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Schwierige Warenbeschaffung

Schwierige Warenbeschaffung

Zum 30. Mal öffnet am Wochenende in Mügeln der Weihnachtsmarkt seine Pforten. Längst stehen die Tanne und die Verkaufsstände auf dem Markt.

Mügeln.

Bei der Erstauflage am 2. Advent 1984 war das noch nicht so, wie Herbert Bäßler sich erinnert.

 

Von Bärbel Schumann

 

"Damals fand der Markt auf dem Altmarkt statt", erzählt der 80-jährige Mügelner. Gemeinsam mit Gerd Seupel, der schon verstorben ist, hatte Bäßler die Vorbereitung übernommen. "Die Idee war uns im Rahmen der 1000-Jahrfeier der Stadt im gleichen Jahr gekommen. Buden und Stadttore im Nachbau waren vorhanden. Die wollten wir nutzen und damit einen Weihnachtsmarkt in der Stadt veranstalten", blickt Bäßler zurück. Passend dazu wurde ein Märchenwald aufgebaut. Zehn bekannte Figuren fertigte die Dekorationsabteilung des Konsums extra an. Die Holztafeln stellte das Volksgut Mügeln zur Verfügung.

 

Viel schwieriger gestaltete sich, für die einzelnen Verkaufsstände Dinge zu organisieren, die zur Weihnachtszeit passten oder sonst zu den "Bück-Dich-Waren" in der DDR-Mangelwirtschaft gehörten. Gerd Seupel und Herbert Bäßler begannen früh, Firmen und Händler anzuschreiben. Sie reisten zu Herstellerfirmen, tauschten Artikel aus der hiesigen Region gegen andere, die es hier nicht gab. "Da machte sich bezahlbar, dass ich im Laufe des Jahres viele Volks- und Stadtfeste besucht habe und so die dort geknüpften Kontakte auch nutzen konnte", erzählt Herbert Bäßler schmunzelnd. So schaffte es schließlich das Organisationsduo trotz Bilanzierung alle Waren, beispielsweise 100 Paar Holzpantoffeln aus Wittenberg, 300 Päckchen Räucherkerzen aus Crottendorf, Pfefferkuchenherzen aus Frauenhain, 120 Keramiktöpfe sowie Gewürzständer aus Elstra, Kirschau und Strehla zu beschaffen. Ein Teil der Keramiktöpfe wurde in den Fleischereien noch mit Fett vor dem Verkauf gefüllt. Aus Schildau kamen von der Familie Leipnitz Erzgebirgsschnitzereien. Zwiebelzöpfe wurden aus dem thüringischen Heldrungen zum Weihnachtsmarkt gebracht. Besondere Spirituosen wurden in Zahna, Altenburg und Wilthen besorgt. Viele der Mügelner Handwerkerfirmen und Betriebe beteiligten sich ebenso am Weihnachtsmarkt. Und auch damals kamen die Weihnachtsäpfel aus Sornzig. "Für die Kinder boten wir Fahrten mit der Ponykutsche an. Unsere Lehrlinge vom Volksgut waren hier ganz aktiv eingebunden", erinnert sich der Mügelner. Für die kulturelle Umrahmung sorgten die Kemmlitzer Bergmannskapelle, Mitglieder des Altmügelner Ensembles und die Kurrende der Mügelner Kirchgemeinde. Außerdem gab es zwei Weihnachtsmänner, die die Kinder beschenkten. Einer von beiden kommt sogar heute noch zum Weihnachtsmarkt. Für die Ausgestaltung des Marktes wurden Tannenbäume gebraucht. Dafür delegierten Mügelner Firmen je einen Mitarbeiter zum Baumschlagen in der Dahlener Heide ab. So kamen schließlich 60 "Schmuckbäume" nach Mügeln.

 

"Zum Weihnachtsmarkt selbst bildeten sich nach der Eröffnung um 13 Uhr mit Musik der Kemmlitzer Musikanten Schlangen vor den Ständen, denn schnell hatte sich herum gesprochen, dass wir allerhand Besonderheiten im Angebot hatten", erzählt Herbert Bäßler. Er selbst stand damals ebenso in einem Stand und verkaufte Glühwein und andere prozentige Getränke. Viele Jahre hielt Herbert Bäßler als Akteur dann dem Weihnachtsmarkt die Treue, bis gesundheitliche Einschränkungen ihm dies nicht mehr ermöglichten. "Ich freue mich aber, dass die von uns begonnene Tradition immer noch fortgesetzt wird und viele Mügelner gern auf den Weihnachtsmarkt kommen", erklärt der Senior.

Bärbel Schumann

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