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Sechseck in Altenburg: Zwischen Verfall und Neubeginn

Sechseck in Altenburg: Zwischen Verfall und Neubeginn

Das strahlende Weiß der Fassade ist in der Käthe-Kollwitz-Straße schon von Weitem zu sehen. Einige Regale mit Blumen versprühen frühlingshaftes Flair, eine Markise und gestaltete Schaufenster laden zum Reingehen ein.

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An den Waben des Sechsecks in der Platanenstraße ist bereits viel investiert worden.

Quelle: Mario Jahn

Hier scheint die Welt in Ordnung - könnte man denken. Doch für viele Anwohner in Altenburg-Südost ist sie das nicht. Am einst so beliebten Areal zwischen Platanen-, Birken- und Pappelstraße regt sich immer wieder Kritik. Teile des Gebäudekomplexes, der wegen seiner wabenartigen Bauweise nur als Sechseck bezeichnet wird, seien ein Schandfleck, empörte sich kürzlich erst Stefan Nowak bei einer Mitgliederversammlung des Bürgervereins Südost und Dichterviertel. Dabei ist das Sechseck in den vergangenen Jahren schon erheblich aufgewertet worden.

 

Einer, der die Veränderungen intensiv verfolgt hat, ist Bernd Stein. "Vieles war einst nur ein Provisorium und ist nach der Wende einfach verfallen", erinnert sich der Inhaber des Reisebüros, das 2001 in eine der Waben eingezogen ist. "Das hat sich in der letzten Zeit um 100 Prozent verbessert. Wir haben inzwischen einen wunderbaren Zuspruch." Noch vor wenigen Jahren sei überlegt worden, ob man große Teile nicht abreißen muss.

 

Der Häuserkomplex, der in den 80er-Jahren als Kombination aus Kaufhalle, Jugendclub, Schülerspeisung und Gemüsehalle fungierte, wurde nach der Wende auf mehrere Eigentümer aufgeteilt. Nach dem Abriss und Neubau eines Teils hatte sich bereits in den 90er-Jahren ein Discounter angesiedelt. In den anderen beiden Dritteln nahm der Leerstand aber zu, Verwahrlosung und Verfall machten sich breit. Vor gut vier Jahren wurde dann der Teil, der einst der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gehörte, an eine Vermietergemeinschaft aus der Region verkauft. Seitdem ist viel Geld investiert worden. Wie viel genau, dazu will Rechtsanwalt Helge Klein, der die Investoren nach außen vertritt, keine Aussagen machen. "Aber es war wichtig, dass hier ein bunter Branchenmix einzieht."

 

Neben Friseur, Blumenladen und Reisebüro haben sich vor allem medizinische Einrichtungen in den vergangenen Jahren niedergelassen. Wer vom Reisebüro weiter vorbei am Blumenladen läuft, stößt zum Beispiel unweigerlich auf das Zentrum für Ambulante Chirurgie. Moderne Eleganz zeichnet die Innenräume aus, von DDR-Charme keine Spur. "Für uns ist das ein guter Standort, zum einen, weil es eine gute Infrastruktur gibt und alles ebenerdig ist. Zum anderen ist dies ein Stadtteilzentrum", erklärt Dr. Holger Fröhlich, warum sich die Ärzte vor vier Jahren angesiedelt haben.

 

Auf ein deutlich längeres Arbeitsleben im Sechseck blicken die Mitarbeiter des Friseurladens zurück - seit über 30 Jahren hier beheimatet. "Das ist der Mittelpunkt in Südost", sagt Mitarbeiterin Bettina Reinhard. Als richtiges Südost-Kind, wie sie sich selbst bezeichnet, liebt sie den Stadtteil und ist froh, dass im Sechseck nach wie vor viel Leben ist. Man habe hier oder in der Nähe alles, was man braucht. "Es ist ein wunderschönes Wohnen in Südost." Von ihrem Arbeitsplatz sind es aber nur ein paar Schritte bis zu jenem Teil des Sechsecks, an dem sich die Gemüter immer wieder erzürnen.

 

Schon den Waben, in denen Spielhalle und Bar untergebracht sind, ist äußerlich der nagende Zahn der Zeit anzusehen. Noch schlimmer wird es aber in der Nähe der Birkenstraße. Hier sind die Fenster mit Spanplatten vernagelt, unter dem Vordach stehen Stühle, Gerümpel und leere Flaschen. Die ehemaligen Werbetafeln erinnern daran, dass einst auch in diesem Teil das Leben pulsierte. Übriggeblieben sind nur die Getränke-Leuchtreklamen, die Buchstaben "Markt" sind längst herausgerissen.

 

Noch vor vier Jahren, als bekannt wurde, dass ein Investor in Teile des Sechsecks investiert, hatte man gehofft, dass auch der brachliegende Teil künftig entwickelt wird. "Und wir geben die Hoffnung auch noch nicht auf", so Tino Scharschmidt, Wirtschaftsförderer der Stadt Altenburg. Allerdings liege die Entscheidung, ob in das Areal investiert wird, beim privaten Eigentümer. Deshalb müssen sich die Bewohner des Stadtteils vorerst damit abfinden, dass sie weiterhin auch auf nicht so attraktive Ecken schauen. Nur ein paar Schritte weiter ist das Grau längst einem strahlendem Weiß gewichen.

Jenifer Hochhaus

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Von Redakteur Jennifer Hochhaus

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