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Altenburg Sensen-Profis suchen in Rositz ihre Meister
Region Altenburg Sensen-Profis suchen in Rositz ihre Meister
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18:16 06.05.2018
24 Quadratmeter in knapp vier Minuten: Aline Albrecht aus Sommeritz bei Schmölln ist alte und neue Thüringenmeisterin im Mähen mit der Hand. Quelle: Mario Jahn
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Rositz

Mähdrescher, die computergesteuert alleinfahrend riesige Schläge auf den Zentimeter genau in wenigen Stunden abernten, das ist inzwischen Normalität in der Landwirtschaft. Dabei ist es nicht einmal einen Wimpernschlag der Geschichte her, als Ernte harte körperliche Handarbeit bedeutete. Noch in den Nachkriegsjahren war es die Regel, dass Heu oder Getreide vielerorts mit der Hand gemäht wurde. Ganz traditionell wie schon Generation zu vor.

Mit mächtigen Klingen ging es auf der Bauhofwiese in Rositz zur Sache. Quelle: Mario Jahn

Die Futterschroter des Altenburger Landes, der Heimatverein Rositz und auch die Gemeinde fühlen sich bekanntermaßen dem Erhalt ländlicher Traditionen ganz besonders verpflichtet. Dazu gehört auch alle zwei Jahre, immer im Wechsel mit Reinstädt im Saale-Holzland-Kreis, das Ausrichten der Thüringer Sensenmeisterschaften. Die 15. Auflage des Wettmähens fand wieder im Altenburger Land statt. Mit über 40 Startern – Kinder, Frauen und Männer – knüpfte das Organisatorenteam um Chef-Futterschroter Karl Heymann an die Wettbewerbe der Vorjahre an. „Wir hatten sogar fünf Kurzentschlossene, die sich erst kurz vor dem Wettkampf angemeldet haben“, berichtete Heymann mehr als zufrieden.

Sicher hatte daran auch das schöne Frühsommerwetter eine Aktie. Doch das Sensen erfahre neuerdings eine Renaissance, berichtet Klaus Hofmann. Er ist Sensenlehrer und war mit seinem Know-how, Materialien und Sensenzubehör aus dem Landkreis Greiz nach Rositz gekommen. Gern plauderte er mit den Neugierigen an seinem Stand über die Sensenherstellung, das Schärfen und seine Kursteilnehmer. „Meine Sensenkurse sind immer gut besucht“, erzählte der Langenwetzendorfer, der sich 2012 in Österreich zum Sensenlehrer hat ausbilden lassen. Viele Leute würden heutzutage das Sensen wieder für sich entdecken, weil sie zum einen darin einen bewegungsreichen Ausgleich zur Arbeit im Büro sehen. Aber zum anderen auch, weil sie von tosenden Maschinen genug haben und wieder leise auf ihren Grundstücken arbeiten wollen.

Bei den Sensenmeisterschaften mangelte es nicht an Publikum. Quelle: Mario Jahn

Allerdings: An Entspannung war beim Wettkampf am Sonntag nicht zu denken. Sabine Kobner war nach ihrem Einsatz ganz außer Atem. Für die Wettkampffläche, diesmal bei Frauen, Kindern und über 60-Jährigen auf vier mal sechs Meter verkleinert, hatte sie 5,55 Minuten gebraucht. Wenn sie zu Hause die Sense schwingt, dann sei es eher wie Marathonlaufen – die Teilnahme an den Meisterschaften hingegen sei wie ein 100-Meter-Sprint. Diesen schaffte die alte und neue Thüringen-Meisterin, Aline Albrecht, sogar in nur 3,52 Minuten. Doch nicht allein Schnelligkeit entschied über den Sieg. Strafsekunden gab es für eine unsaubere Mahd oder nicht gerade liegende Schwade. Besser als die Sommeritzerin war unter den Frauen nur noch Jana Schmidt mit 2,45 Minuten, die allerdings zu den Starterinnen aus dem Nachbarland zählte und deshalb Sachsenmeisterin geworden ist.

Neben Frauen kämpften auch drei Kinder bis 14 Jahre um den Sieg, den Dustin Hellwig holte. Bei den über 60-Jährigen gewann mit 2,04 Minuten Klaus Hofmann, der Sensenlehrer. Den ersten Platz in der Königsdisziplin, dem Wettmähen der Männer auf 6 mal 10 Metern, machte André Schneider aus Reinstädt in 2,22 Minuten für sich klar.

Volksfeststimmung gehört dazu

Sensenmeisterschaft heißt in Rositz auch immer Volksfest-Atmosphäre. Diese verbreiteten unter anderem das Luckaer Jugendblasorchester, die Tanzgruppen des Karnevalclubs und die kleine Technikschau. „Meine Enkelin hat gesagt, das werde heute ihr schönster Tag“, erzählte Besucherin Sylvia Dahl lachend, während sich die vierjährige Sina eine Wurst schmecken ließ. Die Sensen-Gaudi macht eben auch beim Zuschauen Spaß.

Von Jörg Reuter

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