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Altenburg Sonderschau eines fast vergessenen Künstlers
Region Altenburg Sonderschau eines fast vergessenen Künstlers
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19:10 23.02.2016
Künstlerischer Gedankenaustausch: Marina von Assel (Kunstmuseum Bayreuth, l.) im Gespräch mit Julia M. Nauhaus und Danielle Eliasberg (r.).  Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

 Zum vorerst letzten Mal ist im Lindenau-Museum eine Sonderschau im Rahmen der 2013 von Direktorin Julia M. Nauhaus begründeten Reihe „Altenbourg im Dialog“ eröffnet worden. Diesmal ist es Paul Eliasberg (1907-1983), der in Beziehung zum lange Zeit in Altenburg lebenden Ausnahmetalent Gerhard Altenbourg gesetzt wird.

„Auch für mich waren Paul Eliasberg und sein Werk eine Entdeckung, und ich bin dankbar dafür, darauf gestoßen zu sein“, sagt die Kuratorin dieser jüngsten Exposition, Julia M. Nauhaus. Nach Martin Disler, Werner Heldt und Julius Bissier, denen die Kunsthistorikerin die ersten drei Dialog-Ausstellungen widmete, die allesamt zwar in ihrer Geisteshaltung und einigen Ansätzen ihres künstlerischen Schaffens Parallelen zu Altenbourg aufwiesen, ihn aber nie persönlich kennengelernt hatten, kommt Eliasberg eine besondere Rolle zu. Diese beiden, nunmehr ins Zwiegespräch gesetzten Künstler, haben sich tatsächlich gekannt, und mehr noch: Sie haben einander menschlich wie fachlich geschätzt.

Davon legen die Druckgrafiken Zeugnis ab, die sie sich gegenseitig widmeten, vor allem aber ihr Briefwechsel, der – soweit erhalten – im Katalog zur Ausstellung jetzt erstmals veröffentlicht worden ist. Nach der einzigen persönlichen Begegnung im Jahr 1969, als Eliasberg Gerhard Altenbourg in seinem Haus im Braugartenweg besuchte, folgten zehn Jahre des schriftlichen Austauschs. Danielle Eliasberg, die 1941 geborene Tochter von Paul Eliasberg, die zur Eröffnung der Ausstellung am Sonnabend eigens zu diesem Anlass aus Paris in die Skatstadt reiste, hat dem Museum die Briefe Altenbourgs an ihren Vater im Vorfeld der Katalogvorbereitung geschenkt.

In Altenbourgs Nachlass, der gegenwärtig wissenschaftlich aufgearbeitet wird, fanden sich sieben erhalten gebliebene Radierungen mit Widmungen von Paul Eliasberg. Sie bilden den Kern der aktuellen „Dialog“-Ausstellung.

Hauptgegenstand künstlerischer Auseinandersetzung bei Eliasberg waren Kirchen und die Landschaft, letztere war gleichermaßen bei Altenbourg ein zentrales Sujet, wie eine 2014 zu seinem 25. Todestag realisierte Präsentation mit 120 Landschaften des Meisters belegte.

Mit der Auswahl der für die jetzige Sonderausstellung auserwählten (Landschafts-)Arbeiten stellt Julia M. Nauhaus unter Beweis, dass es zwischen Eliasbergs Radierungen und den Lithographien Altenbourgs formale Parallelen gibt. Berge beispielsweise spielen bei beiden eine große Rolle. Aber auch die Hinwendung zum Baum als Motiv verbindet die beiden Künstler. Allerdings erweisen sich die Darstellungen als unterschiedlich.

Ein Anliegen der Ausstellungs- und Publikationsreihe „Altenbourg im Dialog“ war es, in Vergessenheit geratenen Künstlern ein neues Podium zu schaffen und deren Werk zurück ins Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Solch eine späte Würdigung erfährt nunmehr auch Paul Eliasberg, dem die bislang letzte Museumsausstellung 1989 galt.

Ohnehin dauerte es – aufgrund seiner Herkunft und Biografie – lange, ehe er in seinem Geburtsland als Künstler Anerkennung fand. 1907 als Sohn russisch-jüdischer Eltern in München geboren, dort und in Berlin aufgewachsen, erlebten er den Antisemitismus frühzeitig. 1926 übersiedelte die Familie nach Paris. Nach Kriegdienst und Mitgliedschaft in der französischen Widerstandsbewegung wurde Eliasberg 1947 französischer Staatsbürger und lebte als Künstler in Paris. Deutschland besuchte er erst 1957 wieder, nach 31 Jahren der Abwesenheit.

Jetzt also bietet das Haus an der Gabelentzstraße neuerlich die Möglichkeit einer Begegnung mit seinem Schaffen, die darüber hinaus den Bogen zum Œuvre Gerhard Altenbourgs schlägt.

Von Frank Engelmann

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