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Solide Bilanz, unsolide Finanzen

Solide Bilanz, unsolide Finanzen

Der Fremdenverkehrsverband Altenburger Land geht erneut mit einem "Nothaushalt" ins nächste Jahr. Sowohl Landrätin Michaele Sojka (Linke) als auch Christine Büring von der Altenburger Tourismus-GmbH sprachen auf der Mitgliederversammlung am Dienstag von einem "Übergangsjahr".

Denn eine angemessene Finanzierung des Verbandes, der sich um die touristische Vermarktung des Landkreises, der Städte und Gemeinden und seiner übrigen Mitglieder kümmern soll, gibt es weiterhin nicht.

 

Dabei ist die Bilanz des Verbandes beeindruckend: Auf 55 Messen wurde in diesem Jahr für das Altenburger Land geworben, die durchgängige Beschilderung der Radwege ist fast abgeschlossen, Luther- und Spalatin-Projekte erschlossen neue Besuchergruppen, der von der Tourismus GmbH betreute Internetauftritt wurde von fast 10 000 Nutzern mehr als im Vorjahr angeklickt. Und die Besucherzahlen steigen überdurchschnittlich, wie die Landrätin an die Einschätzung des Chefs der Landesentwicklungsgesellschaft erinnerte. "Der Tourismus ist im Altenburger Land nachweisbar ein Wirtschaftsfaktor", stellte Sojka, die zugleich Vorsitzende des Verbandes ist, zufrieden fest.

 

Übrigens verteilen sich die Osterland-Besucher inzwischen je zur Hälfte auf die Stadt Altenburg und den Rest des Landkreises, der damit gegenüber dem Touristenmagnet Residenzstadt deutlich aufholte. Anteil an der erfreulichen Entwicklung hat neben dem Ausbau des Radwegenetzes auch die verbesserte S-Bahnanbindung nach Leipzig und Chemnitz. Touristen aus Sachsen führen die Besucherstatistik an, gefolgt von Thüringern und Berlinern.

 

Doch die Finanzierung des erfolgreichen Verbandes ist völlig ungeklärt. Momentan lebt er von der Substanz: Lag der Kassenbestand Anfang 2013 noch bei rund 20 000 Euro, ist es aktuell nur noch die Hälfte. "Wir verwalten den Mangel und brauchen unsere Reserven auf", bestätigte Christine Büring. Ihre Tourismus GmbH erledigt die praktische Arbeit für den Verband, seit sich die Thüsac aus dieser Aufgabe zurückzog. Mit einem Jahresbudget von nur 57 000 Euro, das inzwischen auf 49 000 Euro gedeckelt ist, "lassen sich nur wenige Sprünge machen", so die Tourismus-Chefin. Allein die 55 Messen kosteten 15 000 Euro, und das auch nur deshalb, weil Kooperationen mit Sponsoren und Partner-Verbänden gefunden wurden.

 

Und eine grundsätzliche Besserung kommt im günstigsten Fall ab 2016. Bis dahin soll die Finanzierung des Verbandes auf eine ganz neue Grundlage gestellt werden. Auf der Mitgliederversammlung wurde das geplante Modell erstmals öffentlich vorgestellt.

 

Danach sollen künftig der Landkreis und die Stadt Altenburg zu gleichen Teilen die Hauptlast tragen. In der Modellrechnung waren dafür jeweils 94 000 Euro kalkuliert. Denn der Landkreis plant einen "Tourismus-Euro" pro Kopf seiner Bürger, daher die ungerade Summe. Kommunen, die Mitglieder des Verbandes sind, sollen 17 000 Euro beisteuern, 15 000 Euro würden von privaten Mitgliedern, wie etwa Gastronomen, Hoteliers oder Ferienwohnungs-Vermietern, kommen. Die insgesamt 220 000 Euro sollen um weitere 20 000 Euro von Sponsoren und 50 000 Euro Projekt- und Fördermittel auf soein Jahresbudget von 290 000 Euro aufgestockt werden - immerhin fast das Vierfache des jetzigen Etats.

 

Um das "Übergangsjahr" 2015 halbwegs zu überstehen, will der Landkreis seinen bisherigen Jahresbeitrag von 25 000 Euro einmalig verdoppeln, um wenigstens die Pflege des Internetauftritts sicherzustellen. Doch nichts von alledem ist bisher beschlossen. Eine Arbeitsgruppe soll erst einmal die komplizierten Finanzbeziehungen ordnen, nicht zuletzt unter Berücksichtigung der europäischen Bestimmungen für Ausschreibung und Vergabe der künftigen "Geschäftsbesorgung" für den Verband. Denn dass die Altenburger Tourismus GmbH diesen Job weitermachen soll und überhaupt will, steht ebenfalls nicht fest.

 

Vor allem die Kommunen machen deshalb Druck. Altenburgs Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) sprach von einem "Offenbarungseid", weil der Verband 2015 praktisch nicht arbeitsfähig sei: "Ich weiß nicht, wie das funktionieren soll." Außerdem forderte er eine detaillierte Leistungsbilanz des Verbandes für den Kreistag ein. Was aktuell vorliegt, "reicht nicht aus, damit dort die Hände hochgehen", schätzte er als Kreistagsmitglied ein. Ähnlich sieht dies CDU-Kreistagsfraktionschef Uwe Melzer. Der Chef der Verwaltungsgemeinschaft Pleißenaue verlangte, dass die Landrätin in der März-Sitzung des Kreistages entsprechende Anträge einbringt, damit das komplexe Thema gründlich beraten werden kann. © Kommentar

Günter Neumann

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