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Schweizer Jugendchor bringt Alpenklänge nach Altenburg

Umjubeltes Konzert Schweizer Jugendchor bringt Alpenklänge nach Altenburg

Kein Platz blieb frei beim Gastspiel des MDR-Musiksommers im Altenburger Residenzschloss. Und dass sich das Kommen gelohnt hatte, bewiesen der Nationale Schweizer Jugendchor und die Hornisten des MDR-Sinfonieorchesters mit einer mitreißenden Darbietung – die auch vor den Beatles nicht Halt machte.

Großer Andrang: Bis auf den letzten Platz besetzt war der Festsaal im Altenburger Residenzschloss zum MDR-Musiksommer

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Da hat das Theater mit seinen Sommerkonzerten auf dem Altenburger Marktplatz gerade erst einen Spielzeitabschlusshöhepunkt gesetzt, schon kommt der MDR mit seinem Musiksommer und knallt eine Woche später den nächsten musikalischen Höhepunkt in die Skatstadt. Nur hat von den Einheimischen trotz Werbung in der Presse so gut wie keiner davon Notiz genommen und das musikalische Feld fast voll und ganz den Auswärtigen überlassen.

Diese strömten am vergangenen Sonntagnachmittag zuhauf in die alte Residenzstadt und besetzten den Festsaal des Schlosses bis auf den letzten Platz, um den Nationalen Schweizer Jugendchor und die Leipziger Alphornisten nicht nur zu hören sondern vor allem zu erleben.

„Alpenklänge“ war das Konzert betitelt und wer sich nicht genauer informierte, konnte meinen, da kam ein jugendlicher Heimatchor aus einem Tal der Schweizerischen Alpen mit einheimischem Liedgut und Jodlern. Weit gefehlt.

Dieser Chor vereint 45 der besten jugendlichen Sängerinnen und Sänger aus 15 Schweizerischen Kantonen und allen Sprachregionen, wurde 1994 gegründet und wird gegenwärtig von den beiden Dirigenten und Musikpädagogen Philippe Savoy und Nicolas Fink geleitet. Letzterer hat international einen guten Ruf und hat schon viele bekannte Chöre geleitet, darunter auch den Rundfunkchor des MDR, seit Jahrzehnten das Nonplusultra der europäischen Konzertchöre.

Dieser nationale Schweizer Jugendchor genießt seit Jahren hohes Ansehen unter den Experten der europäischen Chorszene. Spätestens seit 2013, als die 16- bis 26-jährigen Sängerinnen und Sänger den 2. Preis beim Internationalen Kammerchorwettbewerb in Marktobersdorf gewannen, stiegen sie in den Olymp der besten Chöre Europas auf.

Von dieser hohen künstlerischen Warte her begrüßten sie das Publikum in Altenburg und blieben auf dieser Höhe während des gesamten Konzertes. Sie verblüfften das Publikum mit einem Programm, das von der Renaissance und dem Barock über die Romantik bis zur Moderne reicht und schweizerische Volkslieder mit einschließt. Diese stilistische Vielfalt macht Erstaunen. In Heinrich Schütz’ Lied „Die Himmel rühmen die Ehre Gottes“ und in einem Lied von Johann Hermann Schein zeigen die Sängerinnen und Sänger ihren stimmlichen Wohlklang.

Das weitere Programm im ersten Teil ist äußerst anspruchsvoll. Benjamin Brittens „Cecilian-Hymne“, sein Anruf an die Göttin der Musik, verlangt den Sopranen höchste Höhen ab, in Gustav Mahlers „Urlicht“, einer A-cappella-Version des Liedes aus dem 4. Satz der 2. Sinfonie, singt der Chor mit einer stark berührenden Innerlichkeit und in des Schweizer Komponisten Frank Martins Messe für Doppelchor findet der Chor vom fast Unhörbaren der Kyrie eine ständige Steigerung bis zum beinahe unbändigen Jubel im Gloria. Das alles geschieht mit höchster Musikalität und Präzision und weist diese Messe als eines der klangschönsten geistlichen A-cappella-Chorwerke der modernen Zeit aus.

Am Anfang und am Ende dieses ersten Teils präsentierten sich die Hornisten des MDR-Sinfonieorchesters Hans-Dieter Frenzel, Thomas Schulze und Rainer Köhler mit ihren einige Ellen längeren Alphörnern in verschiedenen Ausführungen und brachten gekonnt die Alpen-Klänge, die man gemeinhin bei einem solch benannten Programm erwartet. Flachländler blasen die Klänge der Berge. Bei ihrem Stück „Echo“ positionierten sie sich an unterschiedlichen Stellen im Saal und begleiteten in einer Uraufführung von Wolfgang Sieber den Chor. Das war ein ganz großes Spektakel, das dem Publikum gefiel und es zu stürmischem Applaus herausforderte und bei dem der Chor ein einziges mal nur eine Unsicherheit zeigte.

Im zweiten Teil des Programms herrschte anspruchsvolle Lockerheit. Der musikalische Wohlklang blieb auch bei den vier Volksliedern in den vier in der Schweiz gesprochenen Sprachen erhalten sowie bei weiteren Liedern von Frank Martin, einem bekannten Spiritual und einem Potpourri von George-Gershwin- Melodien, darunter auch die „Rhapsody in Blue“. Das alles wurde choreographisch unterlegt, und die jungen Leute können sich genau so gut bewegen wie sie singen. Das war alles einfach großartig und führte am Schluss nach Zugaben zu Riesenbeifall bei Standing Ovations.

Das aber war noch nicht alles. Bis sich der übervolle Saal geleert hatte, war der Chor schon entfleucht und hatte im Schlosshof zu einer musikalischen Session Aufstellung genommen. Diese Open-Air-Version verlängerte ihren Altenburger Auftritt erheblich und brachte auch eine „Yesterday“-Adaption der Beatles – gesanglich und tänzerisch vom Feinsten.

Altenburg bleibt sicher auch im Jahr 2018 im Tourenplan des MDR-Musiksommers. Der Vorverkauf für die nächstjährige Auflage startet am 1. Januar 2018.

Von Manfred Hainich

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