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Sommerkabarett sorgt erneut für Besucheransturm im Wieratal

Gastspiel der Gößnitzer Nörgelsäcke Sommerkabarett sorgt erneut für Besucheransturm im Wieratal

Sechs Vorstellungen an zwei Wochenenden und alle – zumindest für die Indoor-Variante – im Vorfeld ausverkauft. Das ist die Bilanz des diesjährigen Sommergastspiels der Gößnitzer Nörgelsäcke in Garbisdorf. Sie boten ihre Programm „100 Prozent Satire – außer auf Tiernahrung“ in einer aktualisierten Version und ließen auch schon mal das Publikum abstimmen.

Auch wenn’s vorher stundenlang geregnet hat – draußen ist es doch am schönsten. Blick auf die Open-Air-Bühne.

Quelle: Mario Jahn

Garbisdorf. Kabarettisten müssen flexibel sein, improvisieren können. Und das offenbar nicht nur, wenn es um ihre Programme geht, die den sich überschlagenden Ereignissen in einer aus den Fugen geratenen Welt gewachsen sein wollen. Nein, manchmal müssen sie es auch, wenn es um ihr Publikum geht. Und so haben die Gößnitzer Nörgelsäcke bei ihrem diesjährigen Sommerkabarett im Wieratal ganz flexibel reagiert und die Gäste gleich zweimal demokratisch darüber abstimmen lassen, wo denn nun gespielt wird: draußen oder drinnen, vor oder im Kulturgut Quellenhof in Garbisdorf.

Bei ihren insgesamt sechs Auftritten an den zurückliegenden beiden Wochenenden mimte Petrus zweimal den Spielverderber. Gleich zur ersten Vorstellung war es so empfindlich kalt, dass die Mehrheit der Zuschauer sich gegen ein Open Air entschied. Und als es jetzt am Sonnabend bis kurz vor Beginn regnete, musste gleichfalls ein Votum her. Diesmal wollten die Gäste, nachdem sie unter dem schützenden Dach gespeist hatten, die Vorstellung dann doch lieber draußen genießen. Also wurden flugs alle Bänke, Stühle und Tische abgewischt.

Kann man verstehen, denn das Flair rund um das mit viel Liebe restaurierte – wenn auch noch nicht ganz fertige – Areal in Garbisdorf sucht sehr wohl seinesgleichen. Eingerahmt von Wiesen, einem Bauerngarten und den Fachwerkbauten haben sich die Kabarett-Auftritte der Pleißestädter mittlerweile zu einem echten Selbstläufer entwickelt. So waren denn die 90 Plätze, die pro Vorstellung im Quellenhof zur Verfügung stehen, sechsmal ausverkauft. Wenn’s bei schönem Wetter aber nach draußen ging, dann dann gab es für Kurzentschlossene an der Abendkasse noch jede Menge Tickets zu kaufen.

„Und das wurde wieder gern genutzt“, freut sich Kabarett-Chef Markus Tanger. Allein zur letzten Vorstellung am Sonntag bescherte dies den Nörgelsäcken das beste Ergebnis aller 2016er Vorstellungen: 130 Zuschauer wollten erleben, wie Markus Tanger, Thomas Puppe und Micha Kreft ihr Versprechen „100 Prozent Satire auf alles – außer Tiernahrung“ einlösen.

Und sie wurden nicht enttäuscht. Ein Lacher jagte den nächsten, zumal Tanger und Puppe in gewohnter Manier hellwach auf das Publikum reagierten. Sei es, wenn jemand mitten in der Vorstellung aufs Klo verschwand oder sich gar in den Programmflyer vertiefte oder sich mit seinem Zwischenruf als waschechter Sachse outete. Ob als Postbeamte, Fahrschüler und -lehrer, alte Herren im neuen Restaurant, Einbrecher und Wohnungsinhaber oder Tanger in seiner Paraderolle als Isolde Schulze – selten hat man die Nörgelsäcke vor allem im doch etwas leichter daherkommenden Sommerkabarett so aktuell und so hoch politisch erlebt.

An der Großen Koalition blieb am Ende nicht ein gutes Haar. Mit der „Bild am Sonntag“ vom Tage wurde das schreckliche Geschehen in München verarbeitet. Schneller und aktueller geht wirklich nicht. Und auch um die Flüchtlingskrise wurde kein Bogen gemacht: „14 neue Menschen in Gößnitz, das hat es seit der Völkerwanderung nicht gegeben. Doch die passen nicht nach Gößnitz, die sind jung und schön ...“

Allerdings werde es gerade in diesen Tagen immer schwieriger, die aktuellen Ereignisse satirisch zu kommentieren. „Manchmal bleibt einem das Wort im Halse stecken“, bekennt Tanger.

Eine Ruhepause indes gibt es nicht, denn schon am Montag ging es wieder auf die Insel Rügen, wo die Nörgelsäcke sommers seit einigen Jahren eine Dependance unterhalten. Und auch hier braucht man sich der Urlauber wegen um die Besucherzahlen keine Sorgen zu machen. Bis Ende Oktober wird in Baabe gespielt, ab Mitte September dann zweigleisig. Denn am 17. September beginnt in Gößnitz die neue Saison.

Von Ellen Paul

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