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Sozialministerin Heike Taubert über Ärztemangel und Klinikverbünde

Sozialministerin Heike Taubert über Ärztemangel und Klinikverbünde

Bei der ärztlichen Versorgung liegt das Altenburger Land im Durchschnitt des Freistaats, und die Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) sind eine Möglichkeit, das Angebot für die Bürger schnell zu verbessern, meint Thüringens Sozialministerin Heike Taubert (54, SPD).

Altenburg.

 

 

 

 

OVZ: Ist die ärztliche Versorgung im Altenburger Land gefährdet?

Heike Taubert: Das Altenburger Land ist kein Problemfeld. Es liegt im Thüringer Durchschnitt. Beispielsweise ist der Landkreis bei den fachärztlich tätigen Internisten sogar besonders gut versorgt, da liegt der statistische Deckungsgrad bei 375,1 Prozent. Bei den Chirurgen sind es 227 Prozent, bei den Anästhesisten und Augenärzten immer noch um die 100 Prozent. Selbst bei den Orthopäden, wo immer die Termine beklagt werden, sind es 131,5 Prozent. Wenn es einen Mangel gibt, dann bei den Hausärzten. Da nennt die Statistik nur 88,2 Prozent. Aber da befindet sich das Altenburger Land in guter Nachbarschaft mit anderen Kreisen am Rande Thüringens.

In einer kleinen Stadt wie Gößnitz ist dann auch schon mal Null.

Deshalb ist es so wichtig, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen eher auf solche Mängel reagieren können, auch fiskalisch. Aber das ist eben auch ein bundespolitisches Problem.

Die Politiker vor Ort sind machtlos?

Der Gößnitzer Bürgermeister hat sich ja gekümmert und eine Lösung gefunden. Aber für Bürgermeister oder Landräte ist es grundsätzlich schwierig. Sie kommen mit einer Thematik in Berührung, die nicht zu ihrem Verantwortungsbereich gehört. Ein Bürgermeister mag zwar irgendwie immer für alles zuständig sein. Aber in die komplizierten Prozesse der medizinischen Versorgung ist er nicht eingebunden. Trotzdem müssen sich die Kommunalpolitiker kümmern, wenigstens die Probleme offen benennen.

Wer muss also dann gegensteuern?

Grundsätzlich liegt die Verantwortung bei den Kassenärztlichen Vereinigungen. Sie sind dazu gesetzlich verpflichtet und bekommen von den Krankenkassen die finanziellen Mittel dafür. Der Freistaat engagiert sich zusätzlich für die Nachwuchsgewinnung, gerade für den ambulanten Bereich. Zum Beispiel, indem an der Jenaer Uni im Rahmen der medizinischen Ausbildung auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse vermittelt werden, die ein junger Arzt braucht, wenn er sich in eigener wirtschaftlicher Verantwortung niederlassen will.

Das Altenburger Klinikum versucht, durch eigene Medizinische Versorgungszentren Patienten anzusaugen. Ist das nicht sogar begrüßenswert angesichts der vielen ungelösten Probleme in der ambulanten Versorgung?

Ich will es auch nicht als ansaugen bezeichnen. Es soll eine langjährige Patientenbindung aufgebaut werden. Das sehen übrigens die Krankenhäuser, in deren Hoheitsgebieten sich MVZ von anderen Kliniken ansiedeln, dann auch gleich mit Sorge. Solche Entwicklungen muss ein Landkreis deshalb ein Stück weit mit organisieren, steuern, nicht dem Zufall überlassen. Und wenn man die Anbindung der MVZ an die Krankenhäuser nicht will, muss man selbst etwas tun. Aus anderen Bundesländern kenne ich Netzwerke, in denen sich Ärzte zusammentun und eigene MVZ gründen.

Richtet der Markt, was Ärzte, Krankenhäuser und MVZ nicht schaffen?

Nicht automatisch und vor allem nicht immer dort, wo es am nötigsten wäre. Gerade deshalb rate ich jetzt den kleineren und mittelgroßen Krankenhäusern, und gerade auch den kommunalen Krankenhäusern in Ostthüringen, sich unbedingt zusammenzutun. Denn wir werden auf Bundesebene keine Gesetzesänderung bekommen, die ihnen den Bestand sichert. Sie müssen am Markt agieren, ob ich das bedauere oder nicht, spielt keine Rolle. Sie müssen sich dringendst zusammentun, jetzt ist noch Zeit. Warum können sich in Ostthüringen die kommunalen Träger nicht zusammenfinden? Es ist ein Gebot der Zeit, und wer diese Zeit verschläft, bekommt Probleme. Die kann dann auch eine Ministerin nicht per Krankenhausplanung wieder richten.

Welche Häuser meinen Sie?

Das Altenburger, das Greizer. Wir können auch ein Stück weiter schauen und die Krankenhäuser im Saale-Orla-Kreis, in Saalfeld-Rudolstadt mit berücksichtigen. Die sind alle im kommunalen Besitz ...

.. und sollten sich zu einem kleinen kommunalen Klinik-Konzern zusammenschließen?

Erst einmal wäre ein kommunaler Klinikverbund schon ein Schritt in die richtige Richtung. Ich weiß ja, wie sehr die Kommunalpolitiker an ihren Häusern hängen.

Deshalb funktioniert das doch auch nur, wenn es vom Land gefordert, gefördert oder wenigstens nachdrücklich moderiert wird.

Aber es muss auch der eigene Wille bestehen. Und man muss die Krankenhäuser und vor allem die Bürger fragen: Was wollt Ihr? Wollt Ihr, dass Eure Standorte dauerhaft erhalten bleiben und wenigstens eine schwarze Null im Kreishaushalt steht? Oder reicht es Euch, am Ende auf die Landespolitik zu schimpfen, wenn das Krankenhaus geschlossen oder so stark reduziert wird, dass es nicht mehr attraktiv ist. Warum also entscheiden wir uns nicht für die vernünftige Lösung, für den Verbund?

Aber dem Altenburger Klinikum geht es doch gut, es investiert gerade rund 20 Millionen Euro aus eigener Tasche in einen großen Neubau.

Örtlich ist das möglicherweise sogar ein vernünftiger Weg. Wir werden aber die Krankenhausplanung nicht durch solche Eigeninvestitionen beeinflussen lassen. Entscheidend werden immer die fachlichen Aspekte sein und nicht vollendete Tatsachen.

In Altenburg wird vor allem über die Konkurrenz der privaten Klinikkonzerne in der Nachbarschaft geklagt.

Welche Altenburger meinen Sie? Die Patienten oder das Krankenhaus? Das ist doch ein großer Unterschied. Natürlich belebt die Konkurrenz das Geschäft. Aus Patienten-Sicht ist es schön, die Wahl zu haben. Vielfalt ist richtig und gut, auch, weil wir die freie Arztwahl in Deutschland aus vielen guten Gründen erhalten wollen. Aus Sicht des Krankenhauses bedeutet solche Nachbarschaft natürlich wirtschaftliche Konkurrenz. Aber der sind fast alle ausgesetzt. Interview: Günter Neumann, Robert Büssow

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