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Altenburg Mini-Museen im Altenburger Land fehlen Ehrenamtliche
Region Altenburg Mini-Museen im Altenburger Land fehlen Ehrenamtliche
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12:46 27.10.2018
Steffi Müller vom Heimatverein in Meuselwitz hat große Freude daran, Schülern die Haushaltsgeräte von früher zu erklären – nur leider kommen die Schulklassen so selten. Quelle: Mario Jahn
Altenburger Land

Steffi Müller hat eine besondere Strategie, wenn Schulklassen in das gemütliche Heimatmuseum in Meuselwitz kommen. Über den Besuch von Kindern freut sich die ehrenamtliche Helferin besonders und nimmt sie mit ins oberste Stockwerk des Fachwerkhauses, wo viele Haushaltsgegenstände von früher aufbewahrt werden. Statt den Schülern nur mal eine alte Kaffeemühle unter die Nase zu halten, erzählt Steffi Müller ihnen eine Geschichte. „Was machen wir, wenn wir ein Brot mit Butter essen wollen? Und ich meine jetzt nicht, dass wir in die Kaufhalle gehen“, fragt sie die Kinder dann. Sie erklärt ihnen, wie ein historischer Butterstampfer funktioniert oder wie früher Getreide gedroschen wurde. Das macht Müller gern und mit viel Elan – im vergangenen Jahr kam aber lediglich eine Schulklasse zu Besuch.

Diese Erfahrung teilen viele Ehrenamtliche im Altenburger Land, die sich in Regionalmuseen engagieren. Den Heimatvereinen, die häufig Träger der kleinen Museen sind, mangelt es an Nachwuchs. Noch gibt es im Altenburger Land eine Vielzahl dieser Heimatstuben oder -scheunen. Neben Meuselwitz finden sich diese Museen der kleinsten Art auch in Rositz, Gößnitz, Schmölln oder Lucka, um nur einige zu nennen. Für ältere Menschen stellen sie einen wichtigen Ort dar, um die Erinnerung an die Vergangenheit lebendig zu halten. Aber jüngere Menschen haben oft wenig Berührungspunkte mit den Zeugen der Vergangenheit. Die Mitglieder der Heimatvereine machen sich daher Sorgen um die Zukunft der Erinnerung.

Klassentreffen im Heimatmuseum Meuselwitz

Das fehlende Interesse der Jugend merken Steffi Müller und ihr Mitstreiter Lares Kirmse, die seit der Gründung 1991 im Meuselwitzer Heimat-, Umwelt- und Naturschutzverein aktiv sind, schon lange. Ältere Mitbürger nehmen das Museum allerdings durchaus wahr. Erst neulich kam ein Paket aus dem weit entfernten Kiel an, welches das Gemälde eines Meuselwitzer Hobbykünstlers enthielt. „Oft finden die Kinder von weggezogenen Meuselwitzern im Nachlass ihrer Eltern Gegenstände, die für das Heimatmuseum bestimmt sind“, erzählt Kirmse. An ehrenamtlichen Helfern fehlt es dennoch. Früher hatte das Museum jeden Sonntag geöffnet, heute nur noch nach Voranmeldung. „Das können wir einfach nicht mehr stemmen“, sagt Müller.

Im Altenburger Land gibt es viele Heimatstuben und Dorfmuseen sowie Menschen, die sich für diese engagieren. Diese Bildergalerie zeigt die Besonderheiten der Heimatmuseen in Meuselwitz und Rositz.

Die Vereinsmitglieder finden aber auch immer wieder Wege, das Museum lebendig zu halten. Neulich haben sie zum Beispiel einen 100 Meter langen roten Faden durch das ganze Haus gespannt. Daran hängen über 130 Fotos, die zwischen den 1950er- und 1970er-Jahren aufgenommen wurden. „Bei vielen Fotos wissen wir nicht, von wem sie stammen oder bei welcher Gelegenheit sie aufgenommen wurden“, erklärt Müller. „Wir hoffen, dass einige Leute sich wieder erkennen.“ Und tatsächlich konnten sich bei einem Abitreffen, das neulich auf Wunsch der Ehemaligen im Museum abgehalten wurde, einige Leute auf den Fotos identifizieren. „Auch den berühmten Meuselwitzer Dichter Wolfgang Hilbig hat schon jemand als Kind auf den Fotos entdeckt“, sagt Kirmse.

BufDis halten die Heimatscheune in Rositz am Laufen

In Rositz hat man das Problem der fehlenden ehrenamtlichen Helfer anders gelöst. Zwar helfen dem 23 Mann starken Heimatverein die Rositzer durch Sachspenden, doch der ansässigen Jugend mangelt es auch hier an Interesse an der Heimatstube und -scheune. Das bereitet den Mitgliedern Sorge um die Zukunft des Heimatvereins. Früher habe es einen jungen Mann Anfang Zwanzig im Verein gegeben. „Unglücklicherweise ist er viel zu früh verstorben. Um ihn trauern wir noch heute“, erzählt Vereinsmitglied Sabine Türpisch.

Heimatstube und -scheune werden von dem Bundesfreiwilligen Frank Herrmann betreut. Der Rentner ist ebenfalls Mitglied im Heimatverein und kümmert sich sechs Stunden am Tag um die Ausstellung. Ein Teil davon ist ein kleiner Kinosaal. Aber statt digitalem Kino gibt es auf der zweiten Etage der Heimatstube, einer ehemaligen Kutscherwohnung, noch immer Filmvorführungen mit alten Projektoren, welche an das frühere Rositzer Kino „Metropol-Theater“ erinnern. Sogar die letzten drei originalen Kinositze des Lichtspieltheaters stehen hier. Herrmann hat Kitas und Horten aus der Umgebung angeboten, Vorstellungen für die Kinder zu geben, doch bis jetzt fand das noch nicht statt.

Heimatmuseen sind beliebt für Weihnachtsausstellungen

Gut angenommen hingegen wird die Ausstellung zum 90. Jubiläum der „Neuen Schule“ in der Heimatscheune, die direkt gegenüber des Bernsteinhofs liegt. Neben einer thematisch passenden Sammlung von landwirtschaftlichen Werkzeugen und Maschinen werden auch Einschulungsfotos aus den vergangenen Jahrzehnten gezeigt. Regelmäßig kommen ehemalige Schulklassen vorbei, um die Erinnerung an ihre Schulzeit wieder aufleben zu lassen. Im Obergeschoss der Scheune wartet zudem ein wahres Highlight der Ausstellung: Ein originalgetreuer Bergstollen. Dieser Raum lässt Besucher die Atmosphäre der Bergarbeit durch seine engen Wände, sein spärliches Licht und die am Boden angebrachten Schienen erleben.

Im Heimatmuseum von Gößnitz ist die Weihnachtsausstellung sehr beliebt, vor allem bei Kindern. Das Museum wird hauptsächlich von der 61-jährigen Christiane Fiedler betreut. Sie ist von der Stadtverwaltung angestellt und kümmert sich auch noch um die Bibliothek und die Galerie in Gößnitz. Nebenbei bekommt sie Hilfe von etwa acht aktiven ehrenamtlichen Mitgliedern des Heimatvereins, der insgesamt etwa 65 Mitglieder zählt. Auch Fiedler spricht von Nachwuchsproblemen. „Die Berufstätigen haben keine Zeit und die Senioren können wir nicht zu sehr belasten“, sagt sie. An Besuchern mangelt es aber eigentlich nicht. Im Jahr kommen etwa 300 Besucher in das kleine Fachwerkhaus. „Bei Ausstellungseröffnungen sind es aber auch mal 40 auf einen Schlag“, sagt Fiedler.

In Schmölln lebt das Erbe eines verlorenen Ortes weiter

In Schmölln gibt es außer dem Regional- und Knopfmuseum auch noch die Räumlichkeiten des Heimat- und Verschönerungsvereins im Kellergeschoss der Musikschule. In diesen erhält der Verein eine Ausstellung, welche ursprünglich für das 950. Jubiläum der Stadt Schmölln konzipiert wurde. Geöffnet wird die Ausstellung aber nur zu besonderen Anlässen, wie dem Tag des offenen Denkmals. Dort lebt auch die Erinnerung an einen verlorenen Ort weiter – das im Volksmund als Esse bezeichnete Kulturhaus, das nach der Wende abgerissen wurde. „Viele Schmöllner trauern noch heute um diesen Ort“, sagt Hans-Jürgen Krause, der Vereinsvorsitzende. „Hier können sie sich daran erinnern. Auch ich selbst verbinde viele glückliche Momente mit der Esse.“ Für den mangelnden Nachwuchs in vielen Heimatvereinen hat der gebürtige Schmöllner seine ganz eigene Interpretation. „Für die Geschichte seiner Region interessiert man sich vor allem dann, wenn man sie selbst erlebt hat“, sagt der 66-Jährige.

Von Pia Siemer und Sophie Bauer

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