnen steht und dabei noch lange nicht kabarettmüde geworden ist.

Ihre Vorträge sind ausgesprochen großartig. Wenn sie sich nicht gerade auf einen Stuhl zwingt, fegt sie wie ein Irrwisch über die Bühne, ständig im Kontakt mit dem Publikum und sich der Gefahr aussetzend, nicht immer vollständig verstanden zu werden. Ihre durch „Adelheid Müller“ erklärte kapitalistische Finanzökonomie durch ständiges Kaufen, was man nicht braucht, ja selbst durch Anteile erwerben an dem, was man nicht braucht, ist so schlüssig wie kabarettistisch verrückt. Einfach das große Vergnügen!

Die großen politischen Themen sind präsent. Aus Berliner Sicht durch Norbert Schulz mit geistreicher Kritik an der Gesamtpolitik: „Man fordert immer den Aufstand der Anständigen. Wir brauchen aber in Deutschland den Anstand der Zuständigen.“

Ungewöhnlicher Witz und Sprachmuster gegen Pegidabewegung

Carsten Heyns Spaziergang eines Rechten zur Verteidigung des deutschen Fleischessens, vor allem des Schweineschnitzels, gegen den zunehmenden Einfluss von Obst-, Gemüse- und Salatesser, der Salatisten nämlich mit ihrer Losung „Mango gehört zu Deutschland“ ist etwas ungewöhnlich gegen die Pegidabewegung, bietet aber einfach neue Sprachmuster.

Markus Tanger setzt den i-Punkt mit seiner Anzeige gegen die „flächendeckende Erregung öffentlichen Ärgernisses durch die Regierenden“.

Musikalisch und gesanglich wird dies alles hervorragend begleitet durch Mischa Kreft.

Der Erfolg dieser Veranstaltung empfiehlt eine Wiederholung.

Von Manfred Hainich

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