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Altenburg Skatstadtmarathon-Macher sprechen vor der 10. Ausgabe über „Hang zur Perfektion“
Region Altenburg Skatstadtmarathon-Macher sprechen vor der 10. Ausgabe über „Hang zur Perfektion“
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00:20 05.06.2018
Anlässlich des 10. Skatstadtmarathons am 9. Juni blickt Sprecher Helmut Nitschke zurück – und nach vorn. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Beim 10. Skatstadtmarathon am 9. Juni erfüllt sich Sprecher Helmut Nitschke einen Traum und läuft die 42,195 Kilometer selbst. Deswegen müssen die acht anderen Organisatoren im Team des Kanu- und Laufvereins Altenburg-Windischleuba seinen Job am Lauftag mitmachen. Grund genug, mit dem 64-Jährigen über seine persönlichen Ziele zu sprechen und im Namen des Teams, zu dem Andreas Pautzsch, Jens Hauser, Jürgen Ronneburger, Heiko Krahnert, Frank Jahn, Skadi Schädlich sowie Monika und Ulf Pohling gehören, einen Blick zurück und nach vorn zu werfen.

Was haben Sie sich für Ihren Marathonlauf am 9. Juni vorgenommen?

Ich möchte vor dem Start der 13,3 Kilometer in die zweite Runde gehen, dann gesund und mit einem Lächeln im Gesicht mindestens zehn Meter vor der Besenläuferin auf die Zielgerade einlaufen und den Augenblick genießen.

Was macht für Sie die Faszination am Laufen aus?

Das Laufen ist Hobby und Bestandteil einer gesunden Lebensweise zugleich und fördert Disziplin, Willensstärke und positives Denken. Es ist nur manchmal schwierig, die richtige Dosierung zu finden. Langstreckenlauf ist in der Vorbereitung sehr zeitintensiv und erfordert deshalb ein Höchstmaß an Fingerspitzengefühl in der Trainingsplanung. Die Familie, der Job, Freunde und Freizeit sollten dabei nicht hinten runterrutschen. Alles sollte im Einklang miteinander stehen. Denn auf diese unfassbaren Glücksgefühle, die man durchlebt, wenn man am Kilometer 35 oder 40 spürt, dass man es wieder schafft – verbunden mit einem emotionalen Zieleinlauf, auf diesen „Tanz der Endorphine“ möchte ich nicht verzichten.

Wie und wann kamen Sie eigentlich zum Skatstadtmarathon?

Ich habe aus der OVZ erfahren, dass vier Marathonläufer (Michael Blacher, Andreas Pautzsch, Frank Karsupke, Ingo Sander – Anm. d. Verf.) planen, 2009 in Altenburg erst- und einmalig einen Marathon zu organisieren. Ich war sofort total begeistert und habe meine Unterstützung angeboten. Ich kannte zu diesem Zeitpunkt keinen der vier „Laufverrückten“, aber meine permanenten Nachfragen führten jedenfalls dazu, dass ich ab Herbst 2008 im Organisationsteam mitmischen durfte. Einige sagen, ich hätte wohl genervt.

Waren die Anfangsjahre schwieriger oder leichter als jetzt?

Man kann die Zeiten nicht vergleichen. In den ersten Jahren war unser Problem, dass wir keine richtige Ahnung und schon gar keine Erfahrung hatten. Wir hatten lediglich unser Herzblut und unsere Eindrücke von anderen Laufveranstaltungen. Aber wir hatten Glück mit Partnern, Sponsoren und verständnisvollen Läufern. Doch der Einsteigerbonus war irgendwann vorbei, unsere Ansprüche wuchsen und natürlich auch die unserer Starter. Der ungebremste Hang zur Perfektion ist nun unsere selbst auferlegte Herausforderung. Nicht nur deshalb, sondern auch weil die Organisation immer detaillierter, umfassender und hochwertiger wurde, haben wir nach dem Ausscheiden von Ingo Sander, Frank Karsupke und Michael Blacher das Team verstärkt. Die Arbeit, die sich inzwischen über das ganze Jahr verteilt, hat sich stark verändert.

Was ist der größte Erfolg des Skatstadtmarathons?

Dass sich durch unsere Veranstaltung das gesamte Altenburger Land mehr bewegt, als vor zehn Jahren. Es ist ein sehr schönes Gefühl, miterleben zu können, wie die Zahl der nun regelmäßig laufenden Personen ständig zunimmt. Besonders an den Wochenenden unmittelbar vor dem Skatstadtmarathon kann man das auf den Originalstrecken ganz deutlich feststellen.

Was war die größte Pleite, die sie lieber vergessen möchten?

Eine solche Pleite gab es nicht. Aber es gab Ereignisse, die uns kurzzeitig in die Schnappatmung versetzt haben. Ich erinnere mich an die erste Veranstaltung, als die Ausgabe der Startnummern beginnen sollte, aber keine Startnummern da waren. Aufregend war auch, als zum Startschuss der 400 Meter gleich noch 500 Kinder über 3,6 Kilometer mit losgelaufen sind. Es war nicht einfach, diese „Herde“ wieder einzufangen, ohne dass Chaos entsteht. Wir konnten auch nur den Kopf schütteln, als einmal in der Nacht vor dem Lauf einige „ganz Schlaue“ die Pfeile der Streckenmarkierung verdreht hatten. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn es die Leute von der Strecke nicht rechtzeitig gemerkt hätten.

Stand der Skatstadtmarathon jemals ernsthaft auf der Kippe?

Beim Hochwasser 2013. Hunderte Bürger das Altenburger Landes kämpften um ihr Hab und Gut – und wir wollten laufen. Passt das zusammen? Nach Abstimmung mit dem Krisenstab und dem OB haben wir uns für eine Durchführung entschieden. Wir haben den Skatstadtmarathon mit einer Spendenaktion zu Gunsten der Hochwassergeschädigten gekoppelt, und beides wurde zu einem vollen Erfolg.

Haben Sie jemals zu träumen gewagt, dass es mal 4000 oder mehr Starter werden?

Wir waren uns schon ziemlich sicher, dass wir diese Teilnehmerzahl einmal erreichen werden. Es ist, schon aus Gründen der Sicherheit, auch unsere Aufgabe, regelmäßig zu überprüfen, wie viele Teilnehmer der Start-Ziel-Bereich und die Strecke vertragen. Wir sind noch nicht am Limit, aber irgendwann, wenn wir weiter kontinuierlich wachsen, werden wir bestimmte Sachen überdenken müssen.

Angesichts des Alters der meisten Organisatoren: Wie bereiten Sie den Übergang vor – oder droht die Veranstaltung gar zu sterben?

Wir beschäftigen uns auch mit diesem Thema, aber nicht bei jeder Zusammenkunft. Denn zum einen kann man auch mit Mitte 60 für die Organisation einer Veranstaltung noch ganz nützlich sein, und zum anderen ist ja gut die Hälfte der Teammitglieder im besten „Mittelalter“. Das allein würde die Veranstaltung schon für die nächsten 20 Jahre absichern. Aber ganz klar ist auch, dass in den nächsten Jahren junge „Laufverrückte“ ins Team aufgenommen werden. Klar ist auch, dass sie mit ihren Ideen die Veranstaltung verändern werden. Wünschen würde ich mir jedoch, dass der Skatstadtmarathon sein Herz und seine Seele dabei nicht verliert.

Von Thomas Haegeler

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