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Sex mit Zwölfjähriger in Altenburg: Angeklagter muss erst später in Haft

Missbrauchs-Prozess Sex mit Zwölfjähriger in Altenburg: Angeklagter muss erst später in Haft

Wegen des dreifachen schweren sexuellen Missbrauchs einer Zwölfjährigen aus Altenburg ist ein 30-jähriger Mann aus Berlin am Donnerstag vom Landgericht Gera zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt worden. Seine Strafe muss er jedoch erst später in Berlin antreten, weshalb er das Gericht zunächst als freier Mann verließ.

Vor der Verhandlung kam Marian K. in Handschellen. Nach dem Urteil verließ er das Gericht zunächst als freier Mann.
 

Quelle: Jens Rosenkranz

Gera/Altenburg.  Es war ein Schock für die Eltern von Maria P., dem schlimme Stunden und Tage folgten, als die damals Zwölfjährige Anfang Februar 2016 ihr Herz ausschüttete. Sie sei vermutlich schwanger, habe einen 19-jährigen Freund, mit dem sie sich seit Monaten heimlich im Altenburger Hotel Astor zum Sex treffe. Schwanger war sie nicht, doch die Eltern erstatteten sofort Anzeige, und einige Tage später klickten bei Marian K. in Berlin die Handschellen.

Am Donnerstag musste sich der Mann vor dem Landgericht Gera nun verantworten. Dass er nicht 19, sondern bereits 29 Lenze zählte, war noch das geringste Übel, bei den Vorwürfen dennoch aber von Bedeutung. Marian K. wurden unter anderem dreifacher schwerer sexueller Missbrauch von Kindern und der Besitz kinderpornografischer Schriften vorgeworfen. 740 solcher Bilder und einige Videos fand die Polizei auf einem Notebook und zwei Handys, als sie am 24. Februar seine Berliner Wohnung durchsuchte.

Schlimmer aber wog das, was er dem Mädchen antat. Etwa Ende Oktober 2015 lernten sich die beiden über ein Online-Spiel kennen, bei dem man auch Nachrichten austauschen kann. Es folgten intensivere Kontakte per SMS und Telefon, bei dem das Mädchen offenbar Gefallen an dem 17 Jahre älteren Mann fand, von dem sie aber glaubte, dass er erst 19 ist. Bald schickte Marian K. auch ein Video, auf dem er sich selbst befriedigte. So etwas nennt das Gesetz dann sexuellen Missbrauch von Kindern. Zur schweren Variante kam es Anfang November 2015, als sie sich zum ersten Mal im Hotel Astor trafen. Die Initiative dazu ging allerdings von beiden aus, wie sich gestern vor Gericht herausstellte. Im Zimmer fand beidseitiger oraler Sex statt. Beim zweiten Treffen einige Zeit später kam dazu noch Geschlechtsverkehr, alles einvernehmlich. Ähnlich verlief ein drittes Treffen im Januar 2016, an gleicher Stelle.

Die Eltern dachten, dass ihre Tochter bei einer Freundin übernachtete. Kontrolliert wurde dies freilich nicht, weshalb sich der Vater nun schwere Vorwürfe macht, wie er gestern vor Gericht sagte. Und, dass sie viel reifer wirke, ihrem Alter mindestens zwei Jahre voraus sei.

Immerhin gestand Marian K. nahezu alle Anklagepunkte. Damit ersparte er seinem Opfer, selbst vor Gericht aussagen zu müssen. Der mittlerweile 30-Jährige schilderte, dass er einst als Kind selbst Opfer sexueller Übergriffe wurde, ausgeübt von seinem Großvater. Gegen ihn wird nun ebenso ermittelt. „Ich fühle mich als Jugendlicher im Körper eines Erwachsenen“, ließ der Angeklagte von seinem Anwalt verlesen, der seinem Mandanten attestierte, zurückgeblieben zu sein. Von dessen äußerer Erscheinung her vielleicht, gleichwohl zeigte sich Marian K. sprachgewandt und intelligent.

Doch reichen Geständnis, verzögerte Reife und einvernehmlicher Sex für einen minderschweren Fall aus, wie die Verteidigung meinte und deshalb eine Bewährungsstrafe forderte? Nein, sagte der Vorsitzende Richter Berndt Neidhardt. Der Schutz von Kindern stehe im Vordergrund, weil sie ihr Tun nicht überblicken, selbst wenn sie sich aktiv an sexuellen Handlungen beteiligen. Er wies auf den erheblichen Altersunterschied hin, darauf, dass der Angeklagte das Mädchen wegen seines Alters belog, dass ihm ihre Minderjährigkeit bewusst war. Und noch etwas: Marian K. war bereits im Juli 2013 zu 4000 Euro Geldstrafe verurteilt worden, ebenfalls wegen des Besitzes von Kinderpornos. Aus all diesen Gründen wurde er zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten verurteilt, so wie es auch Staatsanwaltschaft und Nebenklage forderten.

Seine Arbeit in einer Berliner Kinder- und Jugendbibliothek wird Marian K. ebenso vergessen können, wenn das Urteil bekannt wird. Vor der Verhandlung saß er in U-Haft und kam in Handschellen. Danach verließ er das Gericht als freier Mann. Seine Haftstrafe wird er später in Berlin antreten.

Von Jens Rosenkranz

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