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Altenburg Sensationeller Spielkartenfund im Altenburger Schloss
Region Altenburg Sensationeller Spielkartenfund im Altenburger Schloss
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17:17 15.04.2016
Im Schutt der Baustelle der neuen Kartenmacherwerkstatt des Altenburger Schlossmuseums finden sich Teile historischer Spielkarten, die wahrscheinlich aus dem 17. Jahrhundert stammen. Quelle: Foto: Schlossmuseum
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Altenburg

Ein gutes Omen? Vielleicht. In jedem Fall aber ist es bemerkenswert und bezeichnend, wenn ausgerechnet beim Bau einer neuen Kartenmacherwerkstatt Spielkarten vergangener Zeiten aus dem Schutt gezogen werden. Möglicherweise sind die jüngst im Altenburger Residenzschloss entdeckten Zeugen der Geschichte ja ein Zeichen des Erfolgs für den zukünftigen Betrieb des neuen Angebots im Schloss- und Spielkartenmuseum. Ganz sicher aber bereichern sie die Sammlung an Exponaten.

Eigentlich wollte der Arbeiter den mit Abraum gefüllten Eimer gerade in den großen Container kippen, als er seinen Blick zufällig noch einmal über den vermeintlichen Abfall schweifen ließ. Dabei fielen ihm schließlich kleine Papierstreifen auf, die sich zwischen dem feinen Geröll befanden. Beim genaueren Hinsehen erkannte er darauf gemalte schwarze Kreuze und rote Karos – eindeutig Schnipsel von Spielkarten mit französischem Bild.

Spielkarten wurden offenbar in den Fußboden eingelegt

Die Fundstücke übergab der Bauarbeiter sogleich dem für die Spielkarten und die neue Kartenmacherwerkstatt zuständigen Mitarbeiter des Museums, Florian Voß. Der wiederum war sofort begeistert und geriet ins Schwärmen. Denn die insgesamt 13 Fragmente sind in verhältnismäßig gutem Zustand und lassen sich wahrscheinlich dem 17. Jahrhundert zuordnen.

„Der Raum, in dem die Karten gefunden wurden, stammt aus der barocken Umbauphase zwischen 1706 und 1712, in der der Eingangsbereich, das Corps de logis, neu gestaltet wurde“, erklärt der 27-Jährige und fügt hinzu, dass das der Abdruck eines Holzmodells ist und nach aller Wahrscheinlichkeit einem Bild von 1670 ähnelt. „Die Arbeiter haben auch zwei Figurenkarten gefunden. Und diejenige mit dem ‚König‘ lässt sich gut vergleichen, was beispielsweise die Krone und das Zepter betrifft“, meint der Museumsassistent.

Unklar ist allerdings, wie die Karten dorthin kamen. „Es ist ein nicht ganz unspektakulärer Fund“, sagte Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) bei der öffentlichen Präsentation der Neuigkeit. Offenbar seien die Spielkarten mit in den Fußboden eingelegt worden. „Ich weiß aber nicht, ob sie dort versteckt, aufbewahrt oder als Erinnerung beim Bau beigelegt wurden.“

Untersuchungen sollen folgen

Etwas auf die Euphoriebremse tritt dagegen Renate Reinhold. Es sei nicht selten, dass Spielkarten in Aufschüttungen gefunden würden, erklärte die langjährige Betreuerin der Kartensammlung im Schlossmuseum, die als pensionierte Expertin dennoch regelmäßig den Bestand prüft. „Manchmal sind die Karten versehentlich in den Schutt geraten, manchmal aber auch absichtlich“, so die ehemalige Mitarbeiterin, bei der sich Florian Voß sogleich nach den Fundstücken erkundigte. Genaueres kann aber erst nach eingehenden Untersuchungen gesagt werden, die nun in der Folge anstehen.

Die Bauarbeiten in der neuen Druckwerkstatt gehen derweil weiter. Schließlich will man im Sommer dieses Jahres öffnen. In unmittelbarer Nähe der historisch bedeutsamen Kartensammlung soll dann der Prozess der Kartenherstellung, die ja bereits auf eine über 500 Jahre währende Tradition in Altenburg zurückblicken kann, unmittelbar erlebbar gemacht werden. Anpacken, mitmachen, kreativ und produktiv sein, heißt es dann für jedermann. Schließlich können die Besucher beim Schaudrucken dabei sein und Druckerschwärze schnuppern oder selbst entworfene Kartenspiele erschaffen. Mittels Hoch- und Tiefdruckpressen begeben sich die Besucher auf die Spuren der einstigen Kartenmacher.

Bis dahin muss aber noch eine Menge getan werden. Aber immer schön vorsichtig. Denn man bewegt sich auf historischen Boden. Und der ist bekanntermaßen immer für Überraschungen gut.

Von Anja Macheleid und Thomas Haegeler

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