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Sehnen nach Regen

Sehnen nach Regen

Erst gab es viel zu viel davon, jetzt sehnen sich alle nach dem Regen. Nach knapp drei Wochen ohne einen Schauer sieht man dem Altenburger Land die Trockenzeit an.

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Verbrannte Wiese gleich neben dem Wasser: Der sonst sattgrüne Uferbereich des Kleinen Teichs in Altenburg.

Quelle: Mario Jahn

Die ersten Rasenflächen - wie beispielsweise am Kleinen Teich in Altenburg - werden gelb, in vielen Regentonnen der Kleingärtner ist der letzte Wassertropfen bereits vor Tagen verdunstet und die Gefahr von Waldbränden in Kammerforst, Leinawald und Co. steigt. Die Landwirte hingegen haben derzeit noch keine größeren Probleme.

 

"Das Gefühl, dass es schon seit Wochen nicht mehr geregnet hat, täuscht die Leute nicht. Aber ganz stimmt es auch nicht", sagt Ronald Reiß, seines Zeichens Hobby-Meteorologe. "In der ersten Juli-Woche gab es noch einen kleinen Schauer in der Region. Aber mit 0,4 Millimetern pro Quadratmeter war das kaum mehr als ein Fliegenschiss." Ansonsten sei es zurzeit sehr trocken, was zwar etwas ungewöhnlich für den Juli, aber noch nicht dramatisch ist. "Das gibt es immer mal wieder im Sommer", sagt Reiß, der seit 1978 das Wetter in der Region beobachtet.

 

Auch beim Deutschen Wetterdienst in Leipzig hat man im Juli für das Altenburger Land kaum mehr als ein paar Tropfen Niederschlag verzeichnet. "Insgesamt war es in diesem Monat bisher weniger als ein halber Liter pro Quadratmeter", sagt Meteorologe Stefan Lange. Die relativ lange Dürreperiode sei jedoch nicht sehr außergewöhnlich. "Die Trockenheit zeigt sich aber für uns Meteorologen zurzeit noch in einem anderen Punkt: Die Luftfeuchtigkeit liegt unter 50 Prozent", so der Experte, der zugleich auf die erhöhte Waldbrandgefahr hinweist. Der Deutsche Wetterdienst hat für das Altenburger Land bereits die zweithöchste Stufe der Fünfer-Skala ausgerufen.

 

Und auch das Thüringer Forstamt Weida, das für den Landkreis zuständig ist, schätzt die Gefahr als hoch ein. "Zurzeit sind wir bei der Waldbrandwarnstufe drei. Vier gibt es insgesamt", informiert Forstamtsleiter Karsten Schröder über das System der Forstleute. "Das heißt: Es gibt rund um die Uhr eine Alarmbereitschaft." Die anhaltende Trockenheit sei aber nicht nur wegen der Gefahr von Waldbränden ein Problem, auch die Bäume werden bei Wassermangel schädlingsanfälliger. Noch gebe es zwar keine gravierenden Probleme. "Aber wenn es noch drei Wochen so weitergeht, sind die Belastungen schon hoch."

 

Derweil machen sich die Landwirte noch keine größeren Sorgen. "Im Moment ist es nicht dramatisch, da kann man nichts herreden", erklärt der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Altenburger Land, Berndt Apel. Die Landwirte seien geduldig. "Aber eine gewisse Anspannung ist schon da." Das gilt vor allem in Hinblick auf Weizen und Mais. "Da hat die lange Trockenheit keinen positiven Einfluss, weil beide Kulturen Wärme und Regen brauchen", so Apel weiter. "Aber wir hoffen, dass alles gut geht."

 

Dass der Wasserverbrauch steigen wird, wenn es in nächster Zeit nicht vom Himmel prasselt, damit rechnet auch die Energie- und Wasserversorgung Altenburg (Ewa). "Wenn die Reserven in den Gärten weg sind, dann kann es einen leichten Anstieg geben", sagt Pressesprecherin Carola Blümel. Ob der Verbrauch bereits angestiegen ist, kann die Ewa allerdings noch nicht sagen, da die Daten für den Juli erst am Ende des Monats vorliegen.

 

Noch gibt es das eine oder andere Wasserdepot in den Kleingärten im Altenburger Land - zumindest, wenn man ordentlich vorgesorgt hat. So wie Stefan Nowak, Spartenchef der Anlage Am Waldessaum: Von den gewaltigen 10 000 Litern, die er in seinen drei Gärten sammelt, sind noch 2000 übrig. "Die Vorräte gehen also langsam zur Neige." Deshalb überlegt der Kleingärtner wie viele in seiner Anlage jetzt genau, was er gießt. "Der Rasen wird nicht mehr gesprengt, dafür ist das Wasser zu kostbar", erklärt Nowak, der auch nicht den Hahn aufdrehen möchte. "Das ist zum einen Wasserverschwendung, zum anderen auch eine Kostenfrage." Dennoch: Bei Gemüse- und Obstpflanzen könnten die Laubenpieper häufig nicht darauf verzichten, die Gießkanne herauszuholen. "Ob es zu Ernteausfällen kommt, wird man aber erst in ein paar Wochen abschätzen können."

 

Dem stimmt Wolfgang Preuß zu. "Bei den Kartoffeln sieht es schlecht aus. Die brauchen die Juli-Niederschläge. Und wenn es so weiter geht, wird sich auch bei den Sauerkirschen der Wassermangel zeigen", sagt der Vorsitzende des Regionalverbandes der Kleingärtner. Er weiß, dass in vielen Gärten die Regentonnen schon längst leer sind, und hat noch einen Tipp für alle: "Es hilft nur hacken, hacken, hacken." Dadurch werde die letzte Restfeuchtigkeit der Erde nach oben befördert. "Aber natürlich sehnen wir den Regen herbei - gerade für unsere Gärten."

 

Doch bis es wieder vom Himmel plätschert, müssen sich die Gärtner noch etwas gedulden. Heute und morgen erwartet Stefan Lange vom Deutschen Wetterdienst zwar örtliche Gewitter und Schauer im Altenburger Land. "Aber die werden gering sein. Der praktische Thüringer Landregen ist zurzeit nicht in Sicht."

Jenifer Hochhaus und Thomas Hae

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