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Sieben Schauspieler und ein Direktor sagen: Tschüss Altenburg

Resümee Sieben Schauspieler und ein Direktor sagen: Tschüss Altenburg

In wenigen Tagen ist sie vorbei – die Spielzeit 2016/2017 am Altenburg-Geraer Theater. Es heißt also Abschied zu nehmen von tollen Inszenierungen, ergreifenden Stücken, vor allem aber von zahlreichen Akteuren. So verlässt beinahe die Hälfte des in Altenburg beheimateten Schauspielensembles die Ostthüringer Bühne. In der OVZ ziehen sie ein persönliches Resümee.

Winke, winke Altenburg: Die Schauspieler Anne Diemer, Ulrich Milde, Katerina Papandreou und Öykü Oktay (vorn von links) sowie Ouelgo Téné, Christiane Nothofer, Philipp Reinheimer und Schauspieldirektor Bernhard Stengele (hinten von links) beenden ihr Engagement.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. In wenigen Tagen ist sie vorbei – die Spielzeit 2016/2017 am Altenburg-Geraer Theater. Es heißt also Abschied zu nehmen von tollen Inszenierungen, ergreifenden Stücken, vor allem aber von zahlreichen Akteuren. So verlässt beinahe die Hälfte des in Altenburg beheimateten Schauspielensembles die Ostthüringer Bühne, bekanntlich auch sein Direktor Bernhard Stengele. Die OVZ bat sie alle zu einer abschließenden Gesprächsrunde: Was wird von Altenburg und seinem Theater in Erinnerung bleiben? Was hat Sie hier am meisten beeindruckt? Was war Ihre schönste Rolle oder Inszenierung? Wo zieht es Sie hin? Ein Überblick von Ellen Paul:

Bernhard Stengele (54):

Das Beeindruckendste für mich war die Freiheit, die ich an diesem Theater erhalten habe. Ich glaube, dieselben Gedanken für meine Projekte und Inszenierungen wären mir woanders nicht gekommen. Und das Publikum hat uns auf erstaunliche Weise machen lassen, ist jedes Experiment mitgegangen. Es fällt mir deshalb außerordentlich schwer, eine Inszenierung hervorzuheben. Es waren so viele tolle und wichtige Produktionen. Haften bleiben wahrscheinlich „Die im Dunkeln“ gleich zu Beginn und jetzt zum Schluss „Cohn Bucky Levy“, weil sie ähnlich berührend für die Skatstädter waren. Was ich künftig mache, weiß ich noch nicht. Ich habe kein heißes Eisen im Feuer, auch kein kaltes. Jetzt geht es erst einmal für ein paar Wochen nach Überlingen, wo wir mit unserer Inszenierung „So machen’s alle“ vertreten sind.

Katerina Papandreou (28):

Ich hatte gleich von Anfang an, als ich 2014 für die „Frauen von Troja“ noch als Gast am Theater war, das Gefühl, hier eine Heimat finden zu können. Vor allem im Schauspiel sind wir eine Art Familie geworden, in der wir uns achten und wertschätzen. Ich bin super dankbar für die Unterstützung. Ohne die Kollegen hätte ich nie in so schneller Zeit deutsch gelernt und die „Jungfrau von Orleans“, meine wichtigste Rolle, spielen können. Einen besonderen Platz in meinem Herzen behalten die internationalen Produktionen wie die „Die Schutzlosen“. Mein Wunsch war es, in Deutschland zu bleiben. Das hat funktioniert, ich gehe nach Stuttgart an eine freie Bühne.

Christiane Nothofer (37):

Als ich erstmals in Altenburg ankam, war Mitternacht. Ich fand das Theater bei diesem ersten Anblick gleich wunderschön. Für mich bleibt der extreme Zusammenhalt im Ensemble in Erinnerung, den ich vorher so noch nicht erlebt habe. Ich bin im Ausland aufgewachsen und habe gedacht, jetzt als Schauspielerin bleibst du sicher in Deutschland. Dass es durch die internationalen Produktionen ganz anders war, ist einfach toll. Meine schönste und wichtigste Rolle war in solch einer, die Franziska Levy in „Cohn Bucky Levy – der Verlust“. Jetzt gehe ich erst einmal als Sprecherin zum Deutschlandfunk nach Köln, was ich bisher schon nebenbei gemacht habe. Aber die Schauspielerei möchte ich dennoch nicht aufgeben.

Öykü Oktay (28):

Für mich ist es einfach unglaublich, dass in solch einer kleinen Stadt eine solch tolle Arbeit an einem Theater geleistet wird. Einfach unfassbar. Es ist wunderschön für mich, aber zugleich ein Unglück. Denn es war mein ersten Engagement überhaupt und ich weiß nicht, ob es so toll weitergeht. Weil ich trotz der kurzen Zeit in Altenburg seit Januar 2016 die Heimat vermisst habe, gehe ich zurück nach Istanbul. Schön, dass ich aber für „Aladin und die Wunderlampe“ und „Endstation Sehnsucht“ als Gast weiter hier verpflichtet bin, also ab und an wiederkomme.

Anne Diemer (35):

Altenburg war für fünf Jahre mein Zuhause – emotional, aber auch künstlerisch. So wie ich Theater in dieser Zeit gemacht habe, habe ich mir Theater vorgestellt. Ich war noch nie so international unterwegs wie von Altenburg aus, durch die verschiedenen Rollen, die ich hier spielen durfte. „Endstation Sehnsucht“ war dabei die größte Herausforderung, aber auch „Effi Briest“ oder meine Rolle im „Barbarossa“ sind für mich unvergessen. Ich werde das alles in wärmster Erinnerung behalten und ich hoffe, dass auch wir Kollegen uns verbunden bleiben. Wo es mich künftig hintreibt, steht noch nicht fest. Jetzt habe ich erst einmal ein paar Gastspiele, unter anderem am Nationaltheater Mannheim.

Philipp Reinheimer (35):

Mein 2012 begonnenes Engagement hat zwar schon vor einem Jahr offiziell geendet, aber so richtig Schluss ist erst jetzt. Unter anderem durch den „Barbarossa“ hat es mich immer mal wieder hierher verschlagen. Ich bin hier reich mit guten Rollen beschenkt worden, wenn ich nur an „Kasimir und Karoline“, „Tod eines Handlungsreisenden“ oder „Bluthochzeit“ denke. Seit einem Jahr bin ich als Freiberufler tätig, und ich bekenne: Mir fehlt die Arbeit mit Bernhard Stengele sehr und auch Altenburg. Ich durfte hier viele interessante Menschen kennenlernen und habe eine ganz große Vertrautheit erleben dürfen.

Ulrich Milde (will sein Alter nicht nennen):

Für mich geht nicht nur eine Spielzeit und das Engagement am Altenburg-Geraer Theater zu Ende, sondern auch mein Berufsleben. 1976 habe ich als junger Schauspieler in Gera angefangen und bin 41 Jahre geblieben. Ich habe in dieser Zeit die unterschiedlichsten Leiter und Ensembles erlebt und muss sagen, dass ich über die letzten fünf Jahre sehr glücklich bin. Auch wenn es nicht mit einer eigenen Inszenierung geklappt hat, habe ich dennoch viele schöne Aufgaben bekommen. „Die im Dunkeln“, „Tod eines Handlungsreisenden“ und (lacht) nicht zu vergessen „Zwei Männer ganz nackt“. Aufs Altenteil gehe ich aber nicht.

Ouelgo Téné (32):

Der Schauspieler war nach den Rassismus-Vorwürfen deutschlandweit in die Schlagzeilen gekommen. Seit geraumer Zeit verweigert er deswegen jedes Gespräch mit den Medien. Deshalb kam er zwar zum Fototermin, nicht aber zur Gesprächsrunde. Er wird vielen Altenburger dennoch mit seine Rollen in Erinnerung bleiben.

1984 in Burkina Faso geboren, kam er 2012 ans Altenburg-Geraer Theater. Er folgte Schauspieldirektor Bernhard Stengele, der seine in Würzburg begonnene Zusammenarbeit mit dem Theater in Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, hier fortsetzen wollte. In den afrikanischen Märchen „Ayana Rabenschwester“ und „Die Zaubertrommel“ zur Weihnachtszeit eroberte Ouelgo die Herzen nicht nur Tausender Kinder. Das jugendliche Publikum lernte ihn im Klassenzimmerstück „Freitag & Robinson“, das über 150 Mal gespielt werden konnte, kennen. Seine anspruchsvollsten Rollen waren der Puck in Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“, Eilif in Brechts „Mutter Courage“ und zuletzt Zuckmayers „Der Hauptmann von Köpenick“. Dem Vernehmen nach geht Téné in die Schweiz.

Von Ellen Paul

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