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Altenburg Sehenswerte Eröffnungsgala macht Lust auf mehr Theater
Region Altenburg Sehenswerte Eröffnungsgala macht Lust auf mehr Theater
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00:21 21.09.2017
Furioses Finale: Intendant Kay Kuntze und Schauspieldirektor Manuel Kressin als Moderatoren des Abends (Mitte) mit dem Ensemble. Quelle: Sabina Sabovic
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Altenburg

Na, das kann ja heiter werden! In Reimform begrüßt Intendant Kay Kuntze das Publikum zur Eröffnungsgala am Sonntagabend im Landestheater und verkündet den erstaunten Zuschauern, die Moderation den gesamten Abend reimend bewältigen zu wollen. Droht jetzt über zwei Stunden lang ein nettes, womöglich aber recht schnell nervendes Kindergarten-Spaß-Niveau? Wie soll das denn zu einer großen Gala passen?

Um es vorweg zu nehmen: Es passt. Denn Kuntze und sein neuer Compagnon in Sachen Moderation, Schauspieldirektor Manuel Kressin, haben ganz schnell die Kurve gekriegt und deutlich gemacht, dass sie sich in den von ihnen höchst selbst verfassten Versen durchaus auf die Schippe nehmen können. Ein Beispiel gefällig: Auf die Aufforderung von Kuntze an Kressin „Das Reimen nicht vergessen“, antwortet dieser: „Im Schauspiel gibt es neue Fressen.“

Es ist in Summe sogar ein kleines Gag-Feuerwerk, dass die beiden Moderatoren abbrennen und damit beim Publikum im fast bis auf den letzten Platz besetzten Großen Haus einfach gute Laune verbreiten. Nichts anderes ist der Sinn dieser in den zurückliegenden Jahren stets überaus niveauvoll präsentierten Vorschau auf die neue Spielzeit: Neugier wecken und Lust möglichst auf viele Theaterbesuche machen.

Altenburg-Gera bietet dafür die Qual der Wahl. Fast die gesamte Ouvertüre von Mozarts „Entführung aus dem Serail“ wird gebraucht, um zeitgleich über die Leinwand die Titel aller Produktionen flimmern zu lassen, die es in der Spielzeit 2017/18 zu sehen gibt. Nicht alles davon ist neu, es gibt auch Übernahmen aus der Vorsaison, vor allem wenn es um Produktionen geht, die von Altenburg nach Gera wechseln und umgekehrt. Insgesamt kommt man bis zum Sommer nächsten Jahres auf stolze 950 Veranstaltungen und 23 Neuinszenierungen an Thüringens einzigem Fünf-Sparten-Haus.

Und alle fünf – Schauspiel, Puppentheater, Musiktheater, Ballett und Konzert – erhalten zur Gala die Gelegenheit, sich zu präsentieren. Das geschieht unter der Federführung von Juliane Stephan (szenischen Einrichtung), Hilke Förster (Bühne/Kostüme) und Felix Eckerle (Dramaturgie) zum großen Teil kurzweilig und anregend. Allein die Tatsache, dass alle Ausschnitte in voller Montur – also Maske und Kostüme – präsentiert werden, macht den Aufwand deutlich, der die Gala weit weg von einer reinen Nummernshow führt. Es ist zudem die Gelegenheit für viele der insgesamt 40 neuen „Fressen“ unter den insgesamt 300 Theater-Mitarbeitern, sich dem geneigten Publikum zu präsentieren. Seien es sechs der acht neuen Schauspieler, die in Vicki Baums „Menschen im Hotel“ debütieren – eine Inszenierung, die in dieser Spielzeit allerdings nur in Gera läuft – oder der lyrische, aus Ungarn stammende Tenor Janos Ocsovai, der sich mit einer Arie aus Mozarts „Entführung aus dem Serail“ empfiehlt.

Nicht in allen Kostproben ist freilich, allein schon vom Thema, die Leichtigkeit der „Gute-Laune“-Moderation wiederzufinden. Doch gleich vier Szenen aus der düsteren Puppentheater-Produktion „Verbrechen“ nach Ferdinand von Schirach sind einfach drei zu viel. Insgesamt hätte man sich mehr gewünscht von solch der genialen „Nummer“ wie die der neuen spanischen Sopranistin Miriam Zubieta: Eine Arie aus Donizettis „Don Pasquale“ singend absolviert sie im rosa Bademantel eine komplette Schönheitspflege. Sogar Generalmusikdirektor Laurent Wagner ist sich dabei nicht zu schade, ihr die Zehenspreizer überzuziehen oder später die lackierten Nägel mit einer Illustrierten wedelnd zu trocknen. Mehr lustvolle Gala geht fast nicht.

Selbstverständlich darf auch eine Szene aus dem Highlight der Saison, Andrew Lloyd Webber Musical „Sunset Boulevard“, nicht fehlen, wenngleich noch ohne seinen Star Angelika Milster. Da muss sich das Publikum bis zur Premiere am Sonntag gedulden. Beeindruckend hier wie in anderen Produktionen auch der Opernchor in der Einstudierung von Holger Krause und das Thüringische Staatsballett. Wobei letzteres natürlich auch mit eigenen Stücken aufwartet, beispielsweise mit „Dracula“. Angekündigt wie folgt: „Die Reime werden immer blöder: Inszenierung Silvana Schröder.“

Den Vogel abschossen hat einmal mehr das in Altenburg beheimatete Schauspielensemble. Allein der furiose Schlusspunkt mit dem Titel „Mich hat noch keiner beim Twist geküsst“ aus der Ruth-Brandin-Story, der als Zugabe noch einmal alle Mitwirkenden auf die Bühne holt, ist das Sahnehäubchen auf einem überaus schmackhaften Gala-Kuchen. Sehr lang anhaltender, heftiger Beifall ist der verdiente Lohn.

Von Ellen Paul

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