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Schweigen und Widersprüche

Schweigen und Widersprüche

Vor dem Landgericht Gera hat der Prozess gegen einen Altenburger und einen Langenleuba-Niederhainer begonnen. Dem Duo wird räuberische Erpressung, gefährliche Körperverletzung und Bedrohung vorgeworfen.

Während die beiden Angeklagten zum gestrigen Auftakt schwiegen, verstrickten sich Zeugen in Widersprüche.

 

 

 

Als Arthur K. von zwei Justizvollzugsbeamten in Handschellen in den Saal geführt wurde, gingen kurz die Pferde mit ihm durch. "Mach die Kamera aus, sonst knallt's", herrschte der 30-Jährige einen Fotografen an. "Ich hab' gesagt, es wird nicht fotografiert!" Das war allerdings das Einzige, was an diesem Tag offiziell aus dem Mund des Altenburgers drang, der bereits mehrfach strafrechtlich in Erscheinung trat und seit 10. November in Untersuchungshaft sitzt.

 

An jenem Sonnabend im Spätherbst soll er frühmorgens unter einem Vorwand zusammen mit dem fünf Jahre älteren Ronny H., der nicht vorbestraft ist und kaum eine Regung zeigte, die Wohnung von Nicolai N. in Altenburg mit der Absicht betreten haben, gewaltsam 300 Euro zu fordern. Dabei soll H. den Mieter der Wohnung mehrfach mit der Faust ins Gesicht geschlagen und, als er am Boden lag, wiederholt gegen den Oberkörper getreten haben. Währenddessen ging K. mit einem Klappmesser ins Wohnzimmer, bedrohte damit drei Bekannte des Geschädigten und forderte sie auf, Wertsachen wie Handys oder Bargeld herauszugeben, was auch geschah.

 

Danach sollen die beiden Angeklagten Nicolai N. die Nase blutig geschlagen, ihn mit dem Messer verletzt und unter Androhung weiterer Gewalt aufgefordert haben, die 300 Euro bis 9 Uhr an der Altenburger Agip-Tankstelle zu übergeben. Dazu kam es jedoch nicht, weil sie vorher festgenommen wurden.

 

Laut ärztlichem Befund erlitt der Geschädigte unter anderem Blutergüsse und Schwellungen im Gesicht und eine Rippenprellungen. Den Verdacht auf eine Mittelgesichtsfraktur konnte man weder bestätigen noch ausschließen, da der Geschädigte die notwendigen Diagnosemaßnahmen verweigerte.

 

"Ich wollte zu Hause schlafen, war geschockt", erklärte Nicolai N. auf Nachfrage des Gerichts. "Ich wollte ja nicht mal zur Polizei gehen." Ohne weiteres Zutun fügte der 26-Jährige noch hinzu: "Jeder macht mal einen Fehler, lassen Sie die Strafen für die beiden nicht zu hoch ausfallen." Wie die Angeklagten, insbesondere H., auf die 300 Euro kamen, konnte sich der Geschädigte nicht erklären. Es soll wohl um eine Garagenmiete, mit der er in Rückstand geraten war, gegangen sein.

 

Allerdings verstrickte sich Nicolai N. in Widersprüche, wie H.s Verteidiger Frank Wilhelm Drücke später feststellte. Denn anfangs sagte er, dass er mit H. kein Problem gehabt habe, später dann aber meinte er, er und seine Familie seien von H. schon einen Monat vor besagter Nacht bedroht worden. Auch zum Tathergang fand der Strafrechtler mehr als Ungereimtheiten, was ihn veranlasste zu sagen: "Für mich sind Sie der Wolf im Schafsfell."

 

Im Verlauf der Verhandlung bestätigte zudem ein weiterer Zeuge, dass der Geschädigte selbst Crystal konsumiert, für andere beschafft und möglicherweise auch mit Diebesgut gehandelt hat. Aufgrund der großen Menge an Widersprüchen und vagen Aussagen platzte dem Verteidiger beim Zeugen Thomas L. der Kragen: "Sie sind doch jetzt gerade auch verbimmelt bis unters Dach. Um das zu sehen, muss man kein Experte sein." Auf den Antrag eines Drogentests verzichtete er jedoch.

 

Der Prozess wird am 16. Mai um 9 Uhr mit Zeugenvernehmungen fortgesetzt. Dann geht es auch darum, den dritten Zeugen in N.s Wohnzimmer ausfindig zu machen. Den wollte bisher keiner mit richtigem Namen kennen.

Thomas Haegeler

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