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Sorgen um die Zukunft der Förderzentren

Altenburger Land Sorgen um die Zukunft der Förderzentren

Seit das neue Inklusive Schulgesetz Thüringen in der Arbeitsfassung publik ist, wachsen an den Fördereinrichtungen die Zukunftssorgen. Altenburger Kommunalpolitiker befassen sich ebenfalls mit dem Thema. Dabei wird die Diskussion in den letzten Tagen des Jahres noch einmal angeheizt.

Letzter Schultag im Förderzentrum Erich Kästner in Altenburg: Kinder der Klassen 3 und 4a spielen ein Märchen.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg/Schmölln. Am Donnerstag war letzter Schultag. Abschied in die Weihnachtsferien auch in den Förderzentren des Landkreises. Doch ein entspannter Jahreswechsel ist dort nicht in Sicht. Unruhe macht sich breit unter Pädagogen und Eltern – in Altenburg wie auch in Schmölln. Seit das neue Inklusive Schulgesetz Thüringen in der Arbeitsfassung publik ist, wachsen an den Einrichtungen die Zukunftssorgen. Altenburger Kommunalpolitiker befassen sich ebenfalls mit dem Thema. Dabei wird die Diskussion in den letzten Tagen des Jahres noch einmal angeheizt: Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat aufgerufen, bis zum 31. Dezember Anregungen und Kritikpunkte zu Papier zu bringen.

Am Förderzentrum Erich Kästner in Altenburg ist das gerade geschehen. Das Kollegium hat am Mittwoch eine Stellungnahme an den Beirat „Inklusive Bildung“ des Landes Thüringen gesandt, geht mit dem Gesetzesmanuskript scharf ins Gericht.

Auch der Schulelternrat hat sich zu Wort gemeldet, verfasste einen Offenen Brief. Im Visier ist vor allem das Kernanliegen des neuen Gesetzes: die künftige Eingliederung von Kindern mit Förderbedarf an den allgemeinen Schulen. Zwar wird die Inklusion, das Miteinander, grundsätzlich befürwortet, doch die Art der Umsetzung wird als rigoros empfunden.

Ab dem Schuljahr 2018/19 sollen Kinder, die in den Bereichen Sprache, Lernen oder emotional-soziale Entwicklung Förderung brauchen, an Regelschulen unterrichtet werden. Für das Förderzentrum Erich Kästner würde das bedeuten, dass mittelfristig von derzeit etwa 150 Unterrichtsplätzen ganze 120 leer bleiben. Die Einrichtung wäre dann nur noch ein sogenanntes Regionales Beratungs- und Unterstützungszentrum.

„Aus unserer Sicht ist eine bedarfsgerechte Förderung so nicht möglich“, schreiben die Elternvertreter. Sie sehen vor allem ein Ausstattungs- und Personalproblem an den allgemeinen Schulen. „Es mangelt dort an behindertengerechten Sanitärräumen, Aufzügen, Schallisolierung und nicht zuletzt an Lehrern.“ Auf der anderen Seite würden die Fördereinrichtungen über kurz oder lang als Schulen ohne Schüler dastehen.

Diese Aussicht beschäftigt auch den Altenburger Stadtrat. „Wie gehen Sie damit um, wenn am Förderzentrum Erich Kästner von 150 Schülern 120 auf andere Schulen verteilt werden?“, wandte sich André Neumann (CDU) zur jüngsten Ratssitzung an Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD). „Wird es personelle und bauliche Veränderungen an den Schulen der Stadt geben? Sind diese Maßnahmen im Haushalt und in Finanzplänen enthalten?“

Der Rathauschef beschwichtigte: „Wir warten ab, wie sich alles entwickelt. Es können nicht von jetzt auf gleich alle Schüler des Förderzentrums umverteilt werden.“ Und es werde ja investiert: Wolf verwies auf die drei Millionen Euro teure Sanierung des Karolinums in den nächsten drei Jahren. „Zu dieser Maßnahme“, so Wolf, „gehört auch der behindertengerechte Ausbau.“

Allerdings sieht der OB ein Problem in den vielen Schulen, die sich in Altbauten befinden, weil die nicht so einfach umgestaltet werden können. Um eine Stellungnahme sei die Stadtverwaltung bislang aber nicht gebeten worden. Gelegenheit dazu besteht noch, ergänzte Birgit Klaubert (Linke), Stadträtin und Thüringer Bildungsministerin. Das Gesetz sei schließlich noch nicht beschlossen. Noch bis Mitte Januar sei eine Einbringung möglich und gewünscht.

Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, so viel scheint sicher. Der Schulelternrat im Hause Erich Kästner kritisiert nicht zuletzt mangelnde Differenzierungen bei den Lernzielen für Kinder mit und ohne Förderbedarf, außerdem bleibe Jugendlichen künftig der Hauptschulabschluss verwehrt, wenn ihre Lernschwäche nach der achten Klasse fortbestehe.

Betroffen ist von der Gesetzesinitiative auch die Altenburger Regenbogenschule, die sich der Förderung der geistigen Entwicklung verschrieben hat. Und das Staatliche Förderzentrum Schmölln: Dort werden aktuell rund 40 bis 50 Kinder und Jugendliche aus dem Süden des Landkreises unterrichtet

„Wir werden für unsere Schule kämpfen, wenn es ernst wird“, kündigte Elternsprecherin Monika Kinter auf Anfrage an. Ihre Tochter habe an der Einrichtung große Fortschritte gemacht. Die Neunjährige brauche Hilfe bei Sprache, Hören und Sehen. „Sie lernt in einer kleinen Gruppe mit zehn Mitschülern und umfassender Betreuung. Anderswo in einer großen Klasse“, ist die Mutter überzeugt, „würde sie wohl als schwächstes Glied untergehen.“

Von Kay Würker und Thomas Haegeler

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