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Altenburg Sojka forciert Gratis-Bustickets für alle Schüler
Region Altenburg Sojka forciert Gratis-Bustickets für alle Schüler
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00:38 26.02.2018
Landrätin Sojka will im Falle ihrer Wiederwahl die Zwei-Klassen-Gesellschaft im Schulbus aufheben. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Ab 2019 sollen alle Schüler des Altenburger Landes kostenlos Bus fahren dürfen. Mit diesem Versprechen hat Landrätin Michaele Sojka (Linke) ihren Wahlkampf eröffnet. „Ich möchte, dass der Öffentliche Personennahverkehr im Landkreis allen Kindern und Jugendlichen zugute kommt und nicht nur denen, die per Gesetz Anspruch auf eine kostenlose Monatskarte haben“, sagte Sojka im Gespräch mit der OVZ.

Allerdings löst diese Botschaft auf politischer Ebene Bedenken aus. Die nominierten Gegenkandidaten im Ringen um den Chefsessel im Landratsamt äußern Zweifel, dass aus der Ansage tatsächlich Praxis wird.

Immerhin: Michaele Sojka hat mit diesem Thema einen Reizpunkt getroffen. Zum einen, weil seit diesem Monat Überlegungen der Bundesregierung durch die Medien gehen, einen kostenlosen Nahverkehr in deutschen Städten einzuführen. Der Mitteldeutsche Verkehrsverbund (MDV), dem auch das Altenburger Land angehört, hatte sich dabei als Test-Region ins Spiel gebracht.

Vor allem aber ist die unterschiedliche Bezahlung von Schülertickets im Landkreis seit Jahren in der Diskussion. Denn die Schülerschaft – derzeit insgesamt rund 5200 Mädchen und Jungen – teilt sich in zwei Gruppen: Jene, die ihr Ticket für die Fahrt zur Schule vom Schulverwaltungsamt gestellt bekommen, und die anderen, die entweder in Vorkasse gehen oder selbst löhnen müssen.

Bei jedem Zweiten greift das Schulgesetz

Bei den Erstgenannten greift das Thüringer Schulgesetz. Erst- bis Zehntklässler, die die nächstgelegene staatliche Schule besuchen und mindestens zwei beziehungsweise drei Kilometer Schulweg haben, bekommen die Schülerregionalkarte gratis vom Landratsamt. „Davon profitiert im Moment jeder zweite Schüler im Landkreis“, schildert Sojka.

Wer jedoch eine entferntere Bildungsstätte wählt – was gerade bei den profilierten Regelschulen und Gymnasien häufig passiert – muss die aktuell 48,10 Euro für die Schülerregionalkarte erst mal selbst bezahlen und dann einen Antrag auf Kostenerstattung einreichen. Ist der Schulweg zu kurz, wird gar nichts erstattet: Dann bleibt bei Bedarf nur der Fußmarsch oder der Griff in die Privatschatulle.

„Problematisch und ungerecht wird das vor allem dann, wenn Schulen Ausflüge veranstalten oder Schüler nachmittags noch etwas unternehmen wollen. Dann müssen sich die einen ein Ticket kaufen und die anderen nicht“, erklärt Sojka. Und will Schluss machen mit diesen Unterschieden – ab dem Schuljahr 2019/20, sofern sie wiedergewählt wird.

Zweifel an der Finanzierbarkeit

Doch wie soll das bezahlt werden? Sojka will den Kreishaushalt 2019 entsprechend ausstatten, setzt auf ein Positivvotum des Kreistages. Uwe Melzer (CDU), ebenfalls Landratskandidat sowie Fraktionschef der Christdemokraten im Kreistag, schüttelt beim Blick auf die Zahlen den Kopf: „Der Landkreis finanziert die Schülerbeförderung nach Haushaltsplanentwurf 2018 mit einem Zuschuss von etwa 1,5 Millionen Euro. Würde Frau Sojka allen Schülern pauschal die Regionalkarte geben, würden sich die Kosten verdoppeln.“ Da stelle sich die Frage nach dem tatsächlichen Bedarf. „Diese Bedarfe sind zu erarbeiten und nachzuweisen“, fordert Melzer.

SPD-Landratskandidat Frank Rosenfeld kann der generell kostenlosen Schülerregionalkarte zwar durchaus etwas abgewinnen, hegt aber ebenfalls Zweifel an der Realisierbarkeit. „Die Wählerinnen und Wähler sind klug genug zu wissen, was davon zu halten ist, wenn im Wahlkampf ohne konkrete Zahlen und Finanzierungsmodelle Versprechungen gemacht werden. Immerhin hätte das Landratsamt bereits in den letzten sechs Jahren einen entsprechenden Anlauf unternehmen können“, stellt Rosenfeld fest.

Außerdem geht es dem Sozialdemokraten auch um ein attraktives Angebot im Nahverkehr – nicht zuletzt für Berufsschüler. „Auf der Regionalmesse im Jobcenter Altenburg am letzten Samstag wurde deutlich, dass Auszubildende nicht mit dem öffentlichen Nahverkehr die Ausbildungsbetriebe in den Gewerbegebieten erreichen können. Es sollte die Aufgabe des neuen Landrats sein, hier Abhilfe zu schaffen.“

Elft- und Zwölftklässler sollen weiter zuzahlen

Michaele Sojka verweist in punkto Angebotsverbesserung auf aktuelle Projekte wie „Schmölln macht mobil“, das unter anderem die Schmöllner Peripherie besser an die Kernstadt anbinden und später im Landkreis Schule machen soll. Eine deutliche Ausweitung der Busverbindungen im Altenburger Land habe sie derzeit aber nicht auf der Agenda. „Es geht mir zunächst darum, junge Leute stärker an den ÖPNV zu gewöhnen. Deshalb soll die Schülerregionalkarte künftig auch in allen Ferien gelten.“

Anders als jetzt: Da muss in den Sommerferien ein Extrafahrschein gekauft werden. Nicht rütteln will Michaele Sojka an den Zuzahlungen, die Elft- und Zwölftklässler für ihr vom Amt finanziertes Ticket leisten müssen. Auch beim MDV-Azubi-Ticket sieht sie im Moment keinen Veränderungsbedarf.

Von Kay Würker

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