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Später Auftrag

Später Auftrag

Die Geschichte des ehemaligen Hasag-Geländes in Altenburg-Nord, auf dem der Nazi-Rüstungskonzern von KZ-Häftlingen und Zwangsarbeitern Munition herstellen ließ, soll jetzt wissenschaftlich aufgearbeitet werden.

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Baracke auf dem ehemaligen Hasag-Gelände in Altenburg-Nord, eines der noch erhalteten Zeitzeugnisse. Fotos: Mario Jahn

Quelle: Mario Jahn

Die Stadtverwaltung hat damit den Jenaer Historiker Dr. Marc Bartuschka betraut.

 

"Wir gehen in die Offensive", begründete Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) den Auftrag an den Geschichts-Experten. "Ziel der Forschungsarbeit ist eine fundierte Aussage zu dem Areal, damit wir entscheiden können, wie wir künftig mit diesen Flächen umgehen." Bartuschka bekam dazu einen Vertrag bis Ende September.

 

Wie die Stadtverwaltung informierte, hatte Wolf in den vergangenen Monaten Institutionen und Fachleute konsultiert, um weitere Möglichkeiten des Erinnerns an die Zeit des Nationalsozialismus in Altenburg zu sondieren. Da nach wie vor der Befund am Hasag-Standort nicht zweifelsfrei geklärt ist, sei dem OB geraten worden, zunächst die historischen Rahmenbedingungen des Rüstungswerks, der Zwangsarbeit und des KZ-Außenlagers wissenschaftlich untersuchen zu lassen, heißt es in der Pressemitteilung.

 

"Wir müssen endlich Gewissheit darüber haben, welche Gebäude im Hasag-Gelände welche Funktion hatten, wo das Außenlager zu verorten ist oder welche Täter- und Opfergeschichten es gibt", so das Stadtoberhaupt. Der Jenaer Marc Bartuschka habe zu diesem Thema bereits Forschungsaufträge bearbeitet und werde von Kollegen als Fachmann geschätzt. Auch Dr. Harry Stein, Kustos der Gedenkstätte Buchenwald für die Geschichte des Konzentrationslagers, hatte bei der Suche geholfen und werde der Stadt Altenburg künftig mit Rat und Tat zur Seite stehen. Dies sei eine große Bereicherung, erklärte Wolf, denn wegen des Außenlagers des KZ Buchenwald in Altenburg sei ein Austausch mit der Gedenkstätte nicht nur sinnvoll, sondern zwingend nötig.

 

Zudem hatte die Stadt noch kurz vor Jahreswechsel die zwei letzten bislang in privatem Eigentum befindlichen Grundstücke des ehemaligen Armaturenwerk-Geländes bei einer Zwangsversteigerung erworben. Sie werden ebenfalls in die Untersuchung einbezogen, da sie direkt an den ehemaligen Hasag-Komplex grenzen.

 

Das Rathaus gibt mit dem Forschungsauftrag seinen bisherigen Standpunkt zur Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit und vor allem des Hasag-Komplexes auf. Bislang stand die wirtschaftliche Erschließung des Standortes als Gewerbegebiet im Vordergrund, in das bereits fast acht Millionen Euro Fördermittel flossen. Dabei waren auch alte Hasag-Baracken abgerissen worden, ohne die Zeitzeugnisse zuvor wenigstens zu dokumentieren.

 

Das führte zu Protesten von Geschichtsforschern und Politikern (OVZ berichtete). So hatte der jetzt als Berater engagierte Buchenwald-Kustos Stein noch im Frühjahr gemahnt, Altenburg und seine Politiker hätten die Pflicht und Verantwortung, sich gegen das Vergessen einzusetzen und müssten entscheiden, wie viel ihnen der Erhalt der Baracken wert sei. Und Anja Siegesmund, Grünen-Fraktionschefin im Thüringer Landtag, lud extra zu einem Forum über Hasag und die Erinnerungskultur in Altenburg ein. "Gedankenloses Abreißen ist der Abriss der Geschichte", rügte sie damals öffentlich.

Günter Neumann

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