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Altenburg Sojka: Fehlende Deutsch-Lehrer für junge Flüchtlinge sind kein Argument mehr
Region Altenburg Sojka: Fehlende Deutsch-Lehrer für junge Flüchtlinge sind kein Argument mehr
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19:00 19.04.2016
Flüchtlingskinder in der Wilhelm-Busch-Schule in Altenburg, unterrichtet von Nana Mekokishvili und Bärbel Pohl. Quelle: Foto: Mario Jahn
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Altenburg

Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) droht mit Krach und macht ihn schon, Landrätin Michaele Sojka (Linke) hat den Streit sogar zur Chefsache erklärt. Doch das Problem, dass 46 Flüchtlingskinder aus Altenburg entgegen der gesetzlichen Forderung nach wie vor nicht unterrichtet werden, ist nicht gelöst. Und das nun schon seit Wochen. Der öffentliche Druck hat dennoch Wirkung gezeigt. Eine Hauptursache für den nicht erteilten Unterricht waren die fehlenden Lehrer, die den Flüchtlingen Deutsch als Zweitsprache (DAZ) beibringen.

Es gibt sie aber doch. So kennt der Leiter des Friedrichgymnasiums, Thomas Lahr, eine junge Kollegin aus Dresden, die gern nach Thüringen kommen würde. Außerdem wird eine junge Lehrerin im Lerchenberggymnasium zum Schuljahresende sogar arbeitslos, da ihr befristeter Vertrag ausläuft. Diese Kollegin hat Informationen der OVZ zufolge zusätzlich zu ihren Fächer eine DAZ-Ausbildung und möchte weiter arbeiten. Neben einer neuen beruflichen Perspektive für sie selbst würde die junge Frau das Problem der nicht unterrichteten Flüchtlingskinder entschärfen.

So sehen das auch Landrätin und Oberbürgermeister, die beide ebenso Kenntnis von den zwei Kollegen haben und sich mit dem Argument der fehlenden DAZ-Lehrer nun nicht mehr abspeisen lassen möchten.

Sojka hatte kürzlich ihren zuständigen Fachbereichsleiter angewiesen, deshalb mit dem Schulamt Kontakt aufzunehmen. „Es scheint doch so, dass Lehrer durchaus zu finden sind, erklärte die Landrätin, die vom Schulamt eine positive Antwort erwartet. „Keine Lehrer zu haben, ist nun für mich kein Argument mehr“, fordert Sojka baldigst Ergebnisse.

Das will auch OB Wolf, der die Schulbehörde zu einer schnellstmöglichen Überprüfung aufgefordert hat, ob und wann die beiden betreffenden Kollegen einsetzbar sind. Lange will Wolf nicht darauf warten. Mit einer Antwort rechnet er bereits kommenden Montag, wenn sich Vertreter von Schulamt, Landratsamt und Stadtverwaltung erneut zur Thematik treffen werden.

Falls einer der beiden Kollegen einsetzbar wäre, könnte die von Wolf geforderte vierte Starterklasse im Landkreis eröffnet werden, in denen junge Flüchtlinge Deutsch lernen. Denn die Kapazitäten dafür im Landkreis sind erschöpft.

Damit steht das Altenburger Land in Thüringen freilich nicht allein da. Bei einer Beratung der Thüringer Stabsstelle für Flüchtlinge in Schulen im Bildungsministerium wurde eingeschätzt, dass die Kapazitäten vor allem in den Städten ausgeschöpft sind, im ländlichen Raum allerdings noch nicht. In Anwesenheit von Bildungsstaatssekretärin Gabi Ohler (Linke) wurde eingeräumt, dass das Schulsystem Zufälligkeiten unterworfen ist, weil im Mittelpunkt die Unterbringung der Flüchtlinge steht und nicht der Schulbesuch. Eine Planbarkeit für räumliche und personelle Ressourcen fehle somit. Dazu kommt, dass gar nicht feststeht, wie viele schulpflichtige Flüchtlinge ankommen. Und es steht immer noch nicht fest, wer zahlt, wenn Flüchtlingskinder mit dem Bus in Schulen anderen Gemeinden transportiert werden müssen.

Von Jens Rosenkranz

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