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Schwer kranker Wintersdorfer hadert mit Entscheidungen der Knappschaft

Krankenkasse Schwer kranker Wintersdorfer hadert mit Entscheidungen der Knappschaft

Der Wintersdorfer Uwe Löbe liegt mit seiner Krankenkasse über Kreuz. Obwohl er schwer krank ist, wollte sie ihm das Krankengeld aufkündigen. Das ist nun erst mal vom Tisch, auch ein Untersuchungstermin durch den Sozialmedizinischen Dienst der Knappschaft ist in Aussicht gestellt. Der 50-jährige Diabetiker war im Januar am Herz operiert worden.

Uwe Löbe versteht die Welt nicht mehr.

Quelle: Frank Prenzel

Wintersdorf. Dem schwer kranken Wintersdorfer Uwe Löbe stockte das Herz, als ihn am 17. März ein knapp gehaltenes Schreiben seiner Krankenkasse erreichte. „Nach ärztlicher Ansicht besteht bei Ihnen ab 21. März 2016 wieder Arbeitsfähigkeit. Ab diesem Zeitpunkt besteht kein Anspruch auf Krankengeld mehr“, teilte ihm die Knappschaft mit und setzte ihn über sein Widerspruchsrecht ins Bild. Was den 50-Jährigen fast ebenso erzürnte: Beigefügt war eine Anlage, mit der ihm empfohlen wurde, sich am ersten Arbeitstag nach Beendigung der Arbeitsunfähigkeit arbeitslos zu melden. Wachschutz-Mann Löbe ist zwar gesundheitlich stark angeschlagen, aber nicht gekündigt.

Der Wintersdorfer erkrankte schon 1986 an Diabetes Typ 1 und vermutet eine Infektion als Auslöser. Mittlerweile spritzt er sich fünfmal am Tag Insulin. Wegen seiner Krankheit erlebte der gelernte Zerspaner im Berufsleben ein Auf und Ab. Zu DDR-Zeiten in der Maschinenfabrik Meuselwitz tätig, arbeitete er sich nach der Wende bei Penny bis zum Rositzer Marktleiter hoch, wurde aber, so erzählt er, nach längerem Kranksein 1998 entlassen. Danach verdiente er als Bauhelfer sein Geld, war arbeitslos, wurde umgeschult, um schließlich seit 2009 für eine Wachschutzfirma die Meuselwitz Guss Eisengießerei in Zwölf-Stunden-Schichten zu bewachen. Die Firma würde ihn auch weiter beschäftigten, meint der 50-Jährige.

Seine Zuckerkrankheit greift den Körper an. Als sich Löbe Anfang 2015 am Zeh stieß, wurde der schwarz und musste amputiert werden. Am 11. Dezember vorigen Jahres wurde eine Lungenentzündung diagnostiziert, weshalb ihn der Arzt umgehend ins Waldklinikum Gera schickte. Dort wurde zu allem Unglück ein versteckter Herzinfarkt festgestellt, so dass Löbe im Januar im Klinikum Bad Berka in einer vierstündigen Operation drei Bypässe und eine Herzklappe eingesetzt wurden. Es folgte bis 20. Februar eine Reha in Tabarz, berichtet er.

Vier Wochen später fühlt sich Löbe alles andere als fit für die Arbeit, zumal auch seine Nieren angegriffen sein sollen. Sein aktueller Krankenschein datierte zwar – trotz schwieriger OP – in der Tat nur bis 20. März. Doch der Wintersdorfer kann es nicht fassen, dass der Sozialmedizinsche Dienst (SMD) der Knappschaft sich ihn nicht mal angesehen hat und über sein Krankengeld nur nach Aktenlage entschieden wurde. Die 31,70 Euro pro Tag seien seine einzige Einnahme, so Löbe, seine Frau, eine Pflegehilfskraft, verdiene auch nicht viel. Löbe und sein Hausarzt, der ihn am 18. März weiter krank schrieb, legten umgehend Widerspruch ein. Darüber hinaus beantragte Löbe – wie von der Knappschaft empfohlen – Arbeitslosengeld.

Die OVZ konfrontierte Ute Müller, Leiterin des Fachteams Arbeitsunfähigkeit der Knappschaft Gera-Altenburg, mit dem Sachverhalt. Sie wies darauf hin, dass ein Widerspruch mit der Begründung des Hausarztes umgehend dem SMD in Gera vorgelegt und geprüft werde. Der SMD habe zu entscheiden, ob weiter Krankengeld gezahlt wird. Sollte es zu einer körperlichen Untersuchung kommen, dann zeitnah. „Das ist ein ganz normaler Verfahrensweg.“ Auch wenn die Krankschreibung verlängert werde, zahle die Knappschaft das Krankengeld weiter – längstens 78 Wochen bei der gleichen Krankheit. „Wir reagieren auf das, was die Mediziner sagen“, erklärt Müller das Verwaltungsprozedere. Der Versicherte solle sich am Mittwoch bei der Knappschaft erkundigen, riet Müller.

Dabei gab es den ersehnten Lichtblick für Löbe. Die Zahlung des Krankengeldes werde wieder aufgenommen, so die Botschaft der Sachbearbeiterin, die sich entschuldigt habe. Das Anraten, sich arbeitslos zu melden, gehörte offenbar nicht in Löbes Brief, „ich habe heute bei der Arbeitsagentur alles rückgängig gemacht“, sagte er am Mittwoch. Und: Im April wolle der SMD ihn begutachten.

Löbe glaubt jedoch inzwischen, dass er seinen Beruf wohl nicht mehr ausüben kann. Er hofft nun auf eine Erwerbsunfähigkeitsrente, den Antrag dazu hat er am Dienstag auf den Weg gebracht.

Von Frank Prenzel

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