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Altenburg Soiree gibt Einblick in die „Ruth-Brandin-Story“
Region Altenburg Soiree gibt Einblick in die „Ruth-Brandin-Story“
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13:11 11.03.2018
Gaben vorab einen Einblick in die „Ruth-Brandin-Story“: Die Darsteller Alexandra Sagurna, Thomas C. Zinke und Dramaturgin Svea Haugwitz (v.l.). Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Der Modetanz Twist und selbst Schlagerstar Ruth Brandin dürften eigentlich nur noch den älteren Generationen bekannt sein. Insofern war eine Soiree eine Woche vor der Premiere für alle Publikumsschichten nützlich, um mehr zur Genese der kommenden Uraufführung am Landestheater zu erfahren.

Begrüßt wurde die interessierte Zuhörerschaft vom Faktotum der Handlung (Alexandra Sagurna) mit einem fröhlichen „Sind Sie bereit?“. Schließlich soll das Publikum in eine bunte Welt der vergangenen Zeiten voller lebendiger Tänze wie Twist und Lipsi und schönen Herz-Schmerz-Schlagern entführt werden. Alles nur Show? Schnell wurde klar, dass diese eine mit Tiefgang sein wird.

Weder Revoluzzerin noch Heldin

Für die beiden hauseigenen Autoren, Schauspieldirektor Manuel Kressin und Dramaturgin Svea Haugwitz, geht es in ihrem Konzept um Aufarbeitung der DDR-Geschichte. Dabei sollte einem Lebensgefühl, einer Biografie nachgespürt werden und keine Dokumentation entstehen. Für Kressin war ein Beitrag des MDR zu Ruth Brandin der Ideenzünder. Man suchte den Kontakt zu derselben, die bald dankbar war, dass nach manchen Enttäuschungen mit anderen Medien ihr Leben wiedergegeben werden soll.

Schließlich war sie keine Revoluzzerin oder gar Heldin, die dadurch ins Visier der Staatssicherheit geriet. Dennoch stand sie unter Beobachtung und ihre Weigerung zur Zusammenarbeit brachte das Ende ihrer Karriere. Nun freut sie sich auf die Premiere, bescheinigte der Darstellerin ihrer selbst (Michaela Dazian) per Hörprobe die passende gute Stimme.

Schauspiel-Revue mit Überhöhungen

Bereits im Vorfeld war es für Manuel Kressin klar, dass er als Westberliner nicht selbst inszenieren würde. Er gewann dafür die ihm aus Eislebener Zeit vertraute Martina Bode mit eigener DDR-Vergangenheit. Diese räumte im Gespräch mit Svea Haugwitz ein, bei der Regiearbeit Erinnerungen an ihr eigenes Erleben mit Angleichung und Zweigleisigkeit, im Engegefühl, aber auch dem Genießen des Zusammenhalts gespürt zu haben. Für sie und die Autoren stand die Entscheidung, den Stoff als Schauspiel-Revue mit Überhöhungen umzusetzen, nach etlichen Überlegungen fest.

Bode hat für die Gestaltung des Bühnenbildes und der Kostüme den ihr ebenfalls vertrauten Peer Palmowski ausgewählt. Er versetzt das Spiel in Brandins ehemalige Wirkungsstätte, das denkmalgeschützte Funkhaus in Berlin mit seiner leicht angestaubten Architektur. Im dreidimensionalen Raum wird dabei als Herzstück die Aktenlagerung der Staatssicherheit erlebbar. Bei den Kostümen hält er sich weitgehend an die Originale mit synthetischen Stoffen und der Modemarke Präsent 20.

Protokolle des Banalen

Als Spezial-Gast der Soiree begrüßte Moderatorin Svea Haugwitz mit Dr. Matthias Braun einen Vertreter der Forschungsstelle des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR. Er vermittelte den Gästen Einblicke in Methoden und Potenziale des Geheimdienstes. Laut Braun stand die Kultur im besonderen Fadenkreuz. Künstler wichen mit ihrer Lebensweise vom „normalen“ Leben eines Werktätigen ab, hielten sich kaum an die zehn Gebote des sozialistischen Lebens.

Als eventuelle Reisekader konnten sie Kontakte zu vermutlichen Feinden aufnehmen oder gar Republikflucht planen. So wurde zum Teil ganz Absurdes, auch Delikates registriert. Die Akte Brandin beinhaltete etwa, dass sie ihr Treppenhaus unregelmäßig wischte, erst um 11 Uhr aufstand und im Irak mit Kommunistenhassern Bars besuchte.

Der Stasi-Papagei

Einen Mitarbeiter der Stasi verkörpert in der Handlung der Papagei, dessen Darstellung Thomas C. Zinke übernimmt. Ein Papagei mit seinem Plappern ist eigentlich der Gegenpol des Geheimen. Hier wird die angestrebte Überhöhung am deutlichsten. Seiner eigenen Maxime folgend, widmete sich Zinke der Rolle mit voller Überzeugung, um das Maximum aus seinem Spiel herauszuholen.

In bewährter Weise wird das Musikalische in den Händen von Schauspiel-Kapellmeister Olav Kröger liegen. Er wird eine kleine Combo mit Big-Band-Sound leiten sowie eigene Arrangements einbringen. Mit Zustimmung von Brandin erfolgten so ausdrücklich keine reine Kopien der Schlager.

Liedermacher im Fokus

Für die Besucher der Soiree ergaben sich zudem erste Einblicke in die Wanderausstellung des Martin-Luther-King-Zentrums für Gewaltfreiheit und Zivilcourage „Sanfte Töne, starke Worte“ zu kritischen Liedermachern in der DDR, die bis zum 9. März im Rangfoyer des Theaters zu sehen sein wird. Dort begegnet man per Bild und vielleicht zu viel Text unter anderen Wolf Biermann, Manfred Krug und Reinhard Lakomy.

Die Soiree, die vom Altenburger Theaterverein begleitet wurde, machte deutlich, dass ein sehr vielschichtiger Theaterabend bevorsteht. Er ermöglicht einerseits das Kennenlernen der DDR-Geschichte im Kultursektor, andererseits das Erinnern und eigenes Reflektieren.

Von Frieder Krause

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