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Altenburg Sojka sieht Landkreis nicht mehr als Anhänger, sondern bald als Lok
Region Altenburg Sojka sieht Landkreis nicht mehr als Anhänger, sondern bald als Lok
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15:19 18.03.2018
Landrätin Michaele Sojka (Linke) spricht am Freitag zum traditionellen Jahresempfang vor rund 300 Gästen im Landratsamt. Quelle: Foto: Mario Jahn
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Altenburg

„Die Zeiten, in denen das Altenburger Land abgehängt war, sind vorbei.“ Der Landkreis werde in Thüringen geachtet, parteiübergreifend geschätzt und sei in Mitteldeutschland bestens vernetzt. Diese Kernaussagen stellte Landrätin Michaele Sojka (Linke) an den Beginn ihrer Rede zum traditionellen Jahresempfang des Landkreises, des Klinikums und der Sparkasse Altenburger Land am Freitag im Landratsamt.

Mehr als 1000 offene Arbeitsstellen seien ein Beleg für eine wachsende Wirtschaft, sagte Sojka vor rund 300 Gästen. Der Landkreis habe in den zurückliegenden Jahren rund 47 Millionen Euro an Fördermitteln erhalten und seit 2013 mehr als 60 Millionen Euro investiert. In den vergangenen fünf Jahren konnten 7,4 Millionen Euro, und damit ein Fünftel der Schulden des Kreises abgebaut werden. Die Landrätin schlussfolgerte, dass die Zeiten, in denen sich auch viele Entscheidungsträger im Altenburger Land abgehängt fühlten, damit ebenfalls endgültig vorbei sind. „Und wir arbeiten täglich daran, vom Anhänger zur Lokomotive zu werden.“

Der vorwiegend mittelständischen Wirtschaft im Landkreis gehe es gut, die Unternehmen entwickelten sich positiv, die Auftragsbücher seien sehr gut gefüllt und die positive Atmosphäre sei auf Wachstum gerichtet, „selbst die Löhne und Gehälter steigen endlich.“

Sojka sprach sich dafür aus, neue Lebens- und Wohnideen für den ländlichen Raum zu entwickeln. Sie sei froh, dass im neuen Koalitionsvertrag endlich eine Wende festgeschrieben wurde zu Gunsten des ländlichen Raums. Die Fehlsteuerung zugunsten der Großstädte und gegen den ländlichen Raum habe zu Landflucht bei gleichzeitigem Wachstum der Städte und einem riesigen Mangel an Wohnungen, Kita- und Schulplätzen in Städten geführt. Gleichzeitig kam es zu Schulschließungen und Leerstand bis hin zum Abriss auf dem Land, zu Preisexplosion auf der einen, Preisverfall auf der anderen Seite. „Es macht keinen Sinn, in der Stadt den Bau und auf dem Land den Abriss zu subventionieren. Sinnvoll dagegen sei, auf dem Dorf wieder Verkaufseinrichtungen, medizinische Versorgung, den öffentlichen Nahverkehr, attraktive Arbeitsplätze und kulturelles Leben zu fördern. „Damit kann man Milliarden Euro sparen und Millionen Menschen ein glückliches und gesundes Leben auf dem Land ermöglichen.“

Sojka rief dazu auf, der Landwirtschaft mehr Wertschätzung entgegen zu bringen. Sie sei die Grundlage für die erfolgreiche Ernährungswirtschaft im Altenburger Land. „Einen weiteren Flächenverlust unserer hochwertigen Böden sollten wir nicht zulassen, sondern unsere Landwirte in ihrer Arbeit unterstützen.“

Die Landrätin erinnerte an das bundesweite Focus-Ranking, bei dem der Landkreis in der Kategorie Lebensqualität von 401 Landkreisen und Städten Platz 205 belegt. Allerdings gebe es nach wie vor auch andere Perspektiven, wie die eines Rentners mit gebrochener Erwerbsbiografie oder die einer alleinerziehenden Mutter mit Mindestlohn „und die Perspektive der vielen Kinder in unserem Landkreis, die unter Hartz-IV-Bedingungen aufwachsen“. Ihr Ziel sei, die Gruppe der Heranwachsenden und zukünftigen Azubis besser in den Blick zu bekommen. Keiner dürfe zurückgelassen werden, damit die hohe Jugendarbeitslosigkeit im Landkreis weiter sinkt. Jugendlichen in verschiedenen Lebenslagen müsse schnell und effizient geholfen werden. Das Ziel aller müsse sein, auf lokaler Ebene jeden Tag weiter daran zu arbeiten, dass es im Altenburger Land für jeden lebenswerter wird, „damit rechte Rattenfänger keine Chance haben und sich Geschichte nicht wiederholen kann.“

Beifall erhielt Sojka allerdings nur am Ende ihrer 30-minütigen Rede, die sie – sichtlich angespannt – zügig vom Blatt ablas. Nach ihr folgte Benjamin-Immanuel Hoff (Linke). Der Thüringer Staatskanzlei-Minister wendete sich dem Thema Heimatpolitik zu, die dann am besten sei, wenn die ländlichen Räume heimatlich gestaltet würden. Hoff bezeichnete die Thüringer Ministerien als die Partner der Kommunen bei dem Ziel, gleichwertige Lebensbedingungen in allen Teilen des Landes zu schaffen.

Von Jens Rosenkranz

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